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Gerwyn PriceUnbeliebt, laut und Ex-Rugby-Profi – das ist der Darts-Weltmeister

Einst spielte Gerwyn Price Rugby, dann Rugby und Darts parallel und nun ist der Waliser Weltmeister der Pfeile. Der 35-Jährige will bis 50 noch so viel wie möglich gewinnen – dann hört er auf.

von
Adrian Hunziker

Gerwyn Prices letzter Dart, der ihn zum Weltmeister macht.

Video: Twitter/PDC Darts

Darum gehts

  • Gerwyn Price ist erstmals Darts-Weltmeister.

  • Der 35-jährige Waliser war früher Rugby-Profi.

  • Price provoziert mit seiner Art Fans und Gegner, doch das ist ihm egal.

  • Der Iceman wolle noch bis 50 spielen, dann höre er auf, sagt er selber.

Gerwyn Price war ein guter Rugby-Spieler, er war Profi in seiner Heimat Wales. Er spielte in seiner Jugend auch im Nationalteam. Aber: «Ich mochte es mehr, in den Ausgang zu gehen, Party zu machen statt Rugby zu spielen», gab der Waliser vor drei Jahren zu. Trotzdem blieb er bis 2014 Profi – und spielte nebenbei Darts. Dann entschied er sich mit 29, ganz auf die Pfeile zu setzen, als er bei einem Amateur-Turnier vom Darts-Profi Barrie Bates entdeckt wurde. Sein Landsmann riet Price, doch ganz auf die Sparte Darts zu setzen. Price gehorchte – und scheint es nicht bereut zu haben.

Denn wie er 2018 auf seine Jugendbeichte noch anfügte, sei das mit dem Party machen nicht mehr so. «Ich habe mein Potential im Rugby nicht ausgeschöpft. Aber das ist nun anders.» Und der Iceman, wie sein Darts-Spitzname lautet, sollte recht behalten. Geholfen, professioneller zu werden, haben ihm laut eigener Aussage auch seine Kinder.

Bei Gerwyn Price muss der Jubel stets raus – und das laut. 

Bei Gerwyn Price muss der Jubel stets raus – und das laut.

Foto: Getty Images

Price, der zu Vanilla Ices «Ice Ice Baby» einläuft, hatte bereits zu Beginn seiner Darts-Karriere Erfolg. Er schlug in einem ersten Profi-Jahr einige illustre Namen und qualifizierte sich für die WM. An den Weltmeisterschaften scheiterte er aber in den ersten drei Jahren jeweils in der ersten Runde. Berühmt wurde Price nicht nur wegen seines Talents, sondern auch wegen seiner Art. Er ist laut, schreit herum, provoziert dadurch seine Gegner und machte sich unbeliebt. Die Provokationen seien keineswegs beabsichtigt, so Price. «Einige Spieler denken, ich mache das, um sie zu reizen. Und genau das tut es auch. Aber ich mache das nicht deswegen.» Der Grund ist ein anderer: «Wenn ich in meinem Spiel keine Aggressionen zeige, spiele ich nicht gut.»

Und was meint Price dazu, dass ihn die Fans wegen seiner Art ausbuhen? Es stört ihn nicht. Im Sommer 2019 sagte er in einem Interview mit Welt.de: «Es ist doch immer dasselbe: Ich werde angesagt, und die Leute pfeifen. Ehrlich gesagt, langweilt es mich. Die Leute können natürlich denken, was sie wollen. Sollen sie mich doch ausbuhen und sagen, ich sei der böse Junge! Aber das bin ich nicht. Ich gehe einfach da oben auf die Bühne und spiele mein Spiel, spiele Darts.»

Wiedersehen mit Anderson

Im WM-Final vom Sonntag traf Price auf Gary Anderson. Mit dem Schotten hat der Waliser eine unrühmliche Vergangenheit: Beim Grand Slam 2018 trafen sie im Final aufeinander. Dort störte sich Anderson am lauten Jubel Prices und liess sich in der Folge provozieren. Am Ende gewann Price gegen denn Favoriten und erntete Buh-Ruffe vom Publikum – was ihn keineswegs störte.

Dieses Mal gab es an der WM im berühmten Ally Pally in London keine Fans, die hätten buhen können. Ausserdem haben diese Schmährufe in den letzten Jahren abgenommen, Price zeigte mit guten Leistungen, dass er wegen des Erfolgs und nicht wegen der Provokationen Darts spielt. Seinen grössten Triumph feierte der 35-Jährige nun am Sonntagabend. Der Iceman löst dank seines ersten WM-Titels auch den Niederländer Michael van Gerwen als Weltnummer 1 ab – erstmals nach sieben Jahren.

Price hat nun Blut geleckt, er will mehr. Und er hat auch schon einen Plan, wie seine Karriere weitergeht. Diesen verriet er bereits vor seinem WM-Titel. «Ich werde mit 50 Jahren aufhören und in der Sonne leben», sagte er im Sommer 2019 voller Selbstvertrauen. Eineinhalb Jahre später ist Price diesem konkreten Plan, «entweder nach Florida oder Australien» auszuwandern, einen grossen Schritt nähergerückt.

Der Darts-Weltmeister hat mit diesen Aussagen nicht vor zu provozieren – wie er das sonst ja häufiger tut –, sondern weiss wirklich, wovon er spricht. Er legt seine Preisgelder an. 2019 besass er vier Häuser und wollte weitere kaufen. Seine Rechnung ging so: «Wenn ich jedes Jahr zwei Häuser kaufe, ist es mir völlig egal, wo ich in 16 Jahren in der Weltrangliste stehe. Dann ist an meinem 50. Geburtstag Game Over.» Dank des WM-Preisgelds von rund 600’000 Schweizer Franken wird wohl noch ein weiteres Haus dazukommen.

Gratulationen an den Weltmeister

Die ehemaligen Champions Phil Taylor, Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen haben dem neuen Darts-Weltmeister Gerwyn Price zum grössten Erfolg in dessen Karriere gratuliert. «Herzlichen Glückwunsch @Gezzyprice. Willkommen im Club, Junge, du hast brillant gespielt», schrieb der 16-fache Champion Taylor am späten Sonntagabend auf Twitter. Der 60-jährige Engländer mit dem Spitznamen «The Power» ist seit drei Jahren im sportlichen Ruhestand.

«Barney», der ein Jahr nach seinem Rücktritt selbst an einem Comeback arbeitet, schrieb: «Glückwunsch natürlich an @Gezzyprice und auch an die anderen nominierten Spieler für die Premier League.» Der 53-Jährige hoffe darauf, schon bald selbst wieder gegen die Besten der Welt antreten zu können.

Van Gerwen, der durch Prices Triumph erstmals seit Januar 2014 seinen Status als Nummer eins verliert, schrieb in aller Kürze: «Glückwunsch @Gezzyprice». Der Niederländer war in der Runde der letzten Acht nach einem klaren 0:5 gegen den Engländer Dave Chisnall ausgeschieden. (dpa)

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55 Kommentare
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Tschuttergirl

05.01.2021, 09:03

Wettstricken ist auch eine Randsportart. So schade. Aber die CS als Sponsor klappt sicher

Mönch Coron

05.01.2021, 09:01

Traget Masken und arbeitet

RobertKupper

04.01.2021, 16:17

Wieso fühlen sich hier so viele von Darts gepiesackt? Keine Angst Leute, Darts wird eine Nichen-Sportart bleiben und euer Fussball und Eishockey nicht bedrohen. Ich für mich liebe Darts. Darts mit ein paar Kollegen spielen, paar Bierchen kippen und eins Rauchen - Für mich was vom unterhaltsamsten das es gibt. Und ja, ich habe noch andere Hobys, z.B. Fliegen oder Oldtimer-Rallyes. Muss nicht immer alles teuer sein das Spass macht.