Aktualisiert 20.04.2007 14:59

Ein letzter Hilferuf der «Züri-Metzgete»

Die Organisatoren der 94. Meisterschaft von Zürich mussten das auf den 7. Oktober angesetzte ProTour-Rennen aus finanziellen Gründen absagen; es fehlt noch immer ein Hauptsponsor. Sollte dieser noch gefunden werden, könnte der Traditionsanlass gerettet werden.

Nachdem im letzten Sommer der für zwei Jahre verpflichtete Hauptsponsor nach der Doping-Affäre um Floyd Landis abgesprungen war, erschwerte sich die Suche nach einem neuen Geldgeber. Als Folge der wirtschaftlichen Probleme trat Marco Canonica als Direktor der Züri Metzgete GmbH zurück. Die Organisatoren halten sich mit der Absage an die rechtlichen Grundlagen der ProTour, lassen aber dennoch die Hintertüre offen.

«Noch laufen Abklärungen bei möglichen Sponsoren und wir erhoffen uns, dass sich das Blatt noch wendet. Entsprechend steht unsere Organisation nach wie vor bereit und wäre in der Lage, den Anlass doch noch durchzuführen», sagte Michael Ausfeld vom RV Zürich, dem die Rechte am Rennen gehören. «Unmittelbar nach dem Rücktritt von Marco Canonica suchten wir den Kontakt zu IMG (Organisator der Tour de Suisse), leider ebenfalls ohne Erfolg.»

Die jüngste Geschichte des seit 1910 durchgeführten Rennens ist begleitet von zahlreichen Wechseln der Organisatoren. Nach grösseren finanziellen Problemen war der traditionsreiche Anlass 1993 vom mittlerweile verstorbenen Journalisten und Ski-Weltcup- Erfinder Serge Lang gerettet und in Grand Prix Suisse umgetauft worden. 1999 wurden die Rechte vom Inhaber des Namens, dem RVZ, an Daniel Perroud abgetreten. Ab 2002 organisierte die Hamburger «Upsolut» drei Mal die Meisterschaft von Zürich, und vor zwei Jahren übernahm schliesslich die Züri Metzgete GmbH unter der Führung Canonicas das Kommando - erfolgreich. Die letzten beiden Austragungen mit einem Budget von knapp über einer Million Franken schrieben jeweils schwarze Zahlen.

Der jüngste Hilferuf ist als seriöses Ausrufezeichen zu werten. Zwar standen Absagen schon mehrfach im Raum, selten jedoch mit ähnlicher Ernsthaftigkeit. 2002 drohten die Teams mit einem Boykott, weil sie Forderungen in der Höhe von 140 000 Franken aus der Zeit Perrouds stellten, und im Jahr 2000 sicherte eine Defizitgarantie eines Zürcher Industriellen die Durchführung. Letztmals fand die Züri-Metzgete 1916 nicht statt. Sollte das Rennen am 7. Oktober tatsächlich ausfallen, droht gar das Ende. Können die Organisatoren - bei einem tatsächlichen Ausfall 2007 - keine langjährigen finanzielle Garantien vorlegen, dürfte das Rennen von der UCI abgewertet werden.

Unzufrieden waren die aktuellen Veranstalter zuletzt mit dem Zielort auf dem Utoquai, weil dieser für ein Rennen dieser Grösse kaum genügend Platz bietet. Dabei wird diese Strecke erst seit 1999 befahren. Im Jahr 2000 gewann Laurent Dufaux auf dem Utoquai als letzter Schweizer. Von 1993 bis 1999 unter der Regie von Serge Lang führte die Strecke von Basel nach Zürich auf die offene Rennbahn in Oerlikon. Zuvor verlief die Strecke durchs Zürcher Unter- und Oberland und mehrfach über den gefürchteten Anstieg «Regensberger»; das Ziel war vor dem Hallenstadion auf der Wallisellenstrasse, wo Beat Breu 1981 einen seiner bedeutendsten Erfolge feierte.

(si)

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