UNO-Statistik: Ein Lichtblick im Kampf gegen Aids
Aktualisiert

UNO-StatistikEin Lichtblick im Kampf gegen Aids

Im Jahr 2010 haben sich weltweit 2,67 Millionen Menschen mit HIV angesteckt. Damit hat die Zahl der Neuinfektionen einen Tiefstand erreicht.

In einem Labor in Südafrika wird Blut analysiert. Mehr als zwei Drittel aller Aids-Infizierten leben auf schwarzen Kontinent.

In einem Labor in Südafrika wird Blut analysiert. Mehr als zwei Drittel aller Aids-Infizierten leben auf schwarzen Kontinent.

Die Immunschwäche Aids lässt sich mit Geld und politischem Willen bekämpfen. Das zeigt der neue Bericht des HIV/ AIDS-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS). Besiegt ist das Virus damit aber noch lange nicht. In Osteuropa steigen die Zahlen.

Die Zahl neuer Infektionen mit dem Aidserreger HIV geht zurück. Von 1997 bis 2010 sei sie um gut ein Fünftel (21 Prozent) auf 2,67 Millionen weltweit gefallen, heisst es in dem am Montag in Berlin und Genf präsentierten UNAIDS-Bericht.

Die Gesamtzahl der Ende 2010 weltweit Infizierten und Erkrankten schätzt die Organisation auf 34 Millionen (2001: 28,6 Millionen). Rund 68 Prozent von ihnen (22,9 Millionen) leben demnach in Afrika südlich der Sahara - einer Region, in der nur 12 Prozent der Weltbevölkerung leben. Auf das Gebiet entfallen auch 70 Prozent der Neuinfektionen.

In Südafrika leben mit geschätzt 5,6 Millionen mehr HIV- Infizierte als in jedem anderen Land der Welt. Zumindest die Zahl der Neuinfektionen sinke dort aber inzwischen stark - ebenso wie in Äthiopien, Nigeria, Sambia und Simbabwe, heisst es im UNAIDS-Bericht.

Die Zahl der HIV-Infizierten in West- und Zentraleuropa wurde mit rund 840'000 angegeben - bei 30 000 Neuinfektionen und 9900 auf Aids zurückgehenden Todesfällen.

Explosionsartiger Anstieg in Osteuropa

Einen Anstieg der Infizierten um 250 Prozent von 2001 bis 2010 auf 1,5 Millionen habe es in Osteuropa/Zentralasien gegeben. 90 Prozent dieser Fälle entfielen auf Russland und die Ukraine. Ursache sei in diesen Ländern vor allem verseuchtes Drogenbesteck. Die Zahl der Aids-Toten in der Region liege inzwischen bei geschätzt 90 000 - im Jahr 2001 waren es noch 7800.

Weltweit starben im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Menschen an den Folgen von Aids. Medikamente gegen das Virus haben nach Schätzung von UNAIDS 700 000 weitere Tote verhindert. Seit 1995 seien mit den Medikamenten in den Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen insgesamt 2,5 Millionen Todesfälle verhindert worden.

Rund die Hälfte der Infizierten dort hätten inzwischen Zugang zu solchen Therapien - deutlich mehr als noch zwei Jahre zuvor. Besonders gut sei die Versorgung in Ländern wie Kambodscha, Chile, Kroatien und Kuba, besonders schlecht in Staaten wie Afghanistan, Ägypten, Tunesien und der Ukraine.

Weniger Kinder von ihren Müttern angesteckt

Einen Fortschritt meldet UNAIDS beim Kampf gegen die Übertragung des Virus von Infizierten Müttern auf ihre Kinder. Knapp die Hälfte aller Schwangeren mit HIV habe Medikamente bekommen, die eine Übertragung des Virus auf das Kind verhindern sollen, heisst es in dem Bericht.

Den Erfolg zeige das Beispiel Botsuana. 2003 seien dort noch 21 Prozent der Babys HIV-infizierter Mütter selbst infiziert gewesen. 2010 waren es nur noch 4 Prozent - dank antiviraler Therapien für mehr als 90 Prozent der Mütter.

Die Zahl neuer Infektionen bei Kindern sank weltweit auf 390 000 - im Jahr 2001 hatte sie noch bei 550 000 gelegen. Die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter 15 Jahren ging allein zwischen 2005 und 2010 um 20 Prozent zurück.

Bei 80 Prozent der Schwangeren sei die Behandlung aber nicht optimal, warnte UNAIDS. Würde dies geändert, könne die Zahl jährlich neu infizierter Kinder sofort um 20 Prozent gesenkt werden. (sda)

Stabilität in Europa und Nordamerika

Die Verbreitung der Immunschwäche Aids in Europa und Nordamerika hat sich stabilisiert. Trotz Zugang zu Medikamenten und Pflege haben sich im vergangenen Jahr in Westeuropa erneut 30 000 Menschen neu mit dem HIV-Virus infiziert, in Nordamerika waren es 58 000.

Die Zahl der mit HIV lebenden Personen in West- und Zentraleuropa wird auf 840 000 geschätzt, in Nordamerika auf 1,3 Millionen, wie aus dem UNAIDS-Jahresbericht hervor geht. Das sind 34 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Die Zunahme der mit HIV lebenden Personen widerspiegelt den umfangreichen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten, welche die Sterblichkeitsrate von Aidskranken deutlich senken. Im vergangenen Jahr starben in West- und Zentraleuropa 9000 Menschen an den Folgen von Aids, in Nordamerika waren es 20 000 Personen.

Die Entwicklung der Neuinfektionen ist auch zwischen den verschiedenen Industrieländern sehr unterschiedlich. So stieg die Zahl der neu Infizierten in Deutschland und in Grossbritannien um über 50 Prozent. In Lettland, Portugal und Rumänien ging sie dagegen über 20 Prozent zurück.

In der Schweiz rechnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für dieses Jahr mit einer Stabilisierung der Neuinfektionen. In den ersten neun Monaten 2011 wurden mit 403 etwas weniger neue HIV- Diagnosen gemeldet als im selben Zeitraum des Vorjahres (439). Für das Gesamtjahr erwartet das BAG weniger als 600 Neuinfektionen (2010: 609).

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