Dean Schneider: «Ein Löwe ist nicht zum Kuscheln da»
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Dean Schneider«Ein Löwe ist nicht zum Kuscheln da»

Der Schweizer Dean Schneider begann in Südafrika ein neues Leben als Löwenflüsterer – und wurde zur Insta-Sensation. Nun hat er seine alte Heimat besucht.

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afa

Dean Schneider erzählt, was ihn antreibt und was seine grösste Angst ist. (Video: T. El Sayed)

2017 schmiss Dean Schneider seinen Job als Finanzplaner hin, kehrte der Schweiz den Rücken und wanderte nach Südafrika aus, um dort zusammen mit Tieren in einem Reservat zu leben.

Auf Instagram und Youtube gibt der 26-Jährige Einblicke in seinen Alltag mit den Tieren. Die Beiträge mit Kapuzineräffchen Jayjay, Löwe Dexter und Hyäne Chuckie kommen gut an: 600'000 Abonnenten folgen dem 26-jährigen Löwenflüsterer.

Dean, welchen Moment liebst du besonders an deinem Alltag in Afrika?

Den Nachmittag am Sonntag, wenn alle Tiere gefüttert sind. Wenn ich mich einfach zu ihnen setze und wir ganz allein sind. Auch mal ohne Kameras.

Wolltest du jemals zurück in die Schweiz?

Ich habe mir ein paarmal überlegt, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich frage mich schon, ob man das alles als einzelne Person schaffen kann, ob ich dem gewachsen bin. Mittlerweile habe ich viel erreicht – und bin auch so tief drin, dass es für mich keinen Weg zurück gibt.

Wie gehst du mit Zweifeln um?

Du musst einfach an dich glauben. Mach, was du liebst, dann wird der Zweifel automatisch weniger. Ganz verschwinden wird er aber nie.

Was raubt dir den Schlaf?

Wenn es einem Tier schlecht geht, es verletzt oder krank ist. Selbst wenn man beim Tierarzt war, weiss man nicht, ob das Tier am nächsten Morgen noch da ist oder nicht. Das ist schon übel.

Passiert das oft?

Da wir unter anderem auch eine Auffangstation für verletzte und kranke Tiere sind, kommt das schon ab und zu mal vor. In letzter Zeit hatten wir aber zum Glück nicht viele solche Fälle.

Mit welchem Tier kuschelst du am liebsten?

Das Wort kuscheln ist unpassend. Es sind wilde Tiere, die einen verletzen können – ein Löwe ist nicht zum Kuscheln da. Die nächste Beziehung habe ich aber mit Dexter, dem Löwen, und mit Jayjay, dem Affen.

Und mit wem kuschelst du sonst so?

Leider mit gar niemandem. Ausser mit Noeh, meinem Content Creator! (lacht)

Kann man dich im Reservat besuchen?

Wir betreiben keinen Tourismus, uns kann man nicht einfach so besuchen kommen. Wir haben aber ein Volontärprogramm, für das wir maximal zwei Volontäre zur selben Zeit bei uns haben. Wir sind schon bis Ende Jahr ausgebucht.

Du hattest auch schon prominente Gäste.

Das ist mehr freundschaftlich. Gabirano war schon bei uns, Bausa war hier, um ein Video zu drehen, der UK-Influencer Julius Dein war vor kurzem da. Auch ihnen liegt das Tierwohl am Herzen, was mir sehr wichtig ist.

Deine Tiere und das Anwesen machen sich auch auf Social Media gut.

Mein Ziel ist es nicht, Stars anzuziehen. Ich will Leute um mich, die meine Wertvorstellungen teilen und bei denen ich das Gefühl habe, sie verstehen mich. Leute, die meine Mission weitertragen können.

In einem Satz: Was treibt dich an?

Ich will bewirken, dass Menschen Tiere im Herzen tragen und sie dadurch vermehrt schützen – dem habe ich mein Leben jetzt gewidmet.

Wurdest du eigentlich mal verletzt?

Nur im Spiel – die Tiere würden mich nie aus Aggression verletzen. Das Tier ist einfach viel stärker: Der Löwe Dexter wiegt momentan 100 Kilo, wird aber mindestens 250 Kilo schwer sein, wenn er ausgewachsen ist. Er hat messerscharfe Krallen und Zähne. Wenn das Spiel hektisch wird, kann es passieren, dass er mich verletzt. Darum muss ich als Mensch auch Grenzen setzen und klar kommunizieren, wann es genug ist.

Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du?

Ein Löwe. Er ist ein sehr soziales Tier, aber gleichzeitig auch ein Anführer. Darin sehe ich mich wieder: Ich möchte Menschen für eine gute Sache begeistern, das ist eine grosse Verantwortung.

Hakuna Mipaka

Dean Schneider lebt seit 2017 in Südafrika. Dort baut er das Tierreservat «Hakuna Mipaka» auf, ein 360 Hektar grosses Grundstück, das ein Zuhause für wilde Tiere bieten soll. Ein Teil davon ist für jene Tiere reserviert, die in Gefangenschaft geboren und aus teilweise desaströsen Bedingungen gerettet wurden. Das restliche Land ist für wilde Tiere reserviert, beispielsweise Zebras, Impalas, Kudus, Hyänen oder Paviane, die in Freiheit leben.

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