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SBB-Projekt«Ein Lokführer schlug den Weihnachtszug vor»

An Weihnachten lädt die SBB 80 Menschen in den Weihnachtszug. Die Kommunikationschefin sagt, warum, und wie die SBB Softwareprobleme löst.

von
ehs

SBB-Kommunikationschefin Kathrin Amacker erklärt, wie Leser im Weihnachtszug mitfahren können und wer die Idee dazu hatte. (Video: ehs)

Frau Amacker, wieso lanciert die SBB den Weihnachtszug?

Die Idee ist hier in unserem Personalrestaurant entstanden. Ich war mit einem Lokführer zum Kaffee verabredet. Er habe eine Weihnachtsidee, sagte er: Ob wir nicht einen schön beleuchteten Zug fahren lassen könnten? Das wäre doch etwas sehr Emotionales. Eine wunderbare Idee. Ich habe sie meinem Team weitergegeben, die Idee von Weihnachten für Alleinstehende kam hinzu – und nun haben wir über 2500 Anmeldungen!

Wie kommt die Idee bei den Mitarbeitern an?

Wir haben viele positive Rückmeldungen. Viele haben sich von sich aus gemeldet und gefragt, ob sie helfen können. Einige haben wir an Bord geholt. Mitarbeitende im Kundendienst und in der Flottenbereitstellung sind sowieso eingebunden.

Haben sich auch Freiwillige von ausserhalb der SBB gemeldet?

Ja. Es haben sich sogar Kunden gemeldet, die für zusätzliche Plätze haben zahlen wollen. Unser Zug Churchill hat aber leider nicht für mehr als 80 Personen Platz. Die Hilfsbereitschaft ist grundsätzlich sehr gross.

Was ist die Motivation der Mitarbeiter? Wollen sie der SBB helfen oder sind sie persönlich betroffen?

Es ist wohl beides. Unsere Leute im direkten Kundenkontakt haben ja sowieso gerne mit Menschen zu tun. Deshalb haben wir sie ausgewählt und sie uns: es liegt ihnen quasi im Blut. Sicher sind sie aber auch ein bisschen stolz auf die SBB, wenn sie spüren, dass es gut ankommt.

Was verbinden Sie mit der SBB und Weihnachten?

Mein Mann ist Walliser. Natürlich fuhren wir jede Weihnachten mit unseren drei kleinen Kinder und vollen Geschenktaschen nach Eischoll. Wir sind immer erste Klasse gefahren und ich hoffte natürlich, dass sich die Kinder gut benehmen (lacht). Meistens ging es gut.

Die SBB hat keinen eigentlichen Sonntagsfahrplan mehr. Auch an Weihnachten wird normal gefahren. Lohnt sich das?

Ja, natürlich! Besonders in den Weihnachtstagen sind ja viele Leute unterwegs. In der Schweiz ist man sich gewohnt, dass die Bahn täglich gleich fährt. Bei den Dienstplänen an Weihnachten schauen wir natürlich bestmöglich auf die Wünsche unserer Mitarbeitenden. Einige wollen sogar ganz bewusst an Weihnachten arbeiten.

Für den Weihnachtszug wäre Schnee toll, für die SBB an sich wohl eher eine Herausforderung...

Nur bedingt. In der Schweiz schneit es ja jedes Jahr, unsere Planung beginnt bereits im Frühling. 360 Mitarbeitende sind ab Oktober in allen Landesteilen auf Pikett. Wenn es in der ganzen Schweiz schneit, können wir alle aktivieren. Vor drei Jahren war ich zu Besuch bei der niederländischen Bahn. Sie stellten ihr Winterkonzept vor: bei einem Zentimeter Schnee streichen sie 20 Prozent des Angebots, das funktioniere sehr gut (lacht). In der Schweiz wird sehr viel vorausgesetzt.

Gerade die Einteilung von Personal bereitet zurzeit aber Probleme. Die neue Software Sopre scheint noch nicht zu funktionieren, wie gewünscht.

Es geht um ein komplexes IT-System zur Dienstvorbereitung. Vor 1,5 Jahren erfolgte die Umstellung für die Zugbegleiter praktisch reibungslos. Vor wenigen Wochen stellten wir das System bei den Lokführern mit 20'000 Personalleistungen für mehrere Tausend Züge pro Tag um. Diese Einführung ist kein Glanzstück. Wir sind aktuell mit einer Taskforce und mit dem Lieferanten dran, die 10 Prozent Kinderkrankheiten wegzubringen.

Wo liegen die Probleme?

Das Problem ist weniger der fahrplanmässige Betrieb, sondern die noch fehlende Leistungsfähigkeit bei Störungen. Für Lokführer hat das eine grosse emotionale Komponente: ihr Berufsstolz ist die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Die Bereitschaft, sich bei Not am Mann auszuhelfen, ist dementsprechend sehr hoch.

Ist der Fahrplanwechsel in Gefahr?

Nein, auf keinen Fall. Wie jedes Jahr bereiten wir uns schon seit Monaten generalstabsmässig darauf vor. Diesen Dezember steht ein eher kleiner Fahrplanwechsel an. Ich bin zuversichtlich.

Kathrin Amacker

Die 55-jährige Kathrin Amacker ist seit 2013 Leiterin Kommunikation & Public Affairs der SBB und Mitglied der Konzernleitung. Zuvor leitete sie die Unternehmenskommunikation der Swisscom. Zwischen 2008 und 2010 sass sie für die CVP im Nationalrat.

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