Aktualisiert 02.10.2009 12:13

Familiendrama in Oberrieden

«Ein Lungenschuss. Ich sterbe, ich sterbe»

Ein Streit nahm gestern Abend in Oberrieden ein tödliches Ende: Eine 22-jährige Schweizerin zückte eine Faustfeuerwaffe und schoss auf ihren Vater. Der Fitnesstrainer und Bankdrücker war wenige Minuten später tot. Die Tochter wurde nach kurzer Flucht verhaftet.

von
Amir Mustedanagic, Oberrieden

Das Drama von Oberrieden schockt das ganze Quartier. Die vierköpfige Familie lebte seit rund 20 Jahren in der Wohnung, war als Hauswartsfamilie bei allen geschätzt. Auch die Tochter und mutmassliche Täterin. Ihr Vater betrieb ein Fitnesszenter und machte sich als Bankdrücker in der Schweiz einen Namen. Auch Nachbar Bruno L. kann nicht glauben, was gestern Abend in der Wohnung der Familie Z. passiert ist. Er hat die letzten Minuten von Opfer M. hautnah mitansehen müssen.

«Meinem Mann geht es nicht gut»

Rückblick: Um zirka 22.15 Uhr kehrt Bruno L. vom Abendspaziergang mit seinem Hund zum Mehrfamilienhaus zurück. Vor der Tür habe er Frau Z angetroffen. Er habe sie kurz gefragt, ob sie mit ihm ins Haus wolle. «Sie sagte mir nur, sie suche ihre Tochter. Die sei weggerannt.» Bruno L. denkt sich nichts weiter. Er geht auf sein Zimmer, macht sein Bett parat. «Dann hat es plötzlich geknallt. Ein oder zweimal.» Es vergehen weitere Minuten, als es plötzlich an der Haustüre von L. läutet. «An der Tür stand Frau Z. Sie fragte mich: ‹Können Sie kurz mitkommen? Meinem Mann geht es nicht gut.›»

Bruno L. zieht sich kurz um und folgt der Ehefrau in die Wohnung. «Dort war überall Blut. Der Ehemann kniete vor dem Sofa. Seinen Kopf hatte er auf das Sofa gelegt und auf dem Rücken sah ich einen grossen Blutflecken.» An ein Gewaltverbrechen denkt er nicht. Die Frau habe ihm anschliessend die Glasscherben in der Wohnung gezeigt. Bruno L. sieht eine kaputte Neonröhre. War das der Grund für den «Chlapf»?

«Oje, wie siehst du denn aus»

Dann geht Bruno L. mit der Ehefrau zurück ins Wohnzimmer. Sie sprechen den verletzten Ehemann an: Was ist passiert? «Der Mann hauchte nur: ‹Ein Lungenschuss. Ich sterbe, ich sterbe.›» Nachbar L. denkt noch immer nicht an ein Gewaltverbrechen. Die Ehefrau ruft die Ambulanz. Sie habe ihm noch einmal ins Gesicht geschaut: «Oje, wie siehst du denn aus», hat sie ihrem Mann gemäss Bruno L. gesagt.

Dann kam die Ambulanz, die Polizei. Laut einer weiteren Nachbarin wurde Bankdrücker M.Z. mit drei Schüssen getötet.

Weshalb es zu dem Streit am späten Donnerstagabend gekommen war, ist unklar – die Hintergründe werden noch durch die Kapo ermittelt. Die Ehefrau und die mutmassliche Täterin wurden inzwischen befragt. Sie stellte sich nach kurzer Flucht bei der Polizei. Wem die Waffe gehört und wie viele Schüsse die Tochter abgegeben hat, gibt die Polizei nicht bekannt.

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