Sonnenvitamin: «Ein Mangel an Vitamin D ist eine Katastrophe»
Aktualisiert

Sonnenvitamin«Ein Mangel an Vitamin D ist eine Katastrophe»

Die sportlichen Leistungen sind im Keller? Vielleicht fehlt Ihnen Vitamin D. Der Arzt Kurt Mosetter erklärt, wie das Dreamteam aus Sport und Sonnenvitamin funktioniert.

von
S. Ehrensperger
Wer seinen Vitamin-D-Spiegel auf Vordermann bringt, kann nicht nur im Sport bessere Leistungen erbringen.

Wer seinen Vitamin-D-Spiegel auf Vordermann bringt, kann nicht nur im Sport bessere Leistungen erbringen.

Bernardbodo

Kurt Mosetter, Vitamin D ist in aller Munde. Warum hat es eine Schlüsselfunktion für die Gesundheit?

Streng genommen ist es kein Vitamin, sondern ein Hormon. Menschen können Vitamin D in ausreichender Menge in der Haut selbst bilden. Doch die Datenlage der Forschung der letzten zehn Jahre zeigt, dass extrem viele Menschen einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel haben.

Rund jede zweite Person in der Schweiz hatte laut einer Auswertung des Bundesamts für Gesundheit einen Spiegel unter dem heutigen Grenzwert.

Speziell in der Winterzeit ist das Risiko eines Vitamin-D-Mangels riesengross. Das zeigen auch Beispiele aus meiner Praxis. Als Arzt und Heilpraktiker habe ich Jürgen Klinsmann und die Fussballnationalmannschaft der USA bei der letzten WM beraten. Im Januar-Camp hatten ausnahmslos alle Spieler einen gravierenden supplementierungsbedürftigen Vitamin-D-Mangel. Und sie waren alle junge Sportler, die sich gut ernähren. Ein ähnliches Bild zeigt eine aktuelle Untersuchung mit Kindern und Jugendlichen.

Warum steht dieses Vitamin derart im Fokus?

Ein Mangel an Vitamin D ist eine Katastrophe. Nicht nur für die Knochen, auch für Gehirn, Muskeln und Zähne. Ebenso ist es ein entscheidendes Hormon fürs Immunsystem, für alle Sexualhormone und Reparaturprozesse im Körper.

Zum sogenannten Sonnenvitamin gibt es auch immer wieder kritische Stimmen.

Der Körper kann Vitamin D nicht monatelang speichern. Nach vier Wochen geht der Spiegel schon wieder runter. Der Mythos, dass aufgefüllte Speicher lange voll bleiben, gehört der Vergangenheit an. Untersuchungen der amerikanischen Food and Drug Administration und der Akademie für Neurologie haben gezeigt, dass hohe Dosen bis 10'500 Einheiten sicher sind. Doch eine optimale Dosierung nützt nichts, wenn es Ihnen an Omega-3-Fettsäuren mangelt, der eigentliche Landeplatz des Vitamin D. Der Körper braucht genügend Omega 3, Magnesium und Aminosäuren. Nur eines davon allein macht uns nicht gesünder!

Was sind Ihre Tipps, damit der Körper Vitamin D auch verarbeiten kann?

Am wichtigsten sind die Omega-3-Fettsäuren. Am besten sind zu Vitamin D pflanzliche Komponenten wie Chiasamen, Hanf- oder Leinöl. Mit etwas Fett resorbiert es der Körper besser. Wenn Sie nicht sehr viel Fisch aus Wildfang essen, ist es wahrscheinlich, dass Sie zu wenig Omega-3-Fettsäuren haben. Auch ich hatte einen Mangel.

Wie merke ich, ob ich zu wenig Vitamin D habe?

Bei einem Vitamin-D-Mangel – oft kombiniert mit zu wenig Omega-3-Fettsäuren – fühlen Sie sich angeschlagen, müde, ausgebrannt und depressiv verstimmt. Sie schlafen schlecht und sind anfällig für Infektionen. Auch wenn Muskeln und Faszien zwicken, kann das ein Frühwarnsignal sein.

Wie oft müssen wir uns draussen aufhalten, um genügend Vitamin D aufnehmen zu können?

Wenn Sie im Frühjahr auf der Höhe von Rom eine Stunde in der Badehose an der Sonne wären, hätten Sie genügend Einheiten. Cremen wir uns im Winter mit Sonnenschutz ein, dann ist es mit Vitamin D über die Haut vorbei! Raus an die frische Luft ist sicher ein gutes Rezept, es reicht aber nicht aus. Wer kaum draussen ist, ist ein Hochrisikokandidat für einen Vitamin-D-Mangel.

Eine ausreichende Vitamin-D-Aufnahme ist auf natürlichem Weg – über Nahrung und Sonnenlicht – also kaum möglich?

So viel Fisch können Sie gar nicht essen! Meeresfisch aus Wildfang, Hülsenfrüchte, Wildkräuter, Ziegen- oder Schafmilchprodukte liefern einen kleinen Anteil. Insgesamt sind das aber kleine Mengen. Die beste Strategie wäre wohl, an die Sonne zu gehen. Mein persönliches Rezept ist eine ausgiebige Winterwanderung.

Kurt Mosetter ...

... ist Arzt und Heilpraktiker. Bekannt wurde er dank der von ihm entwickelten Myoreflex-Therapie. Diese bietet als Teil eines neuartigen Trainingskonzepts die Möglichkeit, sportliche Leistungen zu optimieren. Mosetter ist Leiter des ZIT (Zentrum für interdisziplinäre Therapien) in Konstanz, Freiburg und Herrenberg. Fussballgrössen wie Jürgen Klinsmann und Sami Khedira geben sich bei ihm die Klinke in die Hand.

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