In der Stille liegt die Kraft: Ein Mann gegen Erdogan
Aktualisiert

In der Stille liegt die KraftEin Mann gegen Erdogan

Erdem Gündüz ist eigentlich Künstler. Seit gestern ist er über die Grenze der Türkei als «der Steher» bekannt. Seine Form des Protestes ist bestechend einfach und inspiriert andere.

von
gux

Er stand regungslos auf dem Taksim-Platz, den Blick starr geradeaus auf das von der Polizei aufgehängte Atatürk-Portrait gerichtet. Eine Haltung, die in sich schon anklagend wirkt.

Stundenlang stand Erdem Gündüz so da. Doch der Performancekünstler zog keine Show ab. Er hat eine neue Art des Protests gefunden: still dastehen und schweigen. Und das stundenlang.

Auf andere Unzufriedene wirkte das laut «Guardian» ansteckend: Dutzende verharrten ebenfalls regungslos und blickten in Richtung der Polizisten.

Selbst die Taxifahrer schlossen sich an. Sie liessen ihre Wagen auf dem Taksim zum Stehen kommen.

Über Twitter verbreitete sich bald der Hashtag #durunadam und zog weitere Aktivisten auf den Platz. «Durunadam» heisst «stehender Mann».

Es ging nicht lange, da standen sie auch in Ankara. Eine Frau folgte dem Beispiel aus Istanbul und platzierte sich just an der Stelle, wo die Polizei vor zwei Wochen einen Demonstranten erschossen hatte.

Das schweigende Stehen hatte Folgen: gegen zwei Uhr nachts verhaftete die irritierte Polizei in Istanbul Künstler Gündüz und seine Mitschweiger. Vor den Augen der längst versammelten internationalen Presse.

Insofern ging Gündüz' Plan auf: «Es war die einzige Möglichkeit, wie ich deutlich machen konnte, dass wir keine freie Presse haben», sagte er gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Dogan.

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