Versuch: Ein Medikament gegen Alkoholsucht?
Aktualisiert

VersuchEin Medikament gegen Alkoholsucht?

Hoffnung für Alkoholkranke: Ein französischer Arzt befreite sich durch einen Arzneimittel-Selbstversuch von seiner Alkoholabhängigkeit. Jetzt soll das Medikament in Berlin an mehreren Probanden getestet werden.

von
rre

Viele Medikamente, die werden für ein ganz bestimmtes Leiden entwickelt und dann stellt sich nach mehreren Versuchsreihen heraus: Es ist wirkungslos. Zum Glück werfen nicht alle Biochemiker und Pharmakologen gleich die Flinte ins Korn und den Wirkstoff auf den Sonndermüll: Hin und wieder kommt es vor, dass ein für eine bestimmte Erkrankung produzierter Wirkstoff eine andere wirksam behandeln kann.

Selbstversuch geglückt - Patient «trocken»

Selten gelingt es sogar, mit einer Klappe zwei Fliegen zu erwischen - sprich - ein Medikament zu entwickeln, das zwei Krankheiten gleichzeitig angehen kann. Ärzte des Instituts für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité gehen solch einem Phänomen derzeit wissenschaftlich nach. Sie testen einen Wirkstoff, der bislang gegen spastische Lähmungen - zum Beispiel bei Multipler Skerlose - eingesetzt wird. Seine entkrampfende, muskelentspannende Wirkung machte sich ein Kardiologe aus Frankreich zu Nutze: Olivier Ameisen nahm es, um sich den Alkoholentzug etwas zu erleichtern - mit Erfolg. Die Berliner Ärzte testen das Medikament mit dem Namen Baclofen jetzt bei einer Gruppe alkoholkranker Probanden.

Euphorie mit angezogener Handbremse?

Institutsdirektor Andreas Heinz äusserte sich gegenüber dem «Spiegel» mit verhaltenem Optimismus: «Eine Wunderpille gegen die Pulle wird auch dieser Stoff nicht sein». Auf die Resultate des Versuchs sei er aber trotzdem sehr gespannt. Neben der entspannenden Wirkung auf die Muskulatur unterdrückt die Arznei das Zentrum im Gerhirn, das bei Süchtigen ein Gefühl der Belohnung auslöst.

Deine Meinung