Dreckiges Geschäft: Ein mexikanischer Zuhälter packt aus
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Dreckiges GeschäftEin mexikanischer Zuhälter packt aus

«Wo ich herkomme, ist das ein ganz normaler Job», sagt ein Zuhälter aus Mexiko. Im Gefängnis gibt er einen Einblick in das Geschäft der Schlepperbanden mit jungen Prostituierten.

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Junge Frauen in ganz Mexiko werden rekrutiert und in Bordelle nach Tijuana gebracht.

Junge Frauen in ganz Mexiko werden rekrutiert und in Bordelle nach Tijuana gebracht.

Der Mexikaner – nennen wir ihn Pedro – hat eine lange Karriere als Zuhälter hinter sich. Als 19-Jähriger fing er im Geschäft an. Heute sitzt er in einem Gefängnis in der Region Tlaxcala. Im Jahr 2009 war er wegen Menschenhandels zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der mittlerweile 33-Jährige bereut seine Taten, wie er gegenüber dem «Guardian» gesteht. Der britischen Zeitung erzählte er seine Lebensgeschichte – eine Geschichte voller missbrauchter Frauen und skrupelloser Mafiabosse.

Mit zarten 15 Jahren arbeitete Pedro als Schwarzarbeiter in einer Fabrik in den USA. Das bedeutete: zu viele Arbeitsstunden bei schlechter Bezahlung – der Traum auf ein besseres Leben erfüllte sich nicht. Dafür sollte sich ihm bald eine andere lukrative Einnahmequelle eröffnen: Durch Mitarbeiter in der Fabrik kam Pedro in Kontakt mit Schlepperbanden.

«Die sind immer auf der Suche nach jungen, motivierten Leuten» erzählt Pedro. «Wo ich herkomme, ist das ein ganz normaler Job.» In Tlaxcala, im Zentrum des Landes, würden «Zuhälter ausgebildet wie in anderen Regionen Handwerker».

Die Bosse warnten den jungen Pedro jedoch: «Das sei kein Spiel, sagten sie zu mir. Ich würde viele Probleme mit der Polizei und den Mädchen haben. Oder mit anderen Zuhältern, die mich töten wollten oder die ich vielleicht töten müsste. Sie fragten, ob mir das alles bewusst sei. Und ich sagte ja. Denn es war die einzige Form, um Geld zu verdienen.»

So schaffte es Pedro, die Frauen zu überzeugen

Pedros «Lehrmeister» brachten ihm bei, wie er junge Mädchen aus instabilen Familienverhältnissen überreden konnte, als Prostitutierte zu arbeiten. Dies gelang ihm, weil er den Mädchen gleichzeitig den verliebten, tüchtigen Freund vorspielte. «Ich lud die Mädchen ein, schenkte ihnen Pralinés und eine Wochen später waren wir verlobt.»

Dann kamen die Anführer der Prostitutionsringe zum Zug. Sie gaben sich als Pedros Vater oder Onkel aus. Die vorgespielten Familienverhältnisse schafften Vetrauen, das Pedro bald ausnutzen konnte: Er bat seine jeweilige Freundin, für eine kurze Zeit nach Tijuana an der Grenze zu den USA anschaffen zu gehen, damit er zu Geld komme, um Schulden bezahlen zu können. Dann werde geheiratet, versprach er seinen Opfern. Die verliebten Frauen wurden in Hotels der Banden untergebracht. Aus diesen Zimmern aber gab es für die Mädchen kein Entkommen. Ihren «Verlobten» Pedro sollten sie nie mehr wiedersehen.

«Ware», «Möbelstück», «Frischfleisch für Löwen»

Neun Jahre ging dieses Geschäft mit den Mädchen gut. Pedro lieferte den Unterweltbossen insgesamt 30 Frauen, weitere sechs Mädchen arbeiteten ausschliesslich für ihn: Er verdiente pro Mädchen 300 bis 400 Dollar am Tag. Im Interview mit dem «Guardian» prahlte er: «Ich hatte nie Schwierigkeiten, die Mädchen zu überzeugen.»

Die jungen Frauen hatten keine Namen mehr. Die Zuhälter nannten sie «Ware», «Möbelstück» oder «Frischfleisch für den Löwen.»

Späte Reue

Im Vergleich zu seinen Kollegen sei er ein guter Zuhälter gewesen, sagt Pedro. Ab und zu habe er seine Mädchen ins Kino eingeladen oder in ein Restaurant. «Andere schlagen ihre Frauen ständig, geben ihnen nichts zu essen oder entführen ihre Kinder, damit sie nicht flüchten konnten.» Er sei hingegen von einer anderen Sorte, meint er.

Wenn er aus der Haft entlassen werde, werde er «nicht mehr als Zuhälter arbeiten», so Pedro. «Ich habe so vielen Frauen das Herz gebrochen. Das tut mir leid.»

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