Aktualisiert 05.02.2017 09:44

Superbowl-SkandaleEin Nippel, betrunkene Spieler und ein Mord

Die Superbowl wird von Hunderten von Millionen Menschen geschaut. Da gehören hie und da Skandale zum guten oder eben zum schlechten Ton.

von
Adrian Hunziker
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Skandale an der SuperbowlNipplegate: 2004 bekommen die Zuschauer der Superbowl 38 die nackte Brust von Janet Jackson zu sehen. Schuld ist Justin Timberlake.

Skandale an der SuperbowlNipplegate: 2004 bekommen die Zuschauer der Superbowl 38 die nackte Brust von Janet Jackson zu sehen. Schuld ist Justin Timberlake.

epa/Rhona Wise
Verkatert:Der Green Bay Packer Max McGee schlägt 1967 in der Nacht vor der Superbowl 1 über die Stränge. Verkatert entscheidet er das erste Endspiel der Geschichte für seine Farben.

Verkatert:Der Green Bay Packer Max McGee schlägt 1967 in der Nacht vor der Superbowl 1 über die Stränge. Verkatert entscheidet er das erste Endspiel der Geschichte für seine Farben.

Kokain-Süchtiger: Stanley Wilson, Runningback der Cincinnati Bengals, konsumiert 1987, einen Tag vor der Superbowl 23, Kokain. Das, obwohl er in der Regular Season wegen Drogenmissbrauchs bereits gesperrt gewesen war. Er fehlt im Final, die Bengals verlieren.

Kokain-Süchtiger: Stanley Wilson, Runningback der Cincinnati Bengals, konsumiert 1987, einen Tag vor der Superbowl 23, Kokain. Das, obwohl er in der Regular Season wegen Drogenmissbrauchs bereits gesperrt gewesen war. Er fehlt im Final, die Bengals verlieren.

vic Milton

Die Superbowl ist die grösste eintägige Sportveranstaltung der Welt – rund 800 Millionen Menschen schauen sich den Final der National Football League NFL an. Das Endspiel zwischen den Atlanta Falcons und den New England Patriots (live bei uns im Ticker) findet in der Nacht auf Montag Schweizer Zeit in Houston statt.

In den wenigen Tagen vor der Grossveranstaltung ist die Chance gross, dass ein Skandal um die Football-Profis aufgedeckt wird. Wir schauen in die Vergangenheit zurück und kramen die fünf grössten Eklats hervor:

Nipplegate

Es geht hierbei um nackte Haut – die TV-Ausstrahlung eben dieser versuchen die US-amerikanischen Zensoren mit aller Macht zu verhindern –, genauer gesagt um einen entblössten Busen und den dazugehörigen Nippel. 2004 fand ebenfalls in Houston die Superbowl 38 statt, in der Halbzeit performten Justin Timberlake und Janet Jackson. Am Ende der Show und des Songs «Rock Your Body» taten die Superstars so, als sei ihnen ein riesiges Malheur passiert. Timberlake testete Jacksons Oberteil, das hielt dem Reissen nicht stand und entblösste die nackte Brust von Michael Jacksons Schwester vor einem Millionenpublikum. Was hält wohl Lady Gaga im NRG Stadium für die Zensoren bereit? Ach ja, die New England Patriots gewannen 2004 den Final gegen die Carolina Panthers 32:29, doch das verkam zur Nebensache. Und seither wird die Superbowl nicht mehr live, sondern mit einigen Sekunden Verzögerung ausgestrahlt, damit solche Dinge ja nicht mehr passieren ...

(Video: Youtube/Joey Coco)

Verkaterter Spieler entscheidet Endspiel

Footballspieler, die mit Restalkohol-Pegel die Superbowl bestreiten, haben schon fast Tradition. Bei der ersten Austragung 1967 zwischen den Green Bay Packers und den Kansas City Chiefs entschied sich der Packer Max McGee dazu, Party zu machen. Der damals 34-Jährige war während der Saison nur spärlich zum Einsatz gekommen und dachte sich, er würde im Final sowieso nicht spielen. Also ging er mit zwei Flight-Attendants bis morgens um 6.30 Uhr in Los Angeles feiern. Sein Kater hatte auch nach Spielstart noch Bestand. Gerade mal nach drei Spielzügen musste McGee aufs Feld, da sich Receiver Boyd Dowler an der Schulter verletzt hatte. Kurze Zeit später krallte sich McGee einen 37-Yard-Pass hinunter, den er zum ersten Touchdown in der Superbowl-Geschichte verwandelte. Er beendete sein Kater-Spiel mit sechs gefangenen Würfen über 138 Yards und zwei Touchdowns – die Packers gewannen 35:10.

Der koksende Spieler fehlt, das Team verliert

Stanley Wilson, Runningback der Cincinnati Bengals, spielte 1987 ein starkes Playoff: Er skorte zwei Touchdowns und trug den Ball durchschnittlich pro Run über sechs Yards. Aber Wilson hatte auch ein Drogenproblem, er war für die komplette Regular Season wegen Kokainkonsums gesperrt gewesen. Vor der Superbowl 23 sagte er seinen Teamkollegen, er habe sein Playbook mit den Spielzügen in seinem Hotel vergessen und müsse es holen – er kam nicht zurück. Ein Assistant-Coach der Bengals fand Wilson später im Hotel-Badezimmer, Wilson habe gleichzeitig geschwitzt und gezittert und weisses Puder habe sich auf seiner Nase und seiner Oberlippe befunden, so der «Cincinnati Enquirer». In der Folge verloren die Bengals ohne Wilson das Endspiel gegen die San Francisco 49ers 16:20 und der fehlbare Spieler wurde mit einer lebenslangen Sperre versehen, seine Karriere war am Ende. Zurzeit sitzt Wilson im Gefängnis eine Strafe wegen Diebstahls ab.

Mit Prostituierter erwischt, auf dem Feld vernichtet

Eugene Robinson bekam 1999 einen Tag vor der Superbowl 33 den «1998 Bart Starr NFL Man of the Year»-Preis überreicht. Dieser Preis steht für einen «aussergewöhnlichen Menschen und Anführer auf dem Feld, zu Hause und in der Community». Für Miami schien die moralische Bedeutung des Preises aber nicht zu gelten, denn Robinson ging aus und liess sich von einer Undercover-Agentin verhaften, die sich als Prostituierte ausgegeben hatte. Dumm nur für den Spieler der Atlanta Falcons, dass Prostitution in Florida illegal ist. Wenig später lief es für den 30-Jährigen auch auf dem Platz alles andere als optimal. Ihm gelang wenig bis nichts und seine Falcons wurden von den Denver Broncos 34:19 überrollt. Robinson wurde zum Sündenbock für diese Klatsche abgestempelt.

Ein Mord und ein flüchtender Spieler

Im Jahr 2000 interessierte die 34. Ausgabe der Superbowl in Atlanta nur am Rande – die St. Louis Rams besiegten die Tennessee Titans knapp 23:16. Von sich reden machte aber Ray Lewis. Der Linebacker der Baltimore Ravens war an einer Superbowl-Party, als er und zwei Freunde in einen Streit verwickelt wurden. Dieser endete damit, dass zwei Personen niedergestochen wurden und ihren Verletzungen erlagen. Lewis und seine Freunde rasten mit einer Limo vom Tatort davon, wurden später aber von der Polizei verhört. Weil der Linebacker in der Folge gegen seine Freunde aussagte, die die Täter gewesen sein sollen, wurde er von der Tötung freigesprochen. Sein weisser Anzug, der mit Blutflecken übersät gewesen sein soll, wurde nie gefunden. Lewis gewann in der Folge mit den Ravens zweimal die Superbowl – 2001 und 2013.

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