Aktualisiert 11.11.2011 09:18

Standard & Poor's

Ein peinlicher Fehler

Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's Frankreich irrtümlich abgewertet hatte, hat nun die französische Börsenaufsicht Ermittlungen eingeleitet. Politiker sind empört.

Die Märkte haben nach Fortschritten in Griechenland und Italien am Donnerstag erstmals aufgeatmet, da unterläuft Standard & Poor's (S&P) ein peinlicher Fehler: Die Ratingagentur verschickte eine Mitteilung an einige Kunden, wonach das Land seine Top-Bonität verloren habe. Erst anderthalb Stunden später wurde die irrtümliche Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit korrigiert. Die französische Börsenaufsicht AMF leitete eine Untersuchung der Vorfalls ein.

Wie die US-Ratingagentur am Donnerstag mitteilte, wurde wegen eines technischen Fehlers eine automatische Mitteilung an Abonnenten ihrer Internetseite Global Credit Portal verschickt, wonach das Rating für Frankreich geändert worden sei. S&P betonte, dies sei nicht der Fall. Frankreich behalte seine Top-Bonität von «AAA» mit einem stabilen Ausblick.

Ratingagentur korrigiert Fehler erst anderthalb Stunden später

Die Mitteilung wurde um 9.57 Uhr (Ortszeit USA) verschickt mit der Überschrift «DOWNGRADE» und einer Verknüpfung zu den Ratings für Frankreich. Jeder, der den Link angeklickt habe, habe aber gesehen, dass die Bestnote für Frankreich nicht geändert worden sei, sagte S&P-Sprecher Martin Winn in London. Eine weitere Mitteilung, in der der Irrtum aufgeklärt und die französische Top-Bonität bestätigt wurde, ging um 11.30 Uhr an die Kunden. Der Fehler werde untersucht, erklärte S&P.

Französische Politiker reagieren empört auf die irrtümliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes. Jean-François Copé, Generalsekretär der Regierungspartei UMP, bezeichnete die Arbeit der Ratingagenturen am Freitagmorgen als «traurig» und «desolat». Der französische Finanzminister François Baroin forderte umgehend eine Untersuchung des Vorfalls seitens der europäischen und französischen Aufsichtsbehörden. Die französische Börsenaufsicht AMF bestätigte bereits, eine Untersuchung eingeleitet zu haben. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA sei ebenfalls kontaktiert worden, hiess es. Ratingagenturen waren in jüngster Zeit verstärkt in die Kritik geraten. Den drei grossen US-Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch wird auch von etlichen europäischen Politikern vorgeworfen, mit ihren Herabstufungen die Krise in Europa zu verschärfen und nicht unparteiisch zu sein.

Spanien und Italien herabgestuft

In der Vergangenheit war bereits darüber spekuliert worden, dass Frankreich seine Top-Bonität verlieren könnte. Mit ungläubigem Staunen wäre eine entsprechende Mitteilung daher vielerorts nicht aufgenommen worden. Eine solche Nachricht zum jetzigen Zeitpunkt hätte an den Märkten neue Ängste über ein Ausweiten der Schuldenkrise geschürt.

Im Oktober hatte S&P die Kreditwürdigkeit Spaniens auf «AA-» von «AA» mit einem negativen Ausblick herabgestuft. Auch die beiden anderen grossen Ratingagenturen Moody's und Fitch hatten Spanien herabgestuft. Im September war die Kreditwürdigkeit Italiens von den drei weltweit einflussreichsten Ratingagenturen herabgestuft worden. (dapd)

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