Grossbritannien: Ein Penis gegen das Schlagloch
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GrossbritannienEin Penis gegen das Schlagloch

Er wandelt auf den Spuren des britischen Streetart-Künstlers Banksy: Wanksy aus Manchester geht es nicht um Kunst, aber auch er hat ein ernstes Anliegen.

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cfr
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Wanksy, der Banksy-Verschnitt aus Manchester, weist mit Phallus-Zeichnungen auf Strassenschäden hin.

Wanksy, der Banksy-Verschnitt aus Manchester, weist mit Phallus-Zeichnungen auf Strassenschäden hin.

Facebook/Wanksy-Road Artist
Denn vor allem in den Randbezirken der britischen Metropole sind die Strassen oft in katastrophalem Zustand.

Denn vor allem in den Randbezirken der britischen Metropole sind die Strassen oft in katastrophalem Zustand.

Facebook/Wanksy-Road Artist
Ich habe Freunde, die Velo fahren und wegen der Schlaglöcher ins Spital mussten», erzählt der Künstler der «Manchester Evening News».

Ich habe Freunde, die Velo fahren und wegen der Schlaglöcher ins Spital mussten», erzählt der Künstler der «Manchester Evening News».

Facebook/Wanksy-Road Artist

So berühmt wie der britische Streetart-Künstler Banksy ist er noch nicht – aber auch er tritt nur anonym auf: Der britische «Strassenkünstler» Wanksy (in Anlehnung an «Wanker», britisch für «Wichser») erregt mit seinen Sprayereien auf den Strassen von Manchester öffentliches Ärgernis. Denn Wanksy malt Penisse um die vielen Schlaglöcher, welche die Strassen in und um die Stadt im Nordwesten Englands verunstalten.

Sein Motiv: «Die Strassen in Greater Manchester sind in einem miserablen Zustand, vor allem in Bury, nördlich der Stadt. Ich habe Freunde, die Velo fahren und wegen der Schlaglöcher verunfallten und ins Spital mussten», erzählt er der «Manchester Evening News». «Ich wollte auf die Schlaglöcher hinweisen. Nichts erschien mir dafür sinnvoller als ein riesiger Komik-Phallus. Das geht schnell, ich will mich nicht lange auf der Strasse aufhalten. Ich will die Leute nur zum Lächeln bringen.»

Ein Strasse, 70 Schlaglöcher

Tatsächlich erscheint das Problem gerade in Manchesters Randbezirken akut zu sein: Mehr als 70 Schlaglöcher ziehen sich etwa durch die nur knapp einen Kilometer lange Alders Road in Wythenshawe, einem Stadtteil im Süden von Manchester. «Zwei unserer Autos haben grosse Dellen wegen der Steine, die aus den Schlaglöchern hochgeschleudert werden», bestätigt Susan Loose (59) von der lokalen Bürgervereinigung zu den «Manchester Evening News». «Wir zahlen unsere Steuern, also sollten unsere Strassen repariert werden.»

Viele Löcher innerhalb von 48 Stunden gefüllt

Wanskys Einsatz für bessere Strassen scheint zu fruchten: 48 Stunden, nachdem er die Penisse gezeichnet hatte, liess die Stadt viele der Schlaglöcher in der Gegend nördlich von Manchster behelfsmässig auffüllen, wie die «Manchester Evening News» schreibt.

Seine Aktionen dokumentiert der Künstler jeweils auf einer Facebook-Seite. Über 8000 Menschen sind bereits Fan der Page – viele fragen Wanksy, ob er nicht auch in ihrer Strasse vorbeikommen und ein Schlagloch mit einem aufgesprayten Penis kennzeichnen könnte.

«Es ist kein Graffiti-Spray»

Dass viele der Schlaglöcher so schnell repariert wurden, könnte auch daran liegen, dass die Stadt die Penis-Zeichnungen schlimmer findet als schlechte Strassen, schreibt die Seite Someecards. Denn längst nicht alle Anwohner sind von der Aktion begeistert.

«Hat dieser Mensch je darüber nachgedacht, wie Familien mit jungen Kindern sich fühlen, wenn sie diese obszönen Symbole auf dem Schulweg sehen? Das ist Vandalismus und kontraproduktiv», so ein Stadtrat-Sprecher.

Wanksy versteht die Aufregung nicht: «Die Farbe verschwindet innerhalb von ein oder zwei Wochen. Es ist kein Graffiti-Spray.» Gegenüber «BBC Newsbeat» sagt er: «Es ist nur eine Zeichnung. Künstler haben seit Jahren nackte Körper gemalt. Sich davon angegriffen zu fühlen, ist sehr prüde.»

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