Aktualisiert 03.04.2016 07:52

Bichelsee TG«Ein Pfarrer kann nicht schwul sein»

Die evangelische Kirchgemeinde Bichelsee will keinen schwulen Pfarrer: Die Kirchbürger stimmten gegen M.B. Dies stösst dem Dachverband der Schwulen sauer auf.

von
afa
Die reformierte Kirche in Bichelsee.

Die reformierte Kirche in Bichelsee.

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Das Pfarramt der evangelischen Kirchgemeinde Bichelsee sucht einen neuen Pfarrer. Doch M.B*, der von der Pfarrwahlkommission zur Wahl vorgeschlagen wurde, passt den Kirchbürgern nicht – er ist schwul. An der Kirchgemeindeversammlung von Bichelsee am Montagabend stimmte eine Mehrheit gegen die Wahl des bekennenden homosexuellen Pfarrers, der in einer Partnerschaft lebt.

Laut der «Thurgauer Zeitung» begleitete eine hitzige Diskussion den Abend. Bibel-Fundis liessen sich offen über den Abwesenden aus: Ein Pfarrer könne nicht schwul sein, «nicht in Bichelsee und auch sonst nicht».

Um zu belegen, dass Homosexualität eine Sünde sei, hätten Gegner auch aus der Bibel zitiert: Im Römerbrief von Paulus stehe geschrieben, dass Männer, die mit Männern Schande trieben, nach Gottes Recht den Tod verdient hätten. Schlussendlich musste der Präsident der Kirchenvorsteherschaft, der B. gerne als Pfarrer gesehen hätte, das Wahlresultat akzeptieren.

«Die Ostschweiz ist sehr konservativ»

Der Entscheid stösst Bastian Baumann, Geschäftsleiter des Schweizer Dachverband für Schwule Pink Cross, sauer auf. «Leider machen wir immer wieder die Erfahrung, dass hinter offenkundiger Diskriminierungen von Schwulen oft Kirchenanhänger stehen», sagt Baumann. Er verstehe nicht, warum schwule Pfarrer noch immer so diskriminiert werden. «Die Argumente der Gegner zeugen eindeutig von blanker Homophobie.»

Das grösste Ärgernis stellt für Baumann aber der Missbrauch der Bibel dar. «Leute picken die Sätze heraus, die ihnen gerade passen und reissen sie komplett aus dem Kontext», so Baumann. Die Ostschweiz sei im gesamtschweizerischen Vergleich ein eher konservatives Pflaster. Hinzu komme, dass die Menschen auf dem Land häufig eine konservativere Einstellung hätten als die Städter. «Ich wünsche mir einen Wandel in der Kirche», so Baumann.

B., der zurzeit als Pfarrer in der Kirchgemeinde Straubenzell tätig ist, möchte sich zum Vorfall nicht äussern. «Ich verbringe meine Zeit vor allem mit Beten», sagt der gebürtige Deutsche. «Die Zukunft wird zeigen, was Gott für Pläne hat.»

Der Fall erinnert stark an einen schwulen Mesmer, der im letzten Jahr der Kirchgemeinde Weinfelden vorgeworfen hat, ihm wegen seiner Homosexualität gekündigt zu haben.

* Name der Redaktion bekannt

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