Umstrittener Entscheid: Ein Phantom-Tor und skandalöse Video-Technik

Aktualisiert

Umstrittener EntscheidEin Phantom-Tor und skandalöse Video-Technik

Servette-Trainer Chris McSorley sagt, bei Biels Sieg am Samstag sei einmal der Puck gar nicht im Tor gewesen. Wahrscheinlich hat er recht und die Video-Technik in den Stadien ist verlottert.

von
K. Zaugg
Die Partie zwischen Biel und Servette vom Samstag gibt zu Reden.

Die Partie zwischen Biel und Servette vom Samstag gibt zu Reden.

Nach dem grossen Sieg gegen Servette vom Freitag (4:3) fehlte den Bielern am nächsten Tag gegen den SC Bern die Kraft. Das 1:5 war die logische Folge. Ohnehin war die Partie gegen die Genfer viel wichtiger: Mit dem Vollerfolg hat Biel den Vorsprung auf Servette und den 9. Platz von vier auf sieben Zähler ausgebaut.

Die Seeländer hatten gegen das Team von Chris McSorley das beste Drittel der Saison und führten nach 19:40 Minuten bereits 3:0. Head Danny Kurmann gab den von Alain Mieville erzielten Treffer nach Konsultation des Videos. Am Ende gewann Biel diesen kapitalen Match mit einem Treffer Vorsprung.

McSorley: «Die Scheibe war nicht im Tor»

Servette-Trainer Chris McSorley blieb nach der bisher folgenschwersten Niederlage der Saison gelassen. «Zu viele meiner Spieler waren in Gedanken im ersten Drittel noch im Mannschaftsbus.» Und fügte schon beinahe tonlos an: «Aber beim 3:0 war die Scheibe nicht im Tor. Das zeigen die TV-Bilder. Ich habe das Danny Kurmann gesagt. Die Schuld für die Niederlage trägt er aber nicht. Wir müssen uns selber an der Nase nehmen.»

Die Scheibe beim 3:0 nicht im Tor? Schon wieder eine «Meisterschaftsverfälschung» durch die «Steinzeit-Technik» in unserer Liga? Es ist so. Danny Kurmann erklärte 20 Minuten Online, warum er das 3:0 gegeben hat – obwohl die Scheibe mit ziemlicher Sicherheit nicht im Tor lag. «Ich hatte eine gute Sicht und sah die Scheibe eindeutig drin. Deshalb habe ich sofort auf Tor entschieden. Aber auf dem Video habe ich die Scheibe nicht mehr hinter der Linie gesehen. Das Video liefert aber auch keinen eindeutigen Beweis, dass die Scheibe nicht hinter der Linie lag. Aus dem Winkel der Hintertorkamera ist nicht eindeutig ersichtlich, wo sich die Scheibe befand. Der Fanghandschuh des Torhüters nahm die Sicht auf den Puck. Vielleicht hätten die TV-Bilder aus anderen Blickwinkeln Klarheit gebracht.»

Kurmann konnte seinen Entscheid nicht revidieren

Weil Kurmann vor der Video-Konsultation auf Tor entschieden hatte und auf dem Video das Gegenteil nicht zweifelsfrei ersichtlich war, musste er das Tor geben. Die Regeln schreiben dem Schiedsrichter vor, dass er vor der Video-Konsultation auf «Tor» oder «kein Tor» entscheiden muss und dann diesen Entscheid nur noch aufgrund eindeutiger Video-Bilder umstossen darf. Hätte Kurmann auf «kein Tor» entschieden, hätte er nach Sichtung des Videos das Tor auch nicht gegeben – weil der Beweis, dass die Scheibe drin war, nicht ersichtlich ist. Er hat aber auf «Tor» entschieden und das Video beweist nicht einwandfrei, dass die Scheibe nicht drin war – als Tor, also 3:0, also am Ende ein 4:3-Sieg für Biel. Kurmann hat alles richtig gemacht. Das hat auch Servette-General Chris McSorley eingesehen und deshalb nicht getobt. Kurmann: «Er ist nach dem Spiel zu uns in die Garderobe gekommen und hat uns hochanständig den Sachverhalt dargelegt.»

Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat also ein «Phantom-Tor» zum 3:0 einen kapitalen Match entschieden. Mit ebenso grosser Wahrscheinlichkeit hätte Danny Kurmann das Tor annulliert, wenn er Zugriff auf alle TV-Bilder gehabt hätte. Aber eben: Aus Kostengründen können die Schiedsrichter nur während der Playoffs die TV-Bilder einsehen. Die Klubs weigern sich, die moderne Technik zu finanzieren.

Skandalöse Zustände bei der Video-Technik

Um die Video-Technik in unseren Stadien steht es offenbar noch schlimmer als bisher angenommen. Danny Kurmann erzählt 20 Minuten Online jedenfalls freimütig von geradezu skandalösen Zuständen: «Die Hintertorkameras liefern nur Bilder aus einem einzigen Winkel und es ist manchmal unmöglich zu erkennen, ob der Puck die Linie überschritten hat. Es kommt aber gelegentlich auch vor, dass die Hintertorkamera gar nicht funktioniert und der Bildschirm schwarz bleibt. Es ist mir aber auch schon passiert, dass ich das Video konsultieren wollte und mir Bilder vom vorangegangenen Match gezeigt worden sind.» Wo war das? Das verrät Kurmann nicht. Er will nicht noch Öl ins Feuer giessen. Man mache bei solchen Pannen einfach gute Miene zum bösen Spiel und lasse sich nichts anmerken. Spieler und Publikum wissen ja nichts von diesen Missständen.

Diese unzulängliche Technik verfälscht die Meisterschaft – erst recht in einer so ausgeglichenen Liga mit so vielen knappen Resultaten. Bereits am letzten Sonntag ist wegen fehlender TV-Bilder und fehlender Synchronisierung der Hintertorkamera mit der Matchuhr den SCL Tigers mit ziemlicher Sicherheit das reguläre 3:3 gegen Biel aberkannt worden. Letztlich ist das ein Skandal: Die grossen Leistungen der Bieler beim 3:2 in Langnau und beim 4:3 gegen Servette bekommen so zu Unrecht den Schwefelgeruch der Irregularität. Gerade das haben die tapferen Seeländer nicht verdient.

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