Aktualisiert 11.11.2011 18:26

Ehrung

Ein Platz für Calmy-Rey im Kosovo

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey ist für ihr Engagement zu Gunsten der Unabhängigkeit des Kosovos geehrt worden. Im Rahmen des Besuchs des kosovarischen Aussenministers in Bern wurde Calmy-Rey mit fast einjähriger Verzögerung der erste «Prix Diaspora» überreicht.

Bundesrätin Calmy-Rey und der kosovarische Aussenminister in Bern.

Bundesrätin Calmy-Rey und der kosovarische Aussenminister in Bern.

Calmy-Rey habe mit ihren Stellungnahmen und ihrem Engagement die internationale Integration Kosovos unterstützt, sagte Shpetime Kamberi, die die goldene Skulptur im Namen der kosovarischen Diaspora in der Schweiz überreichte. «Wir sind Frau Calmy-Rey sehr dankbar», sagte sie am Freitag während der Zeremonie im Von- Wattenwyl-Haus.

Die Bundespräsidentin bezeichnete den Preis als grosse Ehre. «Ich bin sehr gerührt», sagte Calmy-Rey nach der Preisverleihung vor den Medien. Die Idee des «Prix Diaspora», der künftig jährlich verliehen werden soll, hatte der Botschafter Kosovos in Bern, Naim Malaj, zusammen mit in der Schweiz lebenden Kosovaren entwickelt.

Die Verleihung des Preises war bereits Ende letztes Jahr geplant gewesen. Nach den schweren Anschuldigungen des Europaratsermittlers Dick Marty gegen die kosovarische Führung wegen mutmasslichens Organhandels hatte Calmy-Rey darauf verzichtet, den Preis der Kosovo- Diaspora in Empfang zu nehmen. Am Freitag unterstrich Calmy-Rey das Interesse der Schweiz an einer umfassenden Untersuchung dieser Anschuldigungen.

Aussenminister dankt der Schweiz

Überreicht wurde der «Prix Diaspora» im Rahmen des offiziellen Besuchs des kosovarischen Aussenministers Enver Hoxhaj in Bern. Sowohl Calmy-Rey als auch Hoxhaj erklärten, die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Kosovo seien sehr gut.

«Über die rund 170 000 Menschen kosovarischer Herkunft, die in der Schweiz leben, sind die beiden Länder eng miteinander verbunden», betonte Calmy-Rey. Kosovo habe grosse Fortschritte gemacht, namentlich auch bei der Integration der Serben im Norden des Landes. Trotzdem stehe das Land noch vor einer Reihe von Herausforderungen.

Hoxhaj bedankte sich bei der Schweiz für ihr Engagement. «Ohne die politische und finanzielle Unterstützung der Schweiz wäre es nicht möglich gewesen, unser Land innert zehn Jahren aufzubauen», sagte er.

Auf die Frage nach der Integration der Kosovarinnen und Kosovaren in der Schweiz antwortete Calmy-Rey, dass es «einige Probleme» gebe. Die Fortschritte seien aber gut. Die Aussenministerin erinnerte daran, dass die Exil-Kosovaren auch zur Prosperität der Schweiz beitragen würden.

Ein Platz für Calmy-Rey

Neben dem «Prix Diaspora» erhält die abtretende Bundesrätin eine weitere Ehre: Ein Platz im Kosovo soll nach Calmy-Rey benannt werden, wie im September bekannt wurde.

Calmy-Rey sagte am Freitag, sie sei «sehr stolz und sehr gerührt» über diese Idee. Gleichzeitig betonte sie aber, sie sei «nur ein kleiner Teil» von allen, die sich für die Unabhängigkeit Kosovos engagiert hätten.

Die Aussenministerin hatte sich bereits 2005 für die Unabhängigkeit der damaligen südserbischen Provinz ausgesprochen. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar 2008 gehörte die Schweiz zu den ersten Ländern, die Kosovo als eigenständigen Staat anerkannten.

Die Schweiz beteiligt sich zudem mit einigen Experten an der Mission der EU (EULEX) und ist seit 1999 mit der Swisscoy präsent, die Mitglied der NATO-geführten internationalen Friedenstruppe KFOR ist. Heute besteht das Kontingent aus rund 220 Soldaten.

(sda)

Abkommen unterzeichnet

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und Kosovos Aussenminister Enver Hoxhaj haben bei ihrem Treffen am Freitag in Bern ein bilaterales Strassenverkehrsabkommen unterzeichnet.Das Abkommen soll den Transit von Waren zwischen den beiden Ländern vereinfachen. So soll zum Beispiel eine Schweizer Firma mit geringerem administrativem Aufwand Waren nach Kosovo ausführen können, als dies momentan der Fall ist.

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