Eskalation bei Leibesvisitation: «Ein Polizist kniete auf mich drauf und steckte mir seinen Finger ins Ohr»
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Eskalation bei Leibesvisitation«Ein Polizist kniete auf mich drauf und steckte mir seinen Finger ins Ohr»

Als Einsatzkräfte der Kantonspolizei Bern bei einem Jugendlichen Gras fanden, brachten sie ihn aufs Revier. Dort weigerte er sich, sich ganz auszuziehen – woraufhin die Situation ausartete.

von
Zoé Stoller
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Zusammen mit seinen drei Freunden war Jonathan Mateaki auf der Grossen Schanze, wo er von der Polizei durchsucht wurde.

Zusammen mit seinen drei Freunden war Jonathan Mateaki auf der Grossen Schanze, wo er von der Polizei durchsucht wurde.

Jonathan Mateaki
Die Einsatzkräfte der Kantonspolizei Bern brachten die vier Jugendlichen daraufhin aufs Revier.

Die Einsatzkräfte der Kantonspolizei Bern brachten die vier Jugendlichen daraufhin aufs Revier.

20min/Simon Glauser
Dort weigerte sich Mateaki, sich vollständig zu entkleiden, woraufhin es zu einer Auseinandersetzung mit den Polizisten kam.

Dort weigerte sich Mateaki, sich vollständig zu entkleiden, woraufhin es zu einer Auseinandersetzung mit den Polizisten kam.

Jonathan Mateaki

Darum gehts

Jonathan Mateaki war kürzlich zusammen mit drei Freunden auf der Grossen Schanze in Bern, als sie von Polizisten angehalten und durchsucht wurden. Die Einsatzkräfte fanden laut Mateakis Angaben zwei Gramm Gras bei ihm, woraufhin die Jugendlichen auf den Polizeiposten beim Waisenhausplatz gebracht und dort aufgefordert wurden, sich vollständig zu entkleiden. Mateaki, der an einem Trauma leidet und dies den Polizisten erklärte, weigerte sich, seine Unterhose auszuziehen. 

«Spinnt ihr? Ich bin erst 17 und ihr seid zwei Männer gegen mich»

«Ein Polizist sagte zu mir: ‹Wenn du deine Unterhose nicht ausziehst, müssen wir halt Gewalt anwenden›», erzählt der Jugendliche. «Weil ich dies immer noch nicht wollte, holte er seinen Taser hervor. Ich schrie: ‹Spinnt ihr? Ich bin erst 17 und ihr seid zwei Männer gegen mich. Da musst du keinen Taser verwenden!›» Dann sei er von einem Polizisten in den Schwitzkasten genommen worden. «Weil ich mich gegen die Gewalt wehrte, kam noch ein weiterer Mann auf mich zu und kickte mich in den Fuss, sodass ich auf den Boden fiel. Dort kniete ein Polizist auf mich drauf, um mich still zu halten, und steckte seinen Finger in mein Ohr», so Mateaki. Die Einsatzkräfte hätten ihn ausserdem mehrfach geohrfeigt. 

Bei der Polizei habe man ihm versichert, seine Eltern würden informiert. Die Familie habe jedoch nie einen Anruf erhalten. «Weil ich stundenlang nicht auftauchte und nicht erreichbar war, rief meine Mutter selbst bei der Polizei an. So fand sie schliesslich heraus, dass ich auf dem Revier war. Sie war krank vor Sorge», sagt Mateaki. 

Verdacht auf Betäubungsmittelhandel

20 Minuten konfrontierte die Berner Kantonspolizei mit Mateakis Darstellung. Laut Sprecher Patrick Jean wurden bei drei der vier Jugendlichen Betäubungsmittel sichergestellt. «Einer von ihnen trug zudem mehrere Hundert Franken Bargeld in der Kleidung versteckt auf sich.» Weil die Polizisten Verdacht auf Betäubungsmittelhandel hegten, hätten sie die vier auf die Wache gebracht und dort von der Jugendanwaltschaft angeordnete Leibesvisitationen durchgeführt. Mateaki habe sich zunächst kooperativ verhalten. «Zum Entkleiden der Unterwäsche aufgefordert, verweigerte er dies trotz mehrfacher Erklärung der Erforderlichkeit», so Jean.

Weitere Drogen in Schliessfächern

«Plötzlich nahm er eine drohende Haltung gegen die beiden zu diesem Zeitpunkt anwesenden Polizisten ein», sagt Jean weiter. Deshalb habe man das Destabilisierungsgerät, den Taser, gezückt, ihn jedoch weder eingesetzt noch damit gedroht. Zu viert hätten die Polizisten den Jugendlichen schliesslich fixieren können, «wobei aufgrund der Gegenwehr auch der Druckpunkt im Bereich des Ohres genutzt wurde».

Die Eltern der Jugendlichen seien erst kontaktiert worden, «sobald dies die mit Blick auf die bestehende Kollusionsgefahr erforderlichen Arbeitsschritte zuliessen». Die Einsatzkräfte hätten aufgrund einer Durchsuchungsanordnung der Jugendanwaltschaft ausserdem Schliessfächer durchsucht, wo weitere Betäubungsmittel festgestellt worden seien. Laut Jean werden die Jugendlichen «wegen mutmasslicher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Strafgesetzbuch zuhanden der Jugendanwaltschaft angezeigt». 

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