Affäre Geri Müller: Ein PR-Profi in eigener Sache
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Affäre Geri MüllerEin PR-Profi in eigener Sache

Möglicherweise steht eine politische Abrechnung hinter der Affäre um Geri Müller. Ein Mann hat besonderes Interesse an seiner Demontage.

von
num/mbi

Auf Twitter machten nach Ausbreitung des Skandals um Geri Müller zwei Worte die Runde: «Cui bono?» (Latein: «Wem zum Vorteil?») Die Frage ist berechtigt. Wer profitiert von der unappetitlichen Geschichte um Geri Müller und dessen Nackt-Selfies an eine 33-jährige Gymnasiallehrerin?

Die Zeichen verdichteten sich im Verlaufe des heutigen Tages, dass vor allem eine Figur dafür in Frage kommt: Sacha Wigdorovits. Er ist Geschäftsführer der Contract Media AG - eine PR-Agentur in Zürich. Der bestens vernetzte PR-Profi sitzt ausserdem im Stiftungsrat der Audiatur-Stiftung, die sich in die öffentliche Debatte um Israel-Themen einschaltet.

Wie, zeigt auch ein Strategie-Papier von Wigdorovits, das die Plattform «Infosperber» veröffentlichte. Darin schildert Wigdorovits einen ausgeklügelten Massnahmenplan, um jüdischen Anliegen via Medien Öffentlichkeit zu verschaffen.

Geri Müller namentlich erwähnt

In einer SWOT-Analyse listet Wigdorovits unter «Stärken» auf: «Unterstützung Bürgerliche, einzelne Medien/Journalisten.» Die Schwächen allerdings: «Journalisten sind traditionell mehrheitlich links - und deshalb anti-israelisch.» Dann folgen bekannte Namen im Papier. Wigdorovits schreibt unter dem Titel «Womit wir zu kämpfen haben»: «Mit Daniel Vischer und Geri Müller haben die Palästinenser starke Fürsprecher.»

Wigdorovits ist ehemaliger Chefredaktor des «Blicks», baute die Gratiszeitung «.ch» auf (und gehörte auch zu den Gründern von «20 Minuten») - sein Adressbuch ist voll mit Kontakten in die Medienszene. Diese Kontakte, schreibt er, gelte es zu nutzen, etwa mit «Besuchen bei wichtigen Chefredaktoren» oder mit Reaktionen auf israelkritische Beiträge. «In gewissen Fällen sind auch die Verleger einzuschalten.»

Wigdorovits präsentierte sein Strategie-Papier vor der Handelskammer Schweiz - Israel. Eine Partei kam darin nicht sonderlich gut weg: «Israel wird von der politischen Linken (Grünen) als imperialistischer Staat wahrgenommen», so Wigdorovits. Er beklagte sich, dass in den Schweizer Medien neben Experten vor allem als propalästinensisch bekannte Politiker zu Wort kämen. Und nannte wieder einen Namen: Geri Müller.

Alte Bekannte

Sacha Wigdorovits und Geri Müller waren in einer emotionalen Debatte schon früher aneinandergeraten. Im Juni 2010 sassen sich die beiden im «Club» gegenüber - es ging um die internationale Kritik an Israel nach den blutigen Ereignissen auf Hilfsschiffen. Freunde wurden sie auch dort nicht. Und nachdem Geri Müller einen Hamas-Vertreter eingeladen hatte, schäumte Wigdorovits in der «Weltwoche»: «Geri Müller ist ein Antisemit, das habe ich ihm auch schon öffentlich ins Gesicht gesagt.»

Wigdorovits bestreitet heute gegenüber 20 Minuten, irgendetwas mit der Verbreitung der Geschichte an die Medien zu tun gehabt zu haben. Und auch Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», der die Geschichte lancierte, hüllte sich heute in einem Interview mit «Persoenlich.com» in Schweigen: «Ich kann Ihnen meine Quellen nicht verraten. Nach diesem Polizei-Einsatz in Baden am vorletzten Mittwochabend begann ich zu recherchieren und kam schliesslich zu den Dokumenten.»

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