Aktualisiert 29.10.2007 08:53

Ein Prosit auf das gute Benehmen

Wichtige geschäftliche Weichen werden beim Business-Lunch gestellt. Neben Essen und Smalltalk gehören vor allem angemessene Umgangsformen zum erfolgreichen Geschäftsabschluss.

Wenn Pirmin Hess (32)* von der UBS zum Lunch bittet, hat das vor allem einen geschäftlichen Hintergrund. Nirgends lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen besser verbinden als in einem schmucken Lokal, wo die Ambiance – im Gegensatz zu den nüchternen Räumen der Bank – für den Geschäftsabschluss stimmt. Doch mit dem hübschen Rahmen ist es nicht getan, wie Pirmin aus Erfahrung weiss. «Ebenso wichtig sind gute Tischmanieren und ein höfliches, nicht aufdringliches Auftreten im Gespräch unter vier Augen.» Doch woher wissen, was bei Tisch angesagt ist? Pirmin hat entsprechende Kurse besucht – und bildet sich im privaten Rahmen weiter. «Einer meiner Kollegen ist nicht nur ein Geniesser, sondern ein Gastroprofi durch und durch. Wenn wir zusammen essen gehen, lerne ich immer wieder den einen oder anderen Trick in Sachen gutem Benehmen.»

Marc Heller* (43) arbeitet als Sales Manager und isst oft ausser Haus. Er versucht, sich dem Gegenüber im Verhalten anzugleichen. «Steckt dieser seine Serviette ins Hemd, dann darf ich das auch tun», sagt er. Das heisst aber nicht, dass Marc alles mitmacht, was sein potenzieller Geschäftspartner vormacht, «denn vielleicht möchte er mich in eine 'Verhaltensfalle' locken», mutmasst Marc.

Die Strategie, wonach man sich seinem Business-Partner anpasst, ist einleuchtend, wie Patric Gonetz (28) erläutert. Zusammen mit Geschäftspartner Jens Solbach vermittelt er Kurse für gutes Benehmen, «ohne aber belehrend wirken zu wollen. Oberstes Gebot ist es, eine Atmosphäre des Wohlbefindens zu kreieren», sagt Gonetz. Diese sei nämlich das Wichtigste, wenn es um Geschäftliches gehe. Natürlich sei im Vorteil, wer zusätzlich die elementarsten Grundregeln des Benehmens beim Essen kenne. «Oder möchten Sie mit jemandem ein Geschäft machen, dessen Essverhalten Sie Ekel erregend finden?»

Patric Gonetz ist trotz seines jugendliche Alters bereits ein Gastronomie-Fachmann. Vom Strandbad mit rudimentärem Essangebot bis hin zum gediegenen Luxushotel hat er alle Stationen durchlaufen. Zuletzt als Chef de Restaurant wirkend, hat er vieles gesehen, was gegen Sitte und Anstand verstösst. Das hat ihn bewogen, Tischmanieren nicht nur im kleinen, sondern auch im grösseren Kreis zu thematisieren. Mit Erfolg, wie der dynamische Jungunternehmer stolz berichtet. Zu seinen Klienten gehörten bereits renommierte Firmen wie die Zürcher Kantonalbank oder die SBB Region Ostschweiz.

*Namen von der Redaktion geändert

Gabriel Aeschbacher

Fünf Top Tipps für den Business-Lunch

- Verspätung vermeiden. Mehr als fünf Minuten Rückstand gelten als unhöflich.

- Kaugummi raus! Unverzeihlich, wer seinen Gegenüber mit breiten Kaubewegungen empfängt!

- Keine zu intimen Fragen. Besser den Smalltalk kultivieren als ins private Fettnäpfchen zu treten.

- Kein wildes Herumfuchteln. Wer zu viel mit den Händen redet, erinnert mehr an einen Mafia-Boss denn an einen seriösen Geschäftsmann.

- Serviette auf den Schoss. Wer sich diese ins Hemd steckt, outet sich als Spagetti-Liebhaber auf einem Waldfest.

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