SVP sucht Nachfolger: Ein Quartett will Caspar Baader beerben

Aktualisiert

SVP sucht NachfolgerEin Quartett will Caspar Baader beerben

Caspar Baader tritt als Fraktionschef der SVP zurück. Vier Kandidaten bewerben sich: Adrian Amstutz, Pirmin Schwander, Jürg Stahl und Luzi Stamm haben sich gemeldet.

Wollen Caspar Baaders Posten als SVP-Fraktionschef übernehmen: Adrian Amstutz, Pirmin Schwander, Jürg Stahl und Luzi Stamm (von links nach rechts).

Wollen Caspar Baaders Posten als SVP-Fraktionschef übernehmen: Adrian Amstutz, Pirmin Schwander, Jürg Stahl und Luzi Stamm (von links nach rechts).

Vier Nationalräte bewerben sich um das Präsidium der SVP-Fraktion, nämlich Adrian Amstutz (BE), Pirmin Schwander (SZ), Jürg Stahl (ZH) und Luzi Stamm (AG). Der amtierende SVP- Fraktionschef Caspar Baader hatte bereits vor längerer Zeit seinen Rücktritt angekündigt.

Baader war rund zehn Jahre Fraktionschef. Bis am Samstag um Mitternacht lief die Frist für das Einreichen von Kandidaturen. Drei Kandidaturen gab die stellvertretende SVP-Generalsekretärin Silvia Bär am Samstagmorgen gegenüber Radio DRS bekannt. Sie nannte die Namen von Adrian Amstutz, Pirmin Schwander und Jürg Stahl. Am Samstagabend meldete dann auch der Aargauer Luzi Stamm bei der Partei sein Interesse an der Fraktionsführung an. Er bestätigte eine entsprechende Meldung der Zeitung «SonntagsBlick». Die Fraktion wählt am 21. Januar.

Blochers Mann in Bern

Gute Chancen auf das Amt werden dem 58-jährigen Berner Oberländer Adrian Amstutz nachgesagt. Der Unternehmer aus Sigriswil schaffte 2003 den Sprung in den Nationalrat. Seit 2008 ist er Vizepräsident der SVP Schweiz.

Amstutz politisiert im rechten Flügel der SVP und gilt als Blochers Mann in Bern. Er sagt von sich, dass er gerne Klartext rede und «lieber grob richtig als ganz genau falsch» liege. Bei den eidgenössischen Wahlen 2007 erzielte er im Kanton Bern das beste Ergebnis aller Kandidierenden.

Im März 2011 wurde Amstutz bei einer Ersatzwahl in den Ständerat gewählt. Bei den Wahlen im Herbst musste er allerdings eine Niederlage einstecken, als er die Wiederwahl in die prestigeträchtige kleine Kammer verpasste.

EU-Gegner aus Schwyz

Auf der Linie des Zürcher Parteiflügels dürfte auch der Schwyzer Pirmin Schwander die Fraktion führen. Der 50-jährige Unternehmer aus Lachen sitzt seit acht Jahren im Nationalrat. Seit 2004 präsidiert er die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS). In dieser Funktion kämpft er vehement gegen jegliche Annäherung der Schweiz an die EU. Er gilt auch innerhalb der SVP als Hardliner.

Schlagzeilen machte Schwander vor rund zwei Jahren, als er mit fünf Mitstreitern Bundesrätin Micheline Calmy-Rey bei der Bundesanwaltschaft wegen einem «Eingriff ins Stimmrecht» anzeigte. Er warf Calmy-Rey vor, sie habe bei der Abstimmung über die Personenfreizügigkeit falsch informiert und die Stimmberechtigten so zu einem Ja genötigt. Das Parlament schützte in der Folge aber die Immunität Calmy-Reys.

Ein Aargauer und ein Zürcher

Als sachpolitischen Hardliner sieht sich der 59-jährige Anwalt Luzi Stamm aus Baden AG. Er ist seit 1991 Nationalrat. Die ersten zehn Jahre gehörte er der FDP an, und seit 2001 politisiert er für die SVP. «Da gehöre ich hin», sagte er und begründete dies mit der EU- und der Einwanderungspolitik der SVP.

Seine Kandidatur habe er mit seinen Aargauer Fraktionskollegen abgesprochen, führte Stamm aus. Dabei seien unter anderem seine guten Beziehungen zur Westschweiz und zum Tessin als relevanter Punkt genannt worden.

Der 43-jährige Nationalrat Jürg Stahl aus Brütten ZH schliesslich ist schweizweit weniger bekannt. Der Drogist ist seit zwölf Jahren Nationalrat und hat sich auf Gesundheits- und Berufsbildungspolitik spezialisiert. Als Mitglied des Exekutivrates von Swiss Olympic setzt er sich zudem für den Spitzen- und Breitensport ein.

Kritiker fehlen

Besonders nach den Bundesratswahlen waren in der SVP verschiedene Stimmen laut geworden, die eine Erneuerung der Parteispitze und eine breitere Machtverteilung forderten. «Es kann nicht sein, dass wir immer alle Entscheide der Parteileitung abnicken», sagte damals etwa der Glarner SVP-Ständerat This Jenny.

Auf eine Bewerbung für das Präsidium der Fraktion verzichtete er nun allerdings: «Ich wollte mich nicht aufdrängen», sagte er der Nachrichtenagentur SDA. Auf Anfrage hätte sich Jenny nach eigenen Angaben aber zur Verfügung gestellt. (sda)

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