Burma-Reisen: Ein reines Gewissen braucht Vorbereitung

Aktualisiert

Burma-ReisenEin reines Gewissen braucht Vorbereitung

Auch Burmas Opposition spricht sich heute für den Tourismus aus. Wer jedoch politisch korrekt reisen will, muss sich gut informieren. Denn die alte Militär-Elite hat überall ihre Finger im Spiel.

von
Marlies Seifert

Der Ausblick vom Hotel-Pool auf den heiligen Mount Popa ist atemberaubend schön, die modernen Flugzeuge der Air KBZ auf dem neuesten Stand. Einziges Problem: Sowohl das Luxusresort als auch die Airline gehören sogenannten Cronys, Profiteuren von Burmas ehemaliger Militärregierung. Tycoon Tay Za ist ehemaliger Waffenhändler und Vertrauter der Generäle. Und auch Milliardär Aung Ko Win war eng mit der Junta verbandelt.

Wer Burma bereisen möchte, kommt nicht um die Frage herum, wie er dies möglichst politisch korrekt tut und wen er mit seinem Besuch begünstigt. In Besitz der Regierung sind neben der Eisenbahn auch ganze Strände. Zwielichtige Investments lauern überall. So gehört zum Imperium von Crony Tay Za auch der umstrittene Aussichtsturm in Bagan, der das Panorama der Pagodenstadt verschandelt.

«Tourismus ist enorm wichtig für die Entwicklung unseres Landes»

Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hob nach ihrer Freilassung aus dem Hausarrest den Aufruf zum Tourismusboykott auf – mit Ausnahme von Pauschalreisen. Ihre Partei NLD (National League for Democracy) ging im Mai 2011 noch einen Schritt weiter und liess alle Besucher willkommen heissen, sofern sie «das Wohlergehen der einfachen Leute unterstützen und sich für die Erhaltung der Umwelt einsetzen.»

Auch Suu Kyis Vertrauter und ehemaliger politischer Gefangener U Ohn Maung sieht im Tourismus eine Chance. «Er ist enorm wichtig für die Entwicklung unseres Landes», sagt er im Interview mit 20 Minuten Online. «Der Tourismus bringt Jobs und gibt jungen Leuten eine Perspektive», meint das NLD-Mitglied. Ohn Maung ist selbst Hotelbesitzer. 1976 eröffnete er die kleine Pension Inle Inn am Inle Lake. Heute gehören ihm vier Hotels. Dennoch steht er dem jüngsten Reise-Boom nicht unkritisch gegenüber: «Wir sind nicht bereit für diesen Ansturm. Viele Orte sind noch nicht genügend entwickelt für internationale Gäste und es fehlt überall an Infrastruktur», sagt der 67-Jährige. Zudem seien die Machenschaften der Regierung, die auch wegen Menschenrechtsverletzungen und ethnischer Säuberungen in der Kritik steht, noch immer sehr intransparent. «Die Leute sollten sich gut überlegen, wo sie ihr Geld ausgeben», mahnt deshalb auch Ohn Maung.

Gute Vorbereitung beugt schlechtem Gewissen vor

Doch das ist gar nicht so einfach. «Wir vermeiden regierungsnahe Einrichtungen wann immer möglich», sagt Stephan Römer vom Asienspezialisten Tourasia, der die Rundreise von 20 Minuten Online organisiert hat. «Die Nachfrage ist aber so gross, dass wir dies nicht immer können», gibt er zu bedenken. Besitzverhältnisse bleiben für Besucher oft undurchsichtig. Hilfe bieten verschiedene Websites, die Ratschläge für faires Reisen in Burma erteilen. Auf der Homepage von Tourism Transparency kann man sich zudem über spezifische Hotels und Anbieter informieren. In diversen Reiseführern wird das Thema ebenfalls aufgenommen.

Ganz ohne schlechtes Gewissen geht es aber nicht. So fliessen die 30 Franken Visumsgebühren, die jeder Tourist zahlt, direkt in die Staatskasse. Wer sich im Vorfeld jedoch gut informiert und organisiert, kann während den 28 Tagen, die man damit maximal im Land bleiben darf, private Einrichtungen unterstützen – vom Strassencafé, über den Souvenirshop bis zu Bus und Hotel.

20 Minuten war vom 9. bis 14. Mai in Burma unterwegs und berichtete direkt aus dem südostasiatischen Land. Sehen Sie hier den letzten Beitrag mit Bildern vom Inle-See.

Infos

Die Rundreise von 20 Minuten wurde organisiert vom Schweizer Asienspezialisten Tourasia.

Direktflüge in die burmesische Grossstadt Rangun gibt es keine. Verbindungen ab Zürich gibt es beispielsweise über Bangkok oder Singapur. Der Flug von 20 Minuten wurde von Korean Air via Seoul durchgeführt. Ein Retourticket gibt es ab 1100 Franken.

Tipps für faires Reisen

- Fahren Sie mit privaten Expressbussen. Die Airlines werden alle von Cronys oder der Regierung selbst betrieben.

- Seien Sie besonders bei Luxushotel-Ketten vorsichtig. Je kleiner das Unternehmen, desto weniger wahrscheinlich ist eine Verbindung zur Regierung.

- Vermeiden Sie Museen, deren Eintrittsgelder direkt an die Regierung gehen.

- Unterstützen Sie das lokale Handwerk.

- Informieren Sie sich vor Ort über die Besitzverhältnisse einzelner Einrichtungen.

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