Ein Reiskartell gegen die Lebensmittelkrise
Aktualisiert

Ein Reiskartell gegen die Lebensmittelkrise

Thailand möchte eine «Organisation der Reis exportierenden Länder» (OREC) bilden. Vorbild soll die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) sein.

Als Reaktion auf die Nahrungsmittelkrise und die gestiegenen Nahrungsmittelpreise will Thailand offenbar mit Vietnam, Burma, Kambodscha und Laos ein «Kartell, um Preise festzulegen» gründen. Dies zumindest teilte die Regierung in Thailand zuerst mit. Kurz danach wurde die Aussage aber relativiert, schreibt der Tagesspiegel. Nun hiess es, ein Kartell nach Vorbild der OPEC sei nicht geplant. Man wolle nur eine Gruppe von fünf Ländern sein, die sich gegenseitig beim Handel mit Reis auf dem Weltmarkt helfe. Thailand räumte aber ein, dass es noch keine formellen Gespräche mit den genannten Staaten gegeben habe. Interessanterweise haben zwei der Länder, Kambodscha und Laos, schon Mühe, die eigene Bevölkerung zu ernähren. Sie exportieren nichts, Burma nur sehr wenig.

Einfluss schon heute gross

Thailand und Vietnam sind die beiden grössten Reisexporteure der Welt, zusammen decken sie die Hälfte des Weltmarktes ab. Der thailändische Reispreis gilt schon heute als Richtwert für den internationalen Handel. Seit Jahresbeginn hat er sich fast verdreifacht und Ende April ist er erstmals über 1000 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Weil es weltweit nur relativ wenig Exporteure gibt und deswegen der Markt relativ begrenzt ist, ist Thailands Einfluss auf den Reispreis heute schon gross.

Hauptnahrungsmittel für 3 Mrd. Menschen

Fast die ganze globale Reisproduktion wird jeweils im Anbauland konsumiert. Weltweit ernähren sich rund drei Milliarden Menschen hauptsächlich von Reis. Mit dem Kartell hätte also eine kleine Gruppe Macht über diese grosse Gruppe von Reisessern. Eine die Preise festlegende OREC könnte insbesondere für arme Importländer fatale Konsequenzen haben. (scc/rmd)

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