Aktualisiert 15.03.2015 12:15

Babylonische AusmasseEin riesiger Turm für Vals

Das grösste Hochhaus Europas soll im Bündner Bergdorf entstehen. Der Bau und dessen Machbarkeit stehen in Frage. Doch er könnte Chancen haben.

von
ann

Den Kurort Vals soll bald ein gewaltiger Hotelturm dominieren. Dies schreiben mehrere Sonntagszeitungen. Offenbar hat der Churer Investor Remo Stoffel zusammen mit dem Valser Steinbruchunternehmer Pius Truffer den amerikanischen Star-Architekten Thom Mayne beauftragt, einen gigantischen Luxushotelturm für das Alpental zu entwerfen.

Dieser soll neben der Therme Vals von Architekt Peter Zumthor zu stehen kommen und mit 380 Metern Höhe alle Gebäude um Längen schlagen, die sich bisher in den Schweizer Himmel recken. Das derzeit höchste Gebäude der Schweiz, der Zürcher Prime Tower, ist 126 Meter hoch. Der sich im Bau befindende Roche Turm soll dereinst 178 Meter hoch werden. Doch nicht nur in der Schweiz würde der Valserturm alle Rekorde brechen: In ganz Europa steht abgesehen von Sendemasten und Bohrtürmen nirgends ein so hohes Gebäude.

Hang stark rutschgefährdet

Das Projekt soll am 25. März in Zürich vorgestellt werden, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Zuvor will niemand die Pläne von Investor Stoffel bestätigen. Die Realisierbarkeit des Turms wird allerdings jetzt schon von Fachleuten angezweifelt und kritisiert. Der Hang, auf dem das Hotel gebaut werden soll, ist laut «Sonntagszeitung» stark rutschgefährdet. Bereits beim Bau der Therme Vals vor 20 Jahren hatte man damit Probleme. Es brauchte aufwendige Entwässerungsmassnahmen, um die Stabilität der Therme sicherzustellen.

Ausserdem ist der Grundriss des Turms extrem schmal: Die Grundfäche soll 16 Meter breit und 30 Meter lang sein. Um Stabilität zu gewährleisten, müsste das Hochhaus extrem tief im Boden verankert werden, wo es mit der Valserwasser-Quellschutzzone kollidieren würde. Oder das Hochhaus müsste über einen breiten Sockel verfügen, was möglicherweise im Widerspruch zum kantonalen Denkmalschutz stehen könnte.

«Eines der fünf besten Hotels der Welt»

Kritisiert wird das Projekt auch vom Schweizer Architekturprofessor Vittorio Lampugnani: «Tendenziell sind Hochhäuser in den Schweizer Alpen eine Absurdität.» In der alpinen Landschaft gebe es keine Notwendigkeit, viele Menschen auf engstem Raum unterzubringen. Andere reden davon, dass es beim Projekt nur um «Sensation» gehe.

Stoffel und Truffer bestreiten dies nicht wirklich. Sie verfolgen offenbar die Vision, aus Vals ein Architektur-Mekka zu machen. «Ich weiss wir greifen nach den Sternen. Wir möchten eines der fünf besten Hotels der Welt bauen», sagte Truffer einst. Zielpublikum des Turms sollen gemäss ihren Plänen schwerreiche Geschäftsleute aus Asien und dem arabischen Raum sein. Rund 100 Luxussuiten fänden im hohen Gebäude Platz und sollen zwischen 1000 und 25'000 Franken pro Nacht kosten. 200 Millionen Schweizer Franken will Stoffel investieren.

Projekt könnte Chancen haben

Bereits im Herbst soll die nötige Zonenplanänderung der Valser Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Gemeindepräsident Stefan Schmid glaubt, dass das Projekt «am Volk nicht vorbei kommt». Doch viele Valser sind froh, dass einer im Dorf investieren will. Und das Projekt passt zum Dorf, das eher Qualität statt Quantität wünscht.

Die Bevölkerung sei geteilter Meinung, sagt Schmid. Das eine Lager freue sich, dass in Vals mit grosser Kelle angerichtet wird. Das andere wehre sich gegen den Gigantismus und traue Remo Stoffel nicht. Der Turm könnte in Vals also durchaus Chancen haben. Doch die Gemeinde hat nicht das letzte Wort. Sagt sie Ja, wird noch der Bündner Regierungsrat darüber befinden müssen.

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