Italien: Ein Rücktritt, der Berlusconi schmerzt
Aktualisiert

ItalienEin Rücktritt, der Berlusconi schmerzt

Italiens Industrieminister Claudio Scajola ist zurückgetreten. Scajola war ins Zentrum eines dubiosen Immobiliengeschäfts geraten, bestreitet aber jegliches Fehlverhalten.

«Kann nicht weitermachen»: Italiens Industrieminister Claudio Scajola.

«Kann nicht weitermachen»: Italiens Industrieminister Claudio Scajola.

«Ich kann nicht länger als Minister weitermachen», sagte der Politiker am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Scajola ist einer der engsten politischen Freunde von Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Er wird beschuldigt, im Jahr 2004 beim Kauf einer Wohnung im Herzen Roms 600 000 Euro gezahlt zu haben. Weitere 300 000 Euro seien schwarz von dem umstrittenen Geschäftsmann Diego Anemone gezahlt worden.

Schlag für Berlusconi

Anemone ist eine Schlüsselfigur im Korruptionsskandal um millionenschwere Bauaufträge für den G-8-Gipfel in L'Aquila im Juli 2009. In den Sumpf dieses Skandals war schon vor Wochen auch Italiens Zivilschutzchef Guido Bertolaso geraten. Bertolaso soll von Anemone Schmiergelder und sexuelle Gefälligkeiten für Aufträge vom Zivilschutz erhalten haben.

Der Rücktritt Scajola ist ein schwerer Schlag und Imageschaden für Regierungschef Silvio Berlusconi. Bereits im Februar war gegen mehrere Mitglieder seiner Mitte-Rechts-Partei Popolo della Liberta' (PdL, Volk der Freiheit) ermittelt worden.

Schon einmal zurückgetreten

Scajola, Ex-Mitglied der in den 90er Jahren aufgelösten Democrazia Cristiana (DC), hatte sich 1995 der von Berlusconi gegründeten Mitte-Rechts-Partei Forza Italia angeschlossen (heute PdL).

In der zweiten Regierung Berlusconi (2001-2006) hatte er ein Jahr lang den Posten des Innenministers bekleidet. 2002 musste er aber zurücktreten, nachdem er mit beleidigenden Äusserungen über den von Linksextremisten ermordeten Regierungsberater Marco Biagi Kritik auf sich gezogen hatte. (sda)

Deine Meinung