Aktualisiert 08.12.2008 21:05

Labile OpferEin Sadist ohne Reue und Einsicht

Laut Anklage hat ein verheirateter Versicherungsberater in der Region Rüti (ZH) mehrere junge Frauen auf sadistische Art und Weise ohne Kondom vergewaltigt. Vor Obergericht beteuerte der Angeklagte, dass die Geschädigten alles freiwillig mitgemacht hätten.

von
Attila Szenogrady

Es war am 20. November 2003, als die Polizei den heute 41-jährigen Versicherungsberater festnahm, worauf der Schweizer Staatsangehörige bis zum Mai 2004 in der Untersuchungshaft verblieb. Als die Staatsanwaltschaft See/Oberland im Frühjahr 2006 Anklage erhob, taten sich Abgründe auf. Demnach hatte der Angeschuldigte zwischen den Jahren 1997 und Ende 2003 mehrere junge Frauen gegen deren Willen vornehmlich auf sadistische Weise zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Sehr junge und labile Opfer ausgesucht

Gemäss Staatsanwalt hatte sich der Angeklagte jeweils sehr junge und labile Opfer ausgesucht. In zwei Fällen handelte es sich um gerade 17-jährige Mädchen, die der Angeschuldigte offenbar leicht in die Falle locken konnte. Er gab sich zunächst immer als Tierfreund aus und schlug dann kaltblütig zu. Er fesselte die Geschädigten mit Handschellen und vollzog an ihnen brutal den Geschlechtsakt. Immer ohne Kondom. Der Angeschuldigte ging dabei berechnend vor, indem er jeweils die Abhängigkeit der jungen Frau ausnutzte. Auch bei zwei 14-jährigen Schülerinnen, denen er eine Modellkarriere in Aussicht stellte, sie laut Anklage nackt filmte und zu sexuellen Handlungen missbrauchte.

Viereinhalb Jahre in Hinwil

In einem ersten Prozess am Bezirksgericht Hinwil kassierte der weitgehend nicht geständige Mann bereits vor zwei Jahren trotz Teilfreisprüchen eine hohe Zuchthausstrafe von viereinhalb Jahren. Bei zwei jungen Frauen wurde der inzwischen von seiner Ehefrau getrennte Angeklagte für schuldig befunden. So wegen mehrfacher Vergewaltigung sowie mehrfacher sexueller Nötigung. Die Verteidigung legte Berufung ein und erzwang damit einen Prozess, der seit Montag das Zürcher Obergericht beschäftigt.

Weder Reue noch Einsicht

Schon bei der Befragung zur Sache war für den Gerichtsvorsitzenden Peter Marti klar, dass beim Angeklagten kein Funken von Reue oder Einsicht auszumachen war. So verlangte dieser weiterhin Freisprüche von den Sexualdelikten und beteuerte, dass alle Geschädigten mit seinen sadistischen Praktiken einverstanden gewesen seien. Auffallend war das selektive Erinnerungsvermögen des Angeschuldigten. So konnte er für ihn günstige Momente gut aus dem Gedächtnis abrufen. Tauchten belastende Momente auf, war plötzlich alles vergessen.

Während sich die abwesende Staatsanwaltschaft mit der Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheides begnügte, verlangte die Verteidigung bei den Sexualdelikten erneut einen vollen Freispruch. Das Obergericht verzichtete im Einverständnis der Parteien auf eine öffentliche Urteilsberatung. Es wird den Entscheid demnächst schriftlich eröffnen.

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