Falsche Taktik?: «Ein Scheiss-Spiel» – Frust ist bei der Frauen-Nati nach Italien-Pleite riesig
Publiziert

Falsche Taktik?«Ein Scheiss-Spiel» – Frust ist bei der Frauen-Nati nach Italien-Pleite riesig

Mit 0:1 verlieren die Schweizer das kapitale Spiel um das direkte WM-Ticket gegen Italien. Coumba Sow bemängelt nach der Partie die Taktik – Coach Nils Nielsen hat aufgegeben. 

von
Nils Hänggi

War es ein Handspiel? Auf alle Fälle ein schöner Freistoss zum 0:1 aus Schweizer Sicht. 

SRF

Darum gehts

Viel hat nicht zusammengepasst für die Schweizer Frauen-Nati am Dienstagabend in Thun. Trotz Rekord-Kulisse, trotz toller Ausgangslage. Das Team von Coach Nils Nielsen hätte nur einen Punkt gegen Italien gebraucht, dann hätte die Schweiz bei zwei noch ausstehenden Partien die Tabellenspitze verteidigt – und so die allerbesten Chancen auf das direkte Ticket für die WM 2023 in Neuseeland und Australien gehabt. Doch die Schweizerinnen verloren mit 0:1. Das Fix-Ticket? In weite Ferne gerückt.

Das entscheidende Tor fiel in der 82. Minute durch Cristiana Girelli mittels eines Freistosses. Der Pfiff von Schiri Rebecca Welch war hart. Sandy Maendly wollte ihr Gesicht schützen, der Ball wurde ihr aus kurzer Distanz an den Arm geschossen. Nach der Partie meinte sie mit Tränen in den Augen: «Dieses blöde Hands ärgert mich sehr.» Für sie sei es kein Freistoss gewesen. Captain Lia Wälti war nach der Inspektion der TV-Bilder anderer Meinung, sie sagte: «Kann man pfeifen.» Die Schuld an der Pleite diesem Freistoss, resp. diesem Pfiff zu geben, das wäre ohnehin viel zu einfach.

Nils Nielsen zeigte sich nach der Pleite selbstkritisch. 

Nils Nielsen zeigte sich nach der Pleite selbstkritisch. 

Urs Lindt/freshfocus

Sow unzufrieden mit der Systemumstellung

Die Schweizerinnen spielten schlicht zu mutlos. Nur in den Anfangsminuten suchten sie die Führung. Je länger das Spiel ging, desto eher versuchten sie es mit der Bus-Taktik: Nur kein Tor kassieren! «Wir hätten viel mehr nach vorne machen müssen. Wir haben Italien am Schluss eingeladen, ein Tor zu machen», sagte so auch nach der Partie eine ernüchterte Ana-Maria Crnogorcevic. «Das war sicherlich nicht unser bestes Spiel.» Géraldine Reuteler resümierte bereits zur Pause im SRF: «Wir laufen uns vorne fast zu Tode.»

Dabei wollte die Schweiz eigentlich nach vorne spielen, mutig sein. Nielsen meinte vor der Partie, dass man erst in den letzten zehn Minuten die totale Defensive ausrufen wolle. In Wahrheit sah das am Dienstagabend ganz anders aus: Das Schweizer Team begann früh zu mauern. Und 15 Minuten vor Schluss brachte der Coach dann mit Julia Stierli eine fünfte Verteidigerin, Mittelfeld-Ass Coumba Sow musste runter.

«Nach der Systemumstellung gab es einen Bruch im Spiel. Bis zu diesem Wechsel spielten wir eigentlich gut», war eine emotionale Sow nach der Partie angefressen. «Die Zuordnung hat nicht mehr gestimmt.» Nielsen sah das anders. Der Trainer wollte durch die Auswechslungen mehr Druck von den Seiten erzeugen. Er meinte aber auch: «Ich stand nicht auf dem Platz, vielleicht kann das Coumba besser einschätzen.» 

«Wir haben keine Chance mehr»

Viel mehr wollte der Trainer nicht über dieses Thema sagen. Die Enttäuschung, sie war ihm anzusehen. «Mir tut die Niederlage besonders für die Spielerinnen sehr leid», so der 50-Jährige, der sich auch selbstkritisch zeigte: «Wir wollten nach vorne spielen. Aber einige Spielerinnen waren müde, das war das Problem.» Er habe vielleicht einfach zu spät gewechselt. Sein Fazit zur Partie? «Ein Scheiss-Spiel!» 

Und wahrlich sieht die Ausgangslage für die Schweiz nun – wie erwähnt – nicht gut aus. Wegen der Pleite rutscht die Nati auf den zweiten Platz ab. Heisst: Sie wird wohl eine Barrage überstehen müssen, will sie bei der WM 2023 in Australien und Neuseeland dabei sein. Das Erreichen von Platz eins liegt nicht mehr in den Händen der Schweizerinnen. Das weiss auch Nielsen: «Italien wird zu 100 Prozent diese Gruppe gewinnen. Wir haben keine Chance mehr.» Es sind die bitteren Schlussworte nach einem Abend, der eigentlich alle Voraussetzungen für ein Schweizer Fussballfest gehabt hätte.  

My 20 Minuten

Deine Meinung

19 Kommentare