Aktualisiert 05.11.2011 20:26

FARC-Anführer getötet«Ein Schlag für die Moral der FARC»

Der Chef der linksgerichteten kolumbianischen Rebellenorganisation (FARC), Alfonso Cano, ist bei einer Militäroperation getötet worden. Sein Tod ist ein grosser Erfolg für Präsident Juan Manuel Santos.

Alfonso Cano auf einer Aufnahme aus dem jahr 2000. Auf Cano war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Alfonso Cano auf einer Aufnahme aus dem jahr 2000. Auf Cano war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Der kolumbianischen Armee ist ein Schlag gegen die FARC gelungen: Der Anführer der linksgerichteten Rebellenorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens, Alfonso Cano, ist bei einem Militäreinsatz im Südwesten des Landes getötet worden.

Der 63-Jährige wurde am Freitag in der Nähe seines Bunkers in der Provinz Cauca erschossen. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos sprach vom «schwersten Schlag gegen diese Organisation in ihrer gesamten Geschichte».

«Ich habe eine Botschaft an jedes einzelne Mitglied dieser Organisation: Legt eure Waffen nieder,» sagte Santos in einer Fernsehrede. «Denn wenn ihr das nicht tut, werdet ihr, wie wir schon so oft gesagt und gezeigt haben, im Gefängnis oder im Grab landen.»

Canos Identität wurde nach Angaben der Regierung per Fingerabdruck bestätigt. Auf ihn war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Laut Sicherheitskräften hat das Militär eine Standardoperation ausgeführt - erst einen Bombenangriff, dann hätten Bodentruppen übernommen.

Drei weitere Rebellen getötet

Neben Cano wurden nach Angaben der Armee drei weitere Rebellen getötet. Zunächst war von vier weiteren Toten die Rede gewesen. Fünf Rebellen wurden gemäss Regierungsangaben festgenommen, etwa fünf weitere konnten fliehen.

Cano sei unbewaffnet gewesen, erklärte die Leiterin der Ermittlungsabteilung im Büro des Generalstaatsanwalts, Maritza Gonzalez. Der Rebellenführer hatte sich demnach nach dem Bombenangriff am Morgen zunächst den ganzen Tag lang versteckt.

Von einem Haus auf einer Lichtung, mehrere Hundert Meter von seinem Lager entfernt, sei Cano jedoch zu einem Bach gegangen und dabei von Soldaten gesichtet worden. Beim anschliessenden Gefecht sei er getötet worden. Ein kleine Gruppe von Leibwächtern Canos habe das Feuer mit Mörsern erwidert, erklärte der Chef der Luftwaffe, General Gabriel Rey. Dabei sei ein Soldat verwundet worden.

In Canos Bunker wurden mehrere Computer und USB-Sticks sowie eine grosse Menge an Bargeld in verschiedenen Währungen gefunden, wie Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón sagte.

Canos Leiche wurde in die Provinzhauptstadt Popayan gebracht, wo sich am Samstag Präsident Santos und die kolumbianische Militärführung einfanden.

Viele Führungsmitglieder schon tot

Cano war ein Intellektueller aus der Hauptstadt Bogotá und hatte das Kommando der FARC 2008 übernommen, nachdem ihr langjähriger Chef, FARC-Gründer Manuel Marulanda, mit 80 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben war. Bis dahin war Cano der Chefideologe der Rebellen gewesen.

Wenige Wochen vor Marulandas Tod war bereits sein Stellvertreter Raúl Reyes bei einem Angriff der kolumbianischen Armee auf ein FARC- Lager im Nachbarland Ecuador getötet worden. Aus Protest hatte Ecuador damals die diplomatischen Beziehungen abgebrochen.

Mit der Tötung von FARC-Militärchef Jorge Briceño Suarez war der kolumbianischen Armee im September 2010 ein weiterer Schlag gegen die zuletzt geschwächte FARC gelungen.

Noch 9000 Mitglieder

Canos Tod bedeutet laut Experten aber noch lange nicht das Ende der kommunistisch ausgerichteten Gruppe, die seit fast 50 Jahren einen Guerillakrieg führt. Die Bewegung, die sich vorwiegend durch Drogenhandel finanziert, besteht aus schätzungsweise 9000 Bauern aus entlegenen Gebieten. Diese haben in Kolumbien, wo der Landbesitz in den Händen einiger weniger ist, kaum Chancen.

Immer wieder nimmt die FARC Geiseln. Prominenteste Geisel war die Politikerin Ingrid Betancourt. Die Franko-Kolumbianerin war 2002 entführt und Mitte 2008 nach sechseinhalb Jahren freigelassen worden.

«Es muss natürlich ganz klar gesagt werden: Das ist ein Schlag für die Moral der FARC», sagte Victor Ricardo, der zwischen 1998 und 2002 für die kolumbianische Regierung letztlich erfolglose Friedensverhandlungen mit den Rebellen führte.

Es solle aber niemand glauben, dass Canos Tod das Ende der FARC sei. Die Bewegung habe eine disziplinierte militärische Hierarchie, Nachfolger warteten schon. Ricardo sagte, der nächste FARC-Anführer könnte Ivan Marquez oder Timochenko vom FARC-Sekretariat sein. (sda)

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