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Prügel-PolizistEin Schlag ins Gesicht des Rechtsstaates

Das Bild machte in Deutschland die Runde: Die gefesselte Teresa Z. war bei einer Verhaftung von einem Beamten schwer verletzt worden. Nun klärte ein Gericht, ob der Polizist angemessen reagierte.

von
phi
Teresa Z. im Januar 2013.

Teresa Z. im Januar 2013.

Das Drama beginnt am 20. Januar in München. Teresa Z. und ihr Freund geraten nach einer durchzechten Nacht an einer Bushaltestelle aneinander. Der Streit ist so heftig, dass die Frau die Polizei ruft. Der Einsatz endet auf der Wache: Die 23-Jährige wird von einem Beamten derart heftig ins Gesicht geschlagen, dass Nasenbein und rechter Augenhöhlenboden brechen. Ein Notarzt muss gerufen werden: Das Auge ist heute noch nicht verheilt.

Beamte wurde angespuckt

So weit die Fakten eines Falls, der in Deutschland für Empörung gesorgt hat, nachdem ein Foto der Verhafteten nach ihrer Operation öffentlich geworden war: Das drastische Bild fand grosses mediales Echo, die Facebook-Gruppe «Solidarität mit Teresa Z.» wurde ins Leben gerufen. Die Betroffene erstattete Anzeige gegen ihren Peiniger. Am Dienstag musste das Amtsgericht München entscheiden, ob Polizist Frank W. zu weit gegangen war.

Laut W. und seinen Kollegen wollten die Polizisten das streitende Paar mit auf Wache nehmen, um Aussagen aufzunehmen. Während der Fahrt habe Teresa Z. gesagt, sie stehe unter Ecstasy und Speed. Sie habe mit Selbstmord gedroht und sei aggressiv geworden. Die Beamten fesselten ihre Hände hinter dem Rücken. Auf der Wache sass sie umringt von einigen Polizisten in einer Zelle auf einer Pritsche und spuckte Frank W. an, kurz bevor er zuschlug.

Der 33-Jährige sagte vor Gericht, er habe in Notwehr gehandelt, berichtet der «Spiegel»: Er dachte demnach, Teresa W. habe hochschnellen und ihm eine Kopfnuss geben wollen. Die so Beschuldigte schilderte die Festnahme anders. Sie sei bloss ein wenig bekifft gewesen und habe sich auf der Wache von den Männern bedrängt gefühlt: «Ich habe keine Luft bekommen und war total in Panik.» In Richtung des Ordnungshüters ergänzte sie: «Ich habe die ganze Zeit geschrien und geweint. Ich wollte nur, dass sie mich loslassen.»

Sachverständiger belastete Angeklagten

Den Ausschlag für das Urteil gab der Bericht des Sachverständigen vom Institut für Rechtsmedizin. Als Jiri Adamec konstatierte, dass die junge Frau sehr wohl mit verbundenen Händen hätte hochschnellen und angreifen können, wähnte sich der Angeklagte wohl schon auf der Siegerstrasse. Doch dann belastete der Sachverständige den Polizisten schwer. «Bei einer Abwehr würde man nicht einen Faustschlag erwarten, sondern eher einen Kontakt mit der flachen Hand.»

Ausserdem sei rohe Gewalt im Spiel gewesen. «Der Schlag muss intensiv gewesen sein», zitiert die «Süddeutsche Zeitung» Adamec. Das Gericht sah das genau so und folgte im Strafmass der Forderung des Staatsanwalts: W. wurde wegen Köperverletzung im Amt zu zehn Monaten Haft bedingt und 3000 Euro Geldstrafe verurteilt. Wenn das Urteil rechtskräftig ist, blüht dem Mann zusätzlich ein Disziplinarverfahren. Der Rechtsanwalt von Z kündigte ausserdem zivilrechtliche Schritte gegen den Sachsen an.

«Stern TV» berichtete im Februar über den Fall. Quelle: YouTube/xxmanpower power

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