Dialäggt, aber richtig: «Ein schlechter Zeedel wird nicht vorgelesen»
Aktualisiert

Dialäggt, aber richtig«Ein schlechter Zeedel wird nicht vorgelesen»

An der Fasnacht steht der Dialäggt im Zentrum. Für gute Reime und korrektes Baseldytsch holen sich Zeedeldichter und Bänggler Hilfe vom Dialekt-Experten.

von
Lukas Hausendorf
Werner Lukas hilft Fasnächtlern beim Zeedeldichten.

Werner Lukas hilft Fasnächtlern beim Zeedeldichten.

Pascale Labhart musste zum ersten Mal den Zeedel für ihre Clique Räppli schreiben. Auf Baseldytsch, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Da hörte sie aber von den ungeschriebenen Gesetzen und stiess auf den Dialekt-Experten Werner Lukas. Der 67-jährige Germanist bietet bis am 18. Februar jeden Samstagnachmittag kostenlose Beratung im Reimen und Schreiben auf Baseldeutsch an. «Schlechte Zeedel werden an der Fasnacht nicht vorgelesen», weiss er. Ein guter Inhalt alleine reicht aber nicht, auch das Versmass zählt. Und vor allem der Dialekt. «Die Regel lautet: Es wird geschrieben, wie es gesagt wird», so Lukas. Das alte Baseldeutsch, wie es von praktisch niemandem mehr gesprochen wird, soll man gar nicht erst versuchen zu imitieren. «Viele glauben aber, sie müssten schreiben wie der Stadtpoet Blasius. Das ist Blödsinn», sagt Lukas.

Labhart hat diesen Fehler bei ihrem ersten Zeedel nicht begangen. «Auf den ersten Blick sehr gut», befindet Lukas. Dann nimmt er mit ihr jede Silbe unter die Lupe. Nur eine Stunde später erhält der Zeedel das Prädikat «oberklassig». «Und ich fürchtete eine vernichtende Kritik», freut sich die Neo-Dichterin.

www.basel-deutsch.ch

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