Aktualisiert 24.05.2007 09:06

Ein Schrumpfkopf fürs Museum

Der britische Künstler Ted Dewan hat einem Museum in Oxford ein ungewöhnliches Angebot gemacht: Seinen Kopf. Nach seinem Tod soll das gute Stück präpariert und ausgestellt werden.

Das Pitt-Rivers-Museum in der britischen Universitätsstadt Oxford musste ein heikles Angebot prüfen: Der Künstler Ted Dewan offerierte dem Museum seinen Kopf - als Schrumpfkopf. Dies berichtet BBC News.

Dewan möchte, dass sein Haupt dereinst in die museumseigene Sammlung von derzeit zehn Schrumpfköpfen aus dem Amazonasgebiet aufgenommen wird. Zu diesem Zweck wäre der Künstler bereit, die Klausel in sein Testament einzufügen, dass sein Kopf nach seinem Ableben als Schrumpfkopf präpariert und ausgestellt wird.

Auch die Art und Weise, wie der Kopf gezeigt werden soll, will Dewan in seinem Testament festlegen. Er hoffe, dies werde auf «familienfreundliche» Weise geschehen, meinte der Künstler, der auch so viel Geld hinterlassen will, dass für die Präparation und den Unterhalt seines Kopfes gesorgt ist.

Das Museum hat Dewans Ansinnen abgelehnt. «Wir hoffen aber, Mr. Dewan auch weiterhin gesund und wohlauf im Pitt Rivers zu sehen», teilte die Museumsleitung mit.

Zurück an den Amazonas?

Die Zurschaustellung von menschlichen Überresten in Museen wird auch in Grossbritannien zunehmend kontrovers diskutiert. Einer der Vorwürfe lautet, es fehle an Respekt für die Naturvölker, aus deren Gebieten viele der Ausstellungsobjekte stammen.

Das Pitt-Rivers-Museum sieht sich mit der Forderung konfrontiert, die Schrumpfkopf-Sammlung in das Amazonasgebiet zurückzuschicken, damit die Köpfe dort begraben werden können.

Dewan ist der Meinung, eine Rückgabe der Sammlung würde bedeuten, dass das Museum seine «ehrfurchtgebietendste Kollektion von Artefakten» verlöre.

Aus diesem Grund bietet er seinen Kopf als Ersatz an.

dhr

Schrumpfkopf

Die Herstellung von Schrumpfköpfen war früher bei verschiedenen Völkern - vor allem in Südamerika - verbreitet. Die etwa faustgrosse Trophäe wurde aus dem abgetrennten Haupt eines Feindes gefertigt, wobei die Schädelknochen entfernt und die Haut mitsamt den Haaren gekocht wurde. Die Hülle wurde dann mit heissen Steinen und Sand oder mit heisser Asche gefüllt, worauf sie schrumpfte und mumifizierte. Schliesslich wurden die Gesichtszüge nachgestaltet und der Mund vernäht.

Der spirituelle Hintergrund der Kopfjagd lag im Glauben, dass der Getötete dem Besitzer des Kopfes dienen musste bzw. seine Lebenskraft auf diesen überging.

Quelle: Wikipedia.org

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