Konkurrenz für Bushido: Ein Schwamm wischt den Deutsch-Rap auf
Aktualisiert

Konkurrenz für BushidoEin Schwamm wischt den Deutsch-Rap auf

Er bedient sich schamlos bei einem Zeichentrickfilm, schreibt mehr als halbstündige Schmähsongs und hat Bushidos Chart-Platzierung im Visier: Schwamm-Rapper SpongeBozz.

von
shy

Die neue Bushido-Platte «Black Friday» ist auf Platz eins der Schweizer Charts eingestiegen. Nicht weiter verwunderlich. Dass er dabei den Atem eines anderen Deutsch-Rappers im Nacken spürt, allerdings schon.

Auf dem dritten Rang – nur getrennt durch Helene Fischers aktuelles, selbstbetiteltes Folterwerkzeug – lauert ein Typ, der sich ein Schwammkostüm übergestreift hat und unter dem mit einer Anspielung auf einen anderen deutschen Gangsta-Rapper aufgeladenen Namen SpongeBozz auftritt.

Wir stellen den Hip-Hop-Hype vor.

Er hiess nicht immer so

SpongeBozz ist laut HipHop.de erst seit 2013 das Pseudonym des Osnabrückers Dimitri Chpakov (28), bürgerlicher Name des Rappers. Zuvor kannte man ihn als Sun Diego, der einige bedeutende Rap-Battles für sich entschied und an Kollegahs 2011er-Album «Bossaura» mitwerkelte, wo er den in der Szene umstrittenen Auto-Tune-Effekt einführte.

Kollegah liess danach von diesem Stilmittel ab, Diego blieb dabei, und irgendwann in dieser Zeit haben sich die beiden zerstritten, aber Beef gehört ja zum guten Ton im Gangsta-Genre. Der Name SpongeBozz dürfte derweil eine Anspielung auf Kollegah sein, den selbsternannten Boss-Rapper.

So klang und sah SpongeBozz als Sun Diego aus. (Video: Youtube/Sun Diego Soldiers)

Er zitiert aus der Vorlage

Seit Sun-Diego-Zeiten hat SpongeBozz das Auto-Tuning ein bisschen zurückgefahren, textlich bleibt es beim im Genre gängigen Mix aus Drogen kochen/nehmen/verkaufen, rumprügeln/-ballern und die Mütter anderer Rapper verunglimpfen.

Sein aktueller Künstlername erlaubt es Chpakov aber auch, aus der Cartoon-Vorlage «SpongeBob SquarePants» zu schöpfen: Sein Label heisst Bikini Bottom Mafia, das wegen seiner derben Texte in Deutschland verbotene Debütalbum «Planktonweed Tape» spielt auf eine der Figuren an, sein Featuring-Partner Patrick Bang ebenfalls (und zudem auf Farid Bang), die neue Platte heisst «Started from the Bottom/KrabbenKoke Tape». Die Anwälte von Nickelodeon dürften schon länger in den Startlöchern scharren.

Hier tritt auch Patrick Bang auf, eine bewaffnete und aufgepumpte Version von Patrick Star aus «SpongeBob». (Quelle: Youtube/SpongeBozzTV)

Er hat den längsten

Also Disstrack. Womöglich. Jedenfalls dauerte seine 2014er-Schmähtirade gegen (unter anderem) Rivale Gio fast 35 Minuten.

Der Diss in voller Länge. Wie für alle SpongeBozz-Tacks gilt: Das ist nichts für verbal sensitive Gemüter. (Quelle: Youtube/JuliensBlogBattle)

Er legt sich mit jedem an

Bislang haben wir Beef mit Kollegah und Gio erwähnt. Die Liste liesse sich wohl mit allen anderen Interpreten des Genres erweitern; denn nur schon im über 18-minütigen Track «Apocalyptic Infinity» auf seinem neuen Album legt sich SpongeBozz mit den 257ers, ApoRed, Fler, Genetikk, Joka, Karate Andi, Kay One, MoTrip, Seyed, Toony und Vegas an. Wie viele von den Hahnenkämpfen tatsächlich welche sind und was davon verkrampfte PR, sei derweil dahingestellt.

Er kennt weder Punkt noch Komma

Doubletime-Raps (also sehr schnelle Parts) gehören zu seinem Standard-Repertoire, sich kurz zu fassen allerdings nicht. Zum erwähnten «Apocalyptic Infinity» kommt auf der frischen Platte der 9-minütige Opener und Titeltrack «Started from the Bottom» sowie 29 weitere Nummern, die zusammen eine Laufzeit von knapp zwei Stunden haben. Optimisten würden wohl das Preis-Leistungs-Verhältnis loben, Realisten aber dürfte schon nach einer Stunde der Kopf rauchen.

Die ersten zwei Albumtracks. (Quelle: Youtube/SpongeBozzTV)

«Started From The Bottom / KrabbenKoke Tape» (Bikini Bottom Mafia) ist jetzt erhältlich.

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