DJ Ötzi: Ein schwarzer Tag für die Schweizer Hitparade
Aktualisiert

DJ ÖtziEin schwarzer Tag für die Schweizer Hitparade

Das hat vor ihm noch keiner geschafft: DJ Ötzi ist seit 100 Wochen ununterbrochen in der Schweizer Hitparade. Ein neuer Rekord, der bei unserem Autor vor allem eine Frage aufwirft: In was für einem Land leben wir eigentlich?

von
Oliver Baroni

«Die Deutschen haben einen Festzelt-Schlager auf die Nummer Eins der Hitparade gehievt», schrieb 20 Minuten Online im Frühjahr 2007 irritiert, als der Schunkelsong «Ein Stern(der deinen Namen trägt)» bei unseren Nachbarn im Norden erstmals die Pole Position eroberte. Zu diesem Zeitpunkt führte Jennifer Lopez die Schweizer Charts an - auch nicht gerade ein musikalischer Überflieger, aber immerhin englisch unverdächtig. Doch die Schonzeit für die Schweiz währte nicht lange – nur wenige Wochen danach wurde der «Stern» auch hierzulande Dauergast in den Top Ten.

Zwar schaffte es Gerhard Friedle alias DJ Ötzi nie auf Platz 1 der Schweizer Hitparade (der Peak war die 2), doch nun ist es offiziell: Sage und schreibe 100 Wochen ist es her, seit DJ Ötzis Après-Ski-Hit in die Charts einstieg. 2007 wurde er Jahres-Bestseller und erreichte auch ein Jahr später immer noch die Top Ten der Jahreswertung. Damit steht DJ Ötzis Song an der Spitze der «ewigen Bestenliste» vor Baschis «Bring en hei» und James Blunts «You're Beautiful».

Und Gerhard Friedles Erfolg gelang im Geheimen. In einer elektronischen Umfrage im grösseren Bekanntenkreis hat sich jedenfalls keiner als «Ein Stern»-CD-Käufer oder -Besitzer geoutet. Antworten wie «Der Tiroler Festhüttenprediger mit Intimrasur im Gesicht kommt mir nicht in die Sammlung!» waren dagegen die Regel.

Heimlich oder unheimlich hat sich die Schweizer CD-Käuferschaft damit wohl als eine der geschmacksresistentesten der Welt erwiesen. Oder doch nicht ganz? Diese Woche feiert auch Amy Winehouse 100 Wochen in den Schweizer Charts. In der ewigen Bestenliste der Alben liegt sie mit «Back to Black» auf Platz 3. Und bis zu den 132 Hitparaden-Wochen von Norah Jones für «Come Away With Me» ists immer noch mehr als ein halbes Jahr hin. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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