Olympia Splitter: Ein Schweizer Novum und blinde Kampfrichter in Peking?
Aktualisiert

Olympia SplitterEin Schweizer Novum und blinde Kampfrichter in Peking?

Aschenbecher statt Brillengläser bei den Kampfrichtern und ein im Sand gefundener Ehering einer Beachvolleyballerin sorgen in Peking für Aufregung. Gleichzeitig schafft der Schweizer Nino Schurter ein Novum bei Olympia.

Premiere für die Rätoromanen

Mountainbiker Nino Schurter gilt gewissermassen als Pionier. Der in der Surselva aufgewachsene U23-Weltmeister spricht neben deutsch selbstredend auch rätoromanisch. Gemäss Swiss Olympic ist der Cross-Country-Fahrer der erste Sportler überhaupt, der die Bündner Sprachminderheit an Olympischen Sommerspielen (am 23. August) vertritt.

Bryant bei Kuhn/Schwer

Die Beachvolleyballerinnen Simone Kuhn und Lea Schwer hatten bei ihrem Zweitrundenspiel äusserst prominenten Besuch. US- Basketball-Star Kobe Bryant stattete am Montag unter riesigem Medienrummel dem Chaoyang Park einen Besuch ab und sah die Partie der Olympiasieger von 2004, Ricardo/Emanuel sowie einen Satz von Kuhn/Schwer gegen die Norwegerinnen Glesnes/Maaseide.

Spitzfindige Werbung

Die US-Weltmeister Todd Rogers/Phil Dalhausser verpassten Sascha Heyer und Patrick Heuscher nicht nur eine Lektion im Sand, sondern auch in Sachen Werbung. Weil die Feuchtigkeit die Brillen derart beschlagen haben soll, entfernten die Amerikaner die Gläser und trugen nur die leeren Gestelle auf der Nase. Der Effekt: Unzählige TV-Nahaufnahmen, auf denen das Logo des prominenten Sponsors (Oakley) allzu gut zu erkennen war.

Findiger Helfer

Die unzähligen fleissigen Helfer haben schon manchem Medienschaffenden oder Sportler aus der Patsche geholfen. Bislang unübertroffen ist aber die Tat von Volunteer Song Zhendong (22), der im feinen Sand des Chaoyang Parks den Ehering von Beachvolleyballerin Kerri Walsh fand. Die Olympiasiegerin hatte das wertvolle Schmuckstück im Auftaktspiel verloren, Song fand es mit Hilfe eines Metalldetektors.

Biedere Deutsche

Die deutschen «Fische» strandeten im «Water Cube» fast jeden Tag. Im Rampenlicht stehen die DSV-Sportler deshalb nicht mehr gross. Paul Biedermann, immerhin Fünfter im 200-Crawl-Final, bedankte sich nach dem Rennen gar beim ZDF: «Schön, dass ihr auf mich gewartet habt.»

Zu viel Platz

Vor Beginn der Olympischen Spiele hatten die Organisatoren (BOCOG) immer wieder berichtet, die meisten Wettkämpfe seien ausverkauft. Schon nach drei Tagen kehrte Ernüchterung (und schnelle Einsicht) ein. Die leeren Plätze im Kamerabereich werden ab sofort mit kreischenden und klatschenden Volunteers in gelben T- Shirts gefüllt. «Der Grund für die verlassenen Sitze sind vor allem die Wetterbedingungen», sagte BOCOG-Vizepräsident Wang Wei. «Nach der Hitze des ersten Tages haben die Regenfälle viele Zuschauer abgeschreckt.

Wasser oder Ski

Im Schwimmen gewinnt Österreich nicht jeden Tag eine Medaille. Mirna Jukic, einer gebürtigen Kroatin, gelang über 100 m Brust der Bronze-Coup. Das warf Fragen auf. «Ich lebe jetzt seit neun Jahren in Österreich. Von Skifahren hatte ich aber nie eine Ahnung», konterte die Brünette. «Deshalb ist es wohl besser, dass ich schwimme.»

Aschenbecher im Gesicht

Die österreichische Judoka Claudia Heill schied in der Klasse bis 63 kg in der 2. Runde aus, weil sie gegen Weltmeisterin Driulis Gonzalez (Kuba) 14 Sekunden vor Schluss mit einer umstrittenen Wertung wegen Inaktivität bestraft wurde. Dafür hatte die Olympia-Zweite von Athen eine bemerkenswerte Erklärung. «Ich ärgere mich nicht. Da sind zwei lateinamerikanische Kampfrichter auf der Matte, die Brillengläser haben, die sind so dick wie Aschenbecher.»

Fussstapfen-Feuerwerk getürkt

Das BOCOG gab am Dienstag zu, dass Teile des Feuerwerks der Eröffnungsfeier nicht live gezündet wurden. Damit bestätigte das Organisationskomitee den Bericht einer chinesischen Zeitung, wonach die «Fussstapfen» in einer aufwändigen TV-Inszenierung vorproduziert waren.

Gas geben und Öl einfüllen

Wenn chinesische Sportler in olympischen Wettkämpfen engagiert sind, werden sie von der einen Hälfte des Publikums -für europäische Ohren ungewohnt - immer mit dem selben Schlachtruf «jia you» (frei übersetzt «auf geht?s») unterstützt. Im Chinesischen steht das Wort für «gib Gas», jedes Schriftzeichen einzeln übersetzt heisst «füll mehr Öl hinein». Die andere Seite der Halle oder des Stadions schreit jeweils «zhongguo» (Reich der Mitte) zurück.

Kolumnist mit Insider-(Profibox-)Wissen

Leland Stein III war sieben Jahre lang ein enger Mitarbeiter des legendären amerikanischen Profibox-Promoters Don King. Stein ist an den Olympischen Spielen als Kolumnist engagiert (u.a. The Michigan Chronicle). Der dunkelhäutige Amerikaner Stein III hat nicht nur zahlreiche Anektdoten aus seiner Zeit mit King auf Lager. Er bricht auch eine Lanze für seinen ehemaligen Chef: «Ich habe mich von King nie ungerecht behandelt gefühlt. Er hielt seine Versprechen stets ein. Und alle Boxer, die unter King kämpften, füllten ihre Brieftaschen mehr als sie dies bei anderen Promotoren getan hätten», sagte Stein.

Kalich-Nachfolger Mazzoni wird am 11. September vorgestellt

Der nächste Schweizer Fecht-Nationaltrainer Angelo Mazzoni wird zusammen mit seinem Assistenten Giovanni Muzio am 11. September im Haus des Sports in Bern den Medien vorgestellt. Mazzoni, der am Sonntag als italienischer Nationaltrainer den Olympia-Sieg von Degenfechter Matteo Tagliariol mitfeiern durfte und am 15. August mit den Italienern noch im Teamwettbewerb verantwortlich zeichnet, tritt die Nachfolge des abbtretenden Rolf Kalich an. (si)

Deine Meinung