Der Football-Mega-Event : Ein Senior, eine Schiedsrichterin und 22’000 Zuschauer im Superbowl-Fokus
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Der Football-Mega-Event Ein Senior, eine Schiedsrichterin und 22’000 Zuschauer im Superbowl-Fokus

Es ist der Event für alle Foootball-Fans: Am Sonntag steigt Superbowl 55 in Tampa, Florida. Wir präsentieren die wichtigsten Fakten.

Die Regeln des American Football leicht erklärt.

Video: 20 Minuten/Explain it

Darum gehts

  • Superbowl 55 zwischen Tampa Bay Buccaneers und Kansas City Chiefs steht am Sonntag an.

  • Es ist ein Duell der Generationen – zumindest bei den Quarterbacks.

  • Trotz Corona wird es Zuschauer im Stadion haben.

  • Eine Frau spielt in diesem Männersport eine wichtige Rolle.

  • Wir präsentieren die wichtigsten Fakten zum Superbowl 55 im Listicle.

Premiere nach 55 Jahren

Das hat es in 55 Jahren noch nie gegeben: Ein Team spielt den Superbowl in der Heim-Arena. Der Austragungsort vom Superbowl 55 ist das Raymond James Stadium in Tampa. «Immer, wenn du etwas als Erster machen kannst, ist das normalerweise etwas Cooles», sagte Tampa-Quarterback Tom Brady dazu. Der 43-Jährige hatte erst diese Saison – nach 20 Jahren bei den New England Patriots – zu den Buccaneers gewechselt und das Team sogleich in den ersten Final seit 2003 geführt. Damals sicherte sich Tampa die erste Championship.

Aber keine Kanonen

Die Kanonen im Raymond James Stadium von Tampa müssen am Sonntag teilweise still bleiben. Denn die Arena wird als neutraler Austragungsort behandelt werden. Das geht aus einem Bericht auf der NFL-Homepage hervor. Die Kanonen auf dem Piratenschiff im Stadion dürfen also nicht wie üblich nach Touchdowns donnern. Bei der Teamvorstellung hingegen schon – und im Fall eines Sieges gegen die Kansas City Chiefs auch nach dem Spiel.

Der grösste Altersunterschied

Tampa Bays Tom Brady ist 43, sein Gegenstück von den Chiefs, Patrick Mahomes, ist 25. Der Altersunterschied zwischen den beiden Quarterbacks beträgt genau 18 Jahre und 45 Tage. So eine grosse Spanne zwischen zwei Spielführern gab es zuvor in Superbowls nie. Und noch ein extremer Fakt: Mahomes war gerade im Kindergarten, als Brady seinen ersten Ring holte.

Rekordmann Brady

Tom Brady ist einmalig. Niemand in der NFL hat je sieben Superbowls gewonnen – er ist eine Partie davon entfernt. Schon jetzt hat er sechs Meisterringe und damit mehr als jeder andere in der Geschichte der National Football League. Zehn Teilnahmen am wichtigsten Football-Spiel der Welt? Hat auch nur er. Brady ist ebenso der älteste Quarterback, der je das Endspiel gewonnen hat und kann nun mit 43 Jahren, als Spielmacher der Tampa Bay Buccaneers, seinen eigenen Rekord ausbauen.

Tom Brady ist der Rekordmann der NFL schlechthin. 

Tom Brady ist der Rekordmann der NFL schlechthin.

Foto: AFP

US-Medien erlauben sich alle möglichen Spielereien mit Bradys Karriere-Ausbeute. ESPN etwa rechnete vor, dass er an 18 Prozent aller Superbowls beteiligt war. Ignorierte man zudem sein erstes Jahr als NFL-Profi, als er noch Ersatz war, und die verletzungsbedingt verpasste Saison 2008, habe er mehr als die Hälfte aller Endspiele zu seiner aktiven Zeit erreicht. «Vor 20 Jahren sass ich nicht da und habe gedacht, ich sitze hier mit 43 und spiele Football. Das wäre gelogen», erzählte Brady zu Wochenbeginn.

Erste Schiedsrichterin

Noch eine Premiere: Sarah Thomas ist die erste Schiedsrichterin in der NFL-Geschichte, die im Endspiel zum Einsatz kommt. Sie ist zum Ende ihrer sechsten NFL-Saison eine der insgesamt sieben Unparteiischen. Die 47-Jährige wird die Aufgabe als «Down Judge» übernehmen und ist damit beispielsweise dafür verantwortlich, Abseitspositionen zu erkennen. «Wenn ich an die Strahlkraft denke, nicht nur für meine Tochter, auch für junge Mädchen überall ... das ist einfach bemerkenswert. Ich fühle mich überwältigt und geehrt, ein Teil der diesjährigen Super-Bowl-Crew zu sein», sagt Thomas. Hauptschiedsrichter ist Carl Cheffers.

Trotz Corona 22’000 Zuschauer

Noch vor einem Jahr war ein nicht bis auf den letzten Platz gefülltes Stadion beim NFL-Final völlig undenkbar. Noch weniger bei einem so packenden Duell wie dem von NFL-Legende Tom Brady auf der einen und Patrick Mahomes auf der anderen Seite. Und nun? Freut sich die NFL zum Ende einer schwierigen Saison über ein zu einem Drittel gefülltes Raymond James Stadium und 22’000 Menschen auf der Tribüne. Denn die Corona-Pandemie wütet in den USA noch immer mit voller Wucht und 22’000 Zuschauer beim wichtigsten Football-Spiel der Saison sind dabei ein bemerkenswertes Zeichen.

Für die NFL sind die Zuschauer auch ein Zeichen, dass sie trotz aller Kritik einiges geschafft hat in dieser Spielzeit. Ja, 69 Spieler haben nach Angaben der Gewerkschaft NFLPA freiwillig auf die Saison verzichtet. Ja, mehr als 260 Spieler haben sich seit dem 1. August mit dem Virus infiziert. Und ja, die Denver Broncos mussten einmal sogar ohne richtigen Quarterback auflaufen, weil keiner der Spielmacher im Kader einsatzfähig war. Nun aber, trotz aller Schwierigkeiten, am Ziel angekommen zu sein, wertet die NFL als Erfolg. «Wir haben keine Beweise gesehen für Übertragungen auf dem Feld bei NFL-Spielen oder Trainings», berichtete NFL-Chefmediziner Dr. Allen Sills vor kurzem.

7500 der 22’000 Zuschauer werden Menschen aus dem amerikanischen Gesundheitswesen sein, die die NFL zu dem Spiel eingeladen hat. «Diese engagierten Arbeiter aus dem Gesundheitswesen setzen weiterhin ihr eigenes Leben aufs Spiel, um anderen zu helfen, und wir schulden ihnen unsere anhaltende Dankbarkeit», sagte NFL-Boss Roger Goodell. Jeder Fan im Stadion soll eine KN95-Maske bekommen.

Halbzeitshow – ohne «Nipplegate»

Wer es als Künstler in die Halbzeitshow schafft, hat eigentlich alles erreicht. Mehr Menschen als bei der kurzen Show werden ihnen vermutlich niemals wieder zuschauen. Jedes Jahr sind es um die 100 Millionen alleine in den USA – und die Einschaltquote kann im Vergleich mit dem eigentlichen Spiel dabei sogar noch ansteigen. Dieses Jahr wird der kanadische Superstar-Sänger The Weeknd («Blinding Lights») auftreten, der als Musik-Avantgardist die US-Industrie in den vergangenen Jahren massgeblich mitprägte.

In der Halbzeit auf einer der grössten Bühnen der Welt zu stehen, ist dabei nicht nur riesige Ehre und weiterer Karriereschub, sondern kann auch im Eklat enden, was Justin Timberlake 2004 erlebte. Der Sänger riss damals am Oberteil von Duett-Partnerin Janet Jackson und entblösste dabei ihre Brust. Das konservative Amerika schäumte wochenlang über das «Nipplegate». Der scheinbar geplante Zwischenfall wurde später als «Fehler in der Garderobe» dargestellt.

Eine Dichterin beim Football

Eine Dichterin bei der Superbowl? Mag sich anhören wie Debattierclub im Bierzelt, wird aber mit Amanda Gorman Wirklichkeit: Die – seit der Amtseinführung Bidens – Frau der Stunde wird laut der NFL vor dem Spielstart ein Gedicht vortragen, in dem es um die herausragenden Leistungen der «essenziellen Arbeiter» in der Pandemie gehen soll. Gorman war der heimliche Star bei der Amtseinführung vor wenigen Tagen. Mit einem Gedicht, in dem sie ihre eigene Lebensgeschichte mit der harten sozialen Realität Amerikas verwebte, sorgte die erst 22-jährige Poetin in Washington für den wohl aufsehenerregendsten Auftritt. (dpa)

Coca-Cola und Pepsi verzichten auf Werbung

Normalerweise lassen sich die grössten Unternehmen ihre eigens für den Event produzierten Reklamen Millionen kosten – nicht zuletzt müssen sie schon für 30 Sekunden Sendezeit über fünf Millionen Dollar hinlegen. Doch für den 55. Football-Final haben eine Reihe von Konzernen angekündigt, keine Spots ins Rennen zu schicken.

Unter ihnen ist neben Coca-Cola und Pepsi auch der Bierhersteller Budweiser, der das Geld eigenen Angaben zufolge lieber für Aufklärung zur Covid-19-Impfkampagne ausgeben will. Das Unternehmen kündigte den Schritt passenderweise in einem eigenen Werbevideo an, das die Widerstandsfähigkeit der USA in der Pandemie preist.

(dpa/hua)

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