Tom Lüthi: «Ein Sieg ist auch aus der dritten Reihe möglich»
Aktualisiert

Tom Lüthi«Ein Sieg ist auch aus der dritten Reihe möglich»

Tom Lüthi startet «nur» aus der dritten Reihe zum GP von Tschechien. Er ist aber der Meinung, ein Sieg sei trotzdem möglich.

von
Klaus Zaugg
Brünn

«Chattering» heisst das hässliche Wort. Eine deutsche Übersetzung gibt es eigentlich nicht. Am nächsten käme wohl der Mundartausdruck «tschättern». «Chattering» bedeutet, dass ein Bike zu vibrieren beginnt und im schlimmsten Falle fast unfahrbar wird. Diese Vibrationen beginnen irgendwo, manchmal wegen des Vorderradreifens, und breiten sich in der Maschine aus wie die Wellen wenn man einen Stein ins Wasser wirft. «Chattering» kostete Tom Lüthi einen Platz in der ersten Reihe. Nach drei freien Trainings stand er noch auf dem 2. Rang. Im Qualifikationstraining reicht es lediglich für einen Platz in der dritten Reihe (8.). «Ich habe alles riskiert. Aber es ging unter diesen Umständen einfach nicht schneller.»

Das Selbstvertrauen hat Tom Lüthi deswegen nicht verloren. Er sagt gegenüber 20 Minuten: «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Ursache für das Chattering herausfinden. Ein Sieg ist mit einem guten Start auch aus der dritten Reihe möglich». Lange Gespräche mit den Teamtechnikern sind angersagt. Zur Medienkonferenz kam er deshalb noch in der Arbeitskleidung (Lederkombi) und war weder gedsucht noch gebürstet und gekämmt. Nachher ging es gleich wieder in die Box.

Aegerter will gleich angreifen

Hinter ihm in der vierten Reihe startet Dominique Aegerter. Der beste Starter im Feld. Auf die Frage von 20 Minuten, ob er bereits nach der ersten Kurve vor Tom Lüthi fahren werde, wagt er nicht gleich eine Antwort. Er betrachtet die Startaufstellung und sagt schliesslich im Scherz: «Ja, natürlich.» Relativiert aber sofort: «Ich will einfach einen guten Start und einen Platz in den Top 5.» Warum denn so bescheiden? Warum ist das Ziel nicht eine Klassierung auf dem Podest? «Wenn ich sage Top 5, dann ist ja das Podest inbegriffen.» Aha. «Chattering» plagte Dominique Aegerter übrigens nicht. Oder er ignorierte die Vibrationen: «Das gehört doch auf einer Strecke wie Brünn dazu. Chattering bringt man nie ganz weg. Es geht einfach darum, bei der Abstimmung einen Kompromiss zu finden.•

Dominique Aegerters Platz in der vierten Reihe (10.) ist letztlich «courant normale». In der Regel kompensiert er seine relativ schwachen Trainingsleistungen gleich mit einem Blitzstart und er fährt im Rennen sowieso schneller als im Training. Wenn beide gut zum Rennen starten, dann ist vielleicht doch noch das erste Gipfeltreffen, ein Direktduell der beiden Schweizer um einen Podestplatz möglich. Wenn nicht, ist es dann halt so etwas wie ein «Nachsitzen» und ein Kampf um die besten Plätze hinter dem Podest. Oder um es in Zeiten des Eidgenössischen im Bernbiet vaterländisch zu sagen: Es wird darum gehen, wer im Moto2-Rennen hier in Brünn hinter den Kränzen der beste Schweiz sein wird.

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