Energie in Zukunft: Ein Sparpotenzial von bis zu sechs Kraftwerken
Aktualisiert

Energie in ZukunftEin Sparpotenzial von bis zu sechs Kraftwerken

Die breit abgestützte Stromeffizienz-Initiative ist am Dienstag lanciert worden. Ziel des Volksbegehrens ist es, den Strombedarf auf dem Niveau von 2011 zu halten.

Das AKW Mühleberg produzierte im Jahr 2011 2,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Das AKW Mühleberg produzierte im Jahr 2011 2,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Rund 58,6 Milliarden Kilowattstunden Strom sind 2011 in der Schweiz verbraucht worden. Die am Dienstag lancierte Stromeffizienz-Initiative hat zum Ziel, bis 2035 den Bedarf auf diesem Niveau zu stabilisieren.

Das Volksbegehren ist breit abgestützt. Alle grossen Parteien sind im Initiativkomitee vertreten. Neben Bundesparlamentariern von SVP, SP, CVP, FDP, Grünen, Grünliberalen, BDP und EVP unterstützen der Wirtschaftsverband swisscleantech, die Stiftung für Konsumentenschutz, Greenpeace, Unternehmer, Wissenschaftler sowie Energie- und Umweltorganisationen das Volksbegehren.

Schub für Effizienz-Diskussion

«Wir vertreten nicht die Positionen unserer jeweiligen Parteien», sagte der Präsident des Initiativkomitees, der Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser, vor den Medien in Bern. In den meisten Parteien und Verbänden sei die Diskussion um die Energieeffizienz erst gerade angelaufen. Laut Ständerätin Pascale Bruderer (SP/AG) soll die Initiative dazu einen Beitrag leisten.

Gemäss den Initianten kann allein mit Stromeffizienz-Massnahmen die Energie von vier bis sechs Atomkraftwerken von der Grösse Mühlebergs eingespart werden. Grundlage dieser Rechnung sind die Prognosen des Bundesamts für Energie (BFE): Gemäss den Modellrechnungen erhöht sich der Stromverbrauch bis 2035 um 23 Prozent, das sind über 13 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich.

Wie dieser Anstieg vermieden werden kann, legt das Volksbegehren nicht fest. Dies ist Sache des Bunds und der Kantone: «Wir legen einen Zielwert fest, aber nicht die Mittel», sagte die Grünliberale Nationalrätin Isabelle Chevalley (VD).

Verzicht ist jedoch nicht das Ziel der Initiantinnen und Initianten: Laut Noser gibt es eine «Fülle an Sparmöglichkeiten, die weder unseren Lebensstil noch unseren Komfort negativ beeinflussen». Es wäre unsinnig, dieses Potenzial nicht zu nutzen, sagte er.

Jede dritte Kilowattstunde überflüssig

Gemäss dem Initiativkomitee können bei industriellen Anwendungen 4,8 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr eingespart werden, bei der Beleuchtung 4,2 Milliarden. Insgesamt wird das Sparpotenzial mit 19 Milliarden Kilowattstunden beziffert - Mühleberg produzierte letztes Jahr 2,6 Milliarden. Stromeffizienz mache jede dritte Kilowattstunde Strom überflüssig, geben die Initiantinnen und Initianten zu bedenken.

Von der Erhöhung der Effizienz versprechen sie sich auch zusätzliche Arbeitsplätze in der Schweiz; viele in die Jahre gekommenen Anlagen, vor allem Heizungen und Elektromotoren, müssten ersetzt werden. Ein weiteres Argument ist die geringere Abhängigkeit vom Ausland: Energie, die nicht gebraucht werde, müsse nicht importiert werden, geben die Initianten zu bedenken.

Und schliesslich habe jede Art von Stromproduktion negative Konsequenzen, die mit mehr Effizienz vermieden werden könnten. «Wir alle wissen: Die beste Kilowattstunde ist jene, die wir nicht verbrauchen», sagte Mitinitiantin Bruderer. Nebst der Nutzung erneuerbarer Energie gelte es deshalb konsequent auf Energieeffizienz zu setzen.

Druck auf Bundesrat und Parlament

Die Initiative ist am Dienstag im Bundesblatt publiziert worden. Die Frist läuft bis Februar 2014, die nötigen 100 000 Unterschriften sollen aber bereits im Frühling 2013 eingereicht werden.

Gemäss den Initianten hat das breit abgestützte Volksbegehren nicht zuletzt zum Ziel, Bundesrat und Parlament bei der Revision des Energiegesetzes auf Kurs zu halten. Der Bundesrat hat eine Botschaft noch für dieses Jahr angekündigt. Das Initiativkomitee befürchtet, dass er seine ursprünglich formulierten Effizienzziele verwässern könnte.

(sda)

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