Ein Star-Anwalt für das Inzest-Monster
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Ein Star-Anwalt für das Inzest-Monster

Keine Sexbestie, sondern auch nur ein Mensch – so wird der Wiener Staranwalt Rudolf Mayer versuchen, seinen Mandanten Josef Fritzl darzustellen. Das dürfte nicht ganz einfach sein.

Josef Fritzl hatte offenbar schon länger mit dem Gedanken gespielt, seine gefangen gehaltene Tochter und die Kinder möglicherweise eines Tages frei zu lassen. Darauf deutet ein Brief hin, der gefunden worden ist, sowie die Tatsache, dass Fritzl bereits einen Tag vor seiner Festnahme die Kanzlei des Star-Anwalts Rudolf Mayer aufsuchte.

«Er war am Freitag (Anm. d. Red.: Freitag, der 25. April - Fritzl wurde am Samstag, 26. April, festgenommen) bei mir», bestätigte der Waidhofner Rechtsanwalt Bruno Bernreitner gegenüber dem Onlinedienst «nachrichten.at». Bernreitner arbeitet im Team des renommierten Strafverteidigers Rudolf Mayer.

Josef F. sei zu ihm gekommen und habe angefragt: «Wie soll ich mich verhalten, wenn meine Tochter jetzt wieder auftaucht?» Bernreitner konnte zu diesem Zeitpunkt die Tragweite der Andeutung nicht erahnen. Er habe dem Mann deshalb allgemeine Auskünfte gegeben.

24 Stunden später gestand der 73-Jährige, seine heute 42 Jahre alte Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in einem Kellerverlies im eigenen Haus gefangen gehalten zu haben, sie immer wieder sexuell missbraucht und sie sechsmal geschwängert zu haben.

«Mein Mandant ist emotional gebrochen»

Jetzt, nachdem das Ausmass des Skandals offensichtlich ist, wird die Anwaltskanzlei die Verteidigung Fritzls übernehmen - und zwar der Chef persönlich. Staranwalt Mayer habe sich mit dem 73-Jährigen inzwischen mehrmals unterhalten. Sein Mandant habe «ernst, betroffen, emotional gebrochen» gewirkt, erklärte er der Nachrichtenagentur AFP.

Mayer bereitet bereits die Verteidigung vor. «Josef Fritzl wird als Horror-Bestie und Sex-Tyrann dargestellt. Meine Aufgabe ist es, ihn als Mensch zu zeigen», erzählt der Advokat dem Spiegel Online. Seine kurzen Begegnungen reichen ihm, um sich ein Bild des Täters zu machen: «Ich hatte den Eindruck, vor mir stünde ein Pater Familias, ein Familienoberhaupt, mit guten, aber auch mit schlechten Seiten.»

«Ich habe ihn gehasst»

Eher von den schlechten Seiten berichtet die 56 Jahre alte Christine R., die Schwester von Fritzls Frau Rosemarie. Der Tageszeitung «Österreich» erzählte sie: «Der Sepp war ein Despot, ich habe ihn gehasst. Ich war 16, als er wegen einer Vergewaltigung eingesperrt wurde und ich fand das Delikt einfach widerlich, zumal er ja zu diesem Zeitpunkt mit meiner Schwester schon vier Kinder hatte.»

Jeden Morgen um 9 Uhr in den Keller

Erst im Nachhinein bekommt der Tagesablauf ihres Schwagers für die 56-Jährige eine gespenstische Dimension: «Jeden Tag um neun Uhr früh ging der Sepp in den Keller. Angeblich, um Maschinenpläne zu zeichnen, die er an Firmen verkaufte. Oft blieb er sogar über Nacht da unten. Rosi durfte ihm nicht einmal einen Kaffee bringen.»

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