Kämpfer gegen Elfenbeinhandel: Ein «stiller Held» ist ermordet worden
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Kämpfer gegen ElfenbeinhandelEin «stiller Held» ist ermordet worden

Esmond Martin mit seinem weissen, wirren Haar galt in Nairobi als amerikanischer Exzentriker. Jetzt wurde der führende Experte für den illegalen Elfenbeinhandel in seinem Haus erstochen.

von
gux
Esmond Martin wurde in Nairobi, Kenia, mit einem Messerstich ins Genick getötet. Martin war ein weltweit führender Experte für den illegalen Handel mit Elfenbein und Rhinozeroshörnern.

Esmond Martin wurde in Nairobi, Kenia, mit einem Messerstich ins Genick getötet. Martin war ein weltweit führender Experte für den illegalen Handel mit Elfenbein und Rhinozeroshörnern.

Keystone/AP/Brian Inganga

Er war ein amerikanischer Exzentriker in Kenia – und einer der weltweit führenden Experten für den illegalen Handel mit Elfenbein und Rhinozeroshörnern. Damit hatte sich Esmond Bradley Martin viele Feinde geschaffen.

Am Wochenende wurde der 76-jährige Geograf in seinem Haus in der kenianischen Hauptstadt tot aufgefunden. Jemand hatte ihn mit einem Messerstich ins Genick getötet.

Ein Einbruch oder mehr?

Wer hinter der Tat steckt, war zunächst unklar. Ebenso, ob der mysteriöse Mord etwas mit Martins Enthüllungen im Schwarzmarkt mit illegalen Hörnern zu tun hat. Martin arbeitete an einem neuen Bericht über die wachsende Rolle Burmas beim verbotenen Handel mit Wildtieren, als er getötet wurde.

Für die kenianische Polizei scheint der Fall klar: Der Amerikaner mit dem wirren, weissen Haar dürfte einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt haben. Immerhin hat Nairobi eine so hohe Verbrechensrate, dass die Stadt auch «Nai-Robbery» genannt wird.

«Er hat es nicht verdient, so zu sterben»

Dennoch zweifelt Ehefrau Chryssee an dieser Version, und auch in seinem Bekanntenkreis macht sich Skepsis breit. «Er war total harmlos, und ich bin mir sicher, er hätte keinerlei Widerstand geleistet», sagt Martins guter Freund Daniel Stiles zur «New York Times». «Seine letzten Minuten müssen wirklich, wirklich schrecklich gewesen sein. Er hat es nicht verdient, so zu sterben.»

Martin konzentrierte sich bei seinen Ermittlungen vor allem auf die Nachfrage nach illegalem Elfenbein; seine Recherchen fokussierten auf die asiatischen Schwarzmärkte als Hauptabnehmer. Dabei scheute er auch nicht davor zurück, die Händler persönlich anzugehen.

Martin beeinflusste sogar China

Seine gnadenlosen Recherchen zeigten Wirkung: Martin trug dazu bei, dass China letztes Jahr seine legalen Märkte schloss und den Elfenbeinhandel im Land gänzlich verbieten wollte.

«Martin gehörte zu den wichtigsten Spezialisten, die Licht in den Schwarzhandel brachten», sagt Paula Kahumbu, Leiterin von Wildlife Direct.

Iain Douglas Hamilton, dessen Organisation Save the Elephants über Jahrzehnte hinweg Martins Recherchen finanzierte und veröffentlichte, nannte den US-Experten einen «stillen Helden» des Tierschutzes.

Pompöse Feste im Cape

Martin, der in den 60er-Jahren als Sprössling einer reichen US-Ostküstenfamilie nach Kenia gekommen war, hatte sich mit Haut und Haar seinem Engagement verschrieben. Er galt als Arbeitstier («Seine Arbeit hätte einen halb so alten Mann erschöpft», so ein langjähriger Freund in der «New York Times») und als Exzentriker. Seine Cocktailpartys waren legendär, er organisierte Bauchtänzerinnen und tauchte an seinen pompösen Festen nicht selten im Cape auf.

«Er war einer der ehrlichsten, aufrichtigsten und engagiertesten Männer, die ich kannte», sagt Freund Stiles über den Getöteten. «Er war immer mehr daran interessiert, Fakten zu produzieren, statt seine Reputation aufzupolieren.»

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