Isdera Commendatore 112i : Ein Supersportwagen, der in der Zeit verloren ging
Rémi Dargegen - Courtesy RM/Sotheby’s  / www.zwischengas.com
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Isdera Commendatore 112i Ein Supersportwagen, der in der Zeit verloren ging

1993 galt der Isdera Commendatore 112i als der schnellste deutsche Sportwagen überhaupt. Seine Entstehungsgeschichte war schwierig und seine Uhr lief ab, bevor er sein Talent richtig zeigen konnte.

von
Bruno von Rotz

Eberhard Schulz war kein Theoretiker, eher ein Praktiker. Dies war vielleicht auch der Grund, warum er sein Maschinenbaustudium abbrach. In seiner Freizeit baute er seinen ersten eigenen Sportwagen, den Erator GT, optisch dem Ford GT40 nachempfunden, allerdings mit deutlich braverer Technik. Mit diesem Wagen fuhr er 1971 bei Mercedes-Benz und bei Porsche vor, um sich zu bewerben. Tatsächlich konnte er mit Führungsmitgliedern der beiden Firmen sprechen und Porsche gab sich mit der Selbstbausportwagen-Referenz zufrieden und stellte den inzwischen 31-jährigen Auto-Enthusiast an.

Bereits 1978 wechselte Schulz zum Tuner Rainer Buchmann und dessen Firma «b+b». Dort standen die Chancen besser, den Traumwagen CW 311, den Schulz in seiner Freizeit konzipiert hatte, zu verwirklichen. 1978 wurde der CW 311 mit Mercedes-Stern vorgestellt, seine Linienführung erinnerte an den C111, aber auch an den 300 SL.

1982 verliess Schulz Buchmanns Firma und gründete sein eigenes Ingenieurbüro für Styling, Design und Racing, kurz «Isdera». Bereits 1983 stand dann der erste Isdera Sportwagen auf dem Genfer Autosalon. Der radikale Spider 033i verzichtete auf Dach und Windschutz, der Käufer erhielt dafür zwei Integralhelme, die zu tragen auch empfohlen waren.

Mit dem Imperator 108i stellte Schulz fast gleichzeitig eine verbesserte Serienversion des CW 311 vor. Doch Schulz wollte mehr.

Strassentauglicher Isdera Imperator 112i von 1993 mit vier Flügeltüren.

Strassentauglicher Isdera Imperator 112i von 1993 mit vier Flügeltüren.

Rémi Dargegen - Courtesy RM/Sotheby’s  / www.zwischengas.com
Die Flügeltüren werden von Gasdruckstossdämpfern oben gehalten.

Die Flügeltüren werden von Gasdruckstossdämpfern oben gehalten.

Rémi Dargegen - Courtesy RM/Sotheby’s  / www.zwischengas.com
Die Besatzung sitzt weit vorne, um für den mächtigen Mercedes-V12-Motor Platz hinter den Sitzen zu schaffen. Das Design erinnert an die Langheckboliden von Le Mans.

Die Besatzung sitzt weit vorne, um für den mächtigen Mercedes-V12-Motor Platz hinter den Sitzen zu schaffen. Das Design erinnert an die Langheckboliden von Le Mans.

Rémi Dargegen - Courtesy RM/Sotheby’s  / www.zwischengas.com

Verwirklichung eins Jugendtraums

Bereits im März 1990 geisterte eine erste Zeichnung eines neuen Supersportwagens namens Isdera Commendatore 112i. Schulz war damals knapp 50 Jahre alt.

So schnell wie geplant ging es nicht vorwärts. Im April 1992 wurde erwartet, dass der Commendatore im August desselben Jahres debütieren solle, passend zum 10-jährigen Firmenjubiläum. Immerhin zeigten Fotos, dass der Bau vorwärts ging. Als Motor war der Mercedes-Benz V12 mit 6,9 Litern Hubraum und 548 PS bei 6200 spezifiziert. Der Radstand wurde mit 260 cm angegeben, die Länge mit 482 cm. Als Gewicht wurden 1460 kg genannt.

Seine öffentliche Premiere erlebte der Isdera Commendatore dann an der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt im September 1993.

Das Fertigfahrzeug, das mit einem neckischen Dachspiegel aus der Reihe tanzte, beeindruckte vor allem mit vier Flügeltüren. Die vorderen waren für die beiden Passagiere, die hinteren verschafften Zugang zum Motor. Den oberen Teil des Rohrrahmens konnte man abschrauben, um besser an den Motor und die Nebenaggregate heranzukommen.

Ab Mitte 1994 sei der Supersportwagen lieferbar, konnte man damals lesen, der Kofferraum war übrigens in der Zwischenzeit auf immer noch taugliche 200 Liter geschrumpft.

Erster Kunde im Jahr 1999

Einmal mehr aber lief nicht alles wie geplant. Japanische Interessenten/Investoren zogen sich bereits früh in den Neunzigerjahren aus dem Projekt zurück und Eberhard Schulz hatte plötzlich andere Probleme, zumal die Entwicklung des Commendatore rund 7,6 Millionen Mark verschlungen hatte. Das war eigentlich eine überschaubare Summe, aber für ein 12-Mann-Unternehmen eine gehöriger Brocken.

Hilfe nahte schliesslich aus der Schweiz und im September 1999 konnte die Zeitschrift «Auto Motor und Sport» vom ersten verkauften Commendatore 112i berichten. Es blieb dies der einzige als Fertigauto verkaufte Wagen. Im Jahr 2016 konnte die Firma Isdera das Auto zurückkaufen. In der Folge wurde das Mittelmotorcoupé wieder in den Ausgangszustand von 1993 zurückversetzt.

Weitere Informationen, viele Bilder und technische Daten gibt es auf www.zwischengas.com.

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Deine Meinung

60 Kommentare
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WernliWernli

24.01.2021, 21:35

Elektroautos werden dank Modularität und Updatebarkeit problemlos dutzende Jahre alt. Leider haben die Deutschen noch nicht rausgefunden wie das geht.

schöheitistanders

24.01.2021, 15:07

und wo ist jetzt hinten und wo vorne...

Edi Vollgas

24.01.2021, 12:56

Früher war nicht alles besser, aber vieles schöner. Heute wird so manches im Winkanal kaputtdesignt