«Abenteuerliches Projekt»: Ein SVP-«Extrablatt» für alle Haushalte
Aktualisiert

«Abenteuerliches Projekt»Ein SVP-«Extrablatt» für alle Haushalte

Die SVP lässt am Freitag eine Zeitung in alle Haushalte verteilen. Das Extrablatt soll über SVP-Themen informieren, welche die Medien angeblich verschweigen.

von
Lukas Mäder
22 Seiten stark kommt das Extrablatt der SVP daher: Verteilt wird es am Freitag in alle Haushalte.

22 Seiten stark kommt das Extrablatt der SVP daher: Verteilt wird es am Freitag in alle Haushalte.

Die SVP bringt am Freitag ihre eigene Zeitung heraus: Das «Extrablatt» erscheint in einer Auflage von knapp vier Millionen Exemplaren, in allen drei Amtssprachen und wird an alle Haushalte verteilt. So könnten die Schweizer «ungefiltert lesen, wer die SVP ist, wofür sie steht und welches ihre politischen Ziele sind», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Denn die SVP fühlt sich ungerecht behandelt: Die kommerziellen Medien würden verzerrt und einseitig berichten sowie Aktivitäten und Erfolge verschweigen.

Die SVP hat bereits in der Vergangenheit mit Werbematerial an alle Haushalte für Aufsehen gesorgt. Doch im Unterschied dazu ist diesmal nicht eine aktuelle Kampagne Anlass für die Publikation des «Extrablatts», wie die Stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär auf Anfrage sagt. Da der Partei derzeit der schleichende EWR/EU-Beitritt Sorgen bereitet, sei die Europapolitik ein Schwerpunktthema der Zeitung. Daneben erscheinen Artikel zu klassischen SVP-Themen wie Sicherheit, Zuwanderung oder Asyl, aber auch zum Wirtschaftsstandort Schweiz und zur Familienpolitik.

Alte Idee einer SVP-Zeitung

Die SVP hat immer wieder mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Zeitung herauszubringen. Die Pläne scheiterten jedoch an den Kosten. Inzwischen hat jedoch SVP-Doyen Christoph Blocher auf die «Basler Zeitung» Einfluss genommen. Deren Druckerei hat auch den Auftrag für das «Extrablatt» erhalten, was eine willkommene Unterstützung für das defizitäre Unternehmen ist, für deren Sanierungskosten Blocher aufkommt.

Ob das «Extrablatt» künftig regelmässig – beispielsweise monatlich oder vierteljährlich – erscheinen wird, ist laut Bär eine Möglichkeit, aber noch nicht entschieden. Sie verweist dabei auf die hohen Gesamtkosten von knapp einer Millionen Franken pro Ausgabe. Zudem impliziere der Titel «Extrablatt» ein Erscheinen nur bei Bedarf.

«Mutig bis abenteuerlich»

Eine regelmässige Publikation wäre aber Voraussetzung für eine emotionale Leserbindung, sagt Politikberater Mark Balsiger. Dazu brauche es über längere Zeit eine gute Qualität der Zeitung. «Da dies offenbar nicht der Plan ist, finde ich das Projekt mutig bis abenteuerlich», sagt Balsiger. Den einzigen wirklichen Nutzen sieht er im Druckauftrag für die «Basler Zeitung».

Dem widerspricht Louis Perron. Für den Politikberater ist es sinnvoll, wenn eine Partei ihre Botschaft immer wieder breit streut. «Die SVP kann so Personen als Sympathisanten identifizieren, an die sie sonst nicht herankäme.» Das sei gerade in der Schweiz wichtig, wo im Unterschied beispielsweise zu den USA wenige Daten über die Wähler bekannt seien. Tatsächlich enthält die SVP-Zeitung ein detaillierte Antwortformular, mit dem Interessierte Parteiinformationen anfordern, Spenden anmelden oder ihre Scheune als Plakatwand zur Verfügung stellen können. Perron ist sich bewusst, dass die Aktion sehr teuer ist: «Der Vorteil der SVP ist, dass sie es sich leisten kann.»

Umfangreiche Zeitung

Das «Extrablatt» der SVP ist eine ausgewachsene Zeitung. Es erscheint 22 Seiten stark im Schweizer Tageszeitungsformat mit einer Auflage von 3,96 Millionen Stück. Die Zeitung wird an alle Haushaltungen verteilt, je nach Sprachregion in Deutsch, Französisch oder Italienisch. Da es sich um politische Information handelt, müssen Werbe-Stopp-Beschriftungen nicht beachtet werden.

Druck und Distribution kosten 950'000 Franken, wie die SVP Angaben der «Basler Zeitung» bestätigt. Die Artikel stammen von SVP-Exponenten, Gastautoren oder Mitarbeitern des Parteisekretariats. Für das Layout zeigt sich die Werbeagentur Goal verantwortlich, die immer wieder Abstimmungskampagnen der Partei entworfen hat. (mdr)

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