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BernEin Tabu bricht auf: Jeder Fünfte kann kaum lesen

Neun Jahre Schule und trotzdem grösste Mühe beim Schreiben und Lesen: Dieses Problem kennen 70 000 Berner. Der Film «Boggsen» bringt das Tabuthema Illetrismus nun an die Öffentlichkeit.

von
Bigna Silberschmidt
«Boggsen»: Tabuthema Illetrismus. (Container Film Edition)

«Boggsen»: Tabuthema Illetrismus. (Container Film Edition)

«Viele Betroffene schämen sich, über ihre Lese- und Schreibschwäche zu sprechen», so Rosita Della Morte vom Verein Lesen und Schreiben für Erwachsene im Kanton Bern. Sie weiss, wovon sie redet: 18 Prozent der Schweizer – rund 70 000 Berner – sind betroffen, doch nur ein kleiner Teil wagt es, sich für einen Kurs anzumelden.

Viele Illetristen gingen neun Jahre zur Schule und haben dennoch Schwierigkeiten, sich im Buchstabenwald zurechtzufinden. Die Gründe dafür seien vielfältig – oft handle es sich bei den Betroffenen aber um fachlich und verbal sehr kompetente Leute.

Zehn Personen haben das Schweigen nun gebrochen und treten im Film «Boggsen» des Emmentaler Regisseurs Jürg Neuenschwander an die Öffentlichkeit. Ein Vollzugsverantwortlicher beschreibt: «Es ist absoluter Horror, wenn man an die Wandtafel kommt und vor der ganzen Klasse blossgestellt wird.» Ein Grafiker, der seit drei Jahren einen Schreibkurs besucht, sagt: «Schade, ich hätte das eigentlich vor zwanzig Jahren machen sollen.» Unterstützt wurde der Film unter anderem von der Berner Erziehungsdirektion. Er sei das «beste Kommunikationsmittel, um Betroffene zu erreichen und sie zum Handeln zu ermutigen». Premiere ist am Samstag im Bubenberg-Kino Bern.

www.boggsen.ch

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