Aktualisiert 05.12.2018 15:01

Bundesratswahlen

«Ein Tag für die Frauen» oder «beschämend»?

Erstmals wurden in der Schweiz zwei Bundesrätinnen an einem Tag gewählt. Ein Jubeltag für die Frauen – doch das sehen bei weitem nicht alle so.

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rol/jk

Das ging zackig: Mit deutlichen Mehrheiten wurden Viola Amherd (CVP/148 Stimmen) und Karin Keller-Sutter (FDP/154 Stimmen) am Mittwoch gleich im ersten Durchgang in den Bundesrat gewählt. «Endlich», «historisch» oder «ein Tag für die Frauen» – so lautet der Tenor in den sozialen Medien nach diesem Wahlmorgen, an dem erstmals gleichzeitig zwei Frauen den Sprung in die Landesregierung geschafft haben. Entsprechend jubelt der Bund der Schweizerischen Frauenvereine (Alliance F):

Die Grünen-Nationalrätin Aline Trede sagt zu 20 Minuten: «Bis jetzt waren Frauen völlig untervertreten im Bundesrat. Die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land sind Frauen.

Babette Sigg Frank, Präsidentin der CVP-Frauen, ergänzt: «Ich glaube, dass Frauen einfach eine andere Sicht auf diverse Probleme haben. Frauenthemen sollten daher zumindest thematisiert werden.»

«Das Geschlecht als Programm»

Im Ständerat sitzen zurzeit sieben Frauen, im Nationalrat sind es 60. Das will die politische Stimme der Frauen ändern. Um mehr Frauen in der Politik zu etablieren und ihre Erfolgschancen zu erhöhen, startet Alliance F eine Spendenaktion.

Unterstützung sicherte ihr dabei die Operation Libero zu. Die Organisation freut sich über die künftige Frauenpower im Bundeshaus – aber das reiche bei weitem nicht. Es brauche dringend mehr weibliche Politikerinnen. Die Fokussierung auf die Geschlechterfrage kommt indes nicht überall gut an.

Trotz historischem Wahlerfolg stimmten feministische Kreise nicht in den Lobgesang vieler Frauenorganisationen ein. Dass man die doppelte Frauenwahl heutzutage immer noch als unüblich und überraschend bejuble, sei schlicht beschämend.

«Hauptsache Frau – Politik nicht entscheidend?»

Ebenso wurde – wie stets bei Bundesratswahlen – Kritik am ganzen Prozedere laut: Herkunft, Geschlecht, Parteizugehörigkeit und Lobby der Kandidaten würden im Vergleich zu deren Fähigkeitsausweisen für das Amt viel zu stark gewichtet.

Diesen Umstand bemängelt auch die Berner SVP-Nationalrätin Nadja Pieren: «Es braucht keine Quotenfrauen im Bundesrat. Es braucht die besten Leute. Nur das zählt. Sieben Bundesräte, die sich mit Herzblut für uns einsetzen.»

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