Erfolge kosten auch: «Ein Tennis-Profi muss 200'000 Dollar einspielen»

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Erfolge kosten auch«Ein Tennis-Profi muss 200'000 Dollar einspielen»

Dimitri Tursunow ist die Nummer 29 der Welt. Im Geld schwimmt der Tennis-Profi deshalb aber nicht. Denn wer konkurrenzfähig sein will, muss auch viel investieren.

von
pre

Dimitri Tursunows Profi-Karriere geht dem Ende entgegen. Der Russe, der mit 12 Jahren in die USA auswanderte und als 18-Jähriger den Sprung auf die ATP-Tour schaffte, ist mittlerweile bald 31-jährig und kann auf einige Erfolge zurückblicken. Die aktuelle Weltnummer 29 gewann sieben ATP-Turniere, triumphierte mit Russland 2006 im Davis Cup und holte 2007 zusammen mit Nadja Petrowa den Titel beim Hopman Cup. Etwas über fünf Millionen Dollar Preisgeld heimste er in seiner 13-jährigen Karriere ein.

Wer nun glaubt, dass Tursunow für das Leben nach dem Tennis ausgesorgt hätte, der täuscht sich. Für die Werbung war und ist der unscheinbare Russe nicht allzu interessant und die Ausgaben als Tennis-Profi sind enorm. «Wenn man es in die Top 50 schaffen will, muss man pro Jahr mindestens 200'000 Dollar ausgeben», sagt Tursunow im Interview mit Pat Cash für die CNN-Sendung «Open Court».

Allein die Reisekosten der ehemaligen Weltnummer 20 betragen derzeit rund 100'000 Dollar. Weil Tursunow nicht immer in der Economy Class sitzen und schlafen will, liegen die Preise höher. «Eigentlich musst du Business Class fliegen. Nicht wegen des Luxus, sondern weil die Zeit an Bord die einzige ist, in der du etwas Ruhe und die Möglichkeit zu schlafen hast», erklärt der Blondschopf. «Würdest du den ganzen Flug über eingequetscht irgendwo in Mitten von schreienden Babys und schnarchenden Fluggästen sitzen, bräuchte es alleine schon zwei Tage, um sich von einem Flug zu erholen.»

Kein Team, das für Spesen aufkommt

Doch mit den Flügen allein ist es nicht getan. Tursunow hat derzeit einen Coach sowie einen eigenen Physiotherapeuten engagiert. Natürlich bezahlt der Spieler auch für sie. «Du bezahlst deren Lohn, die gesamten Reisekosten, die Unterkunft und auch noch das Essen. Das summiert sich», gibt Tursunow zu Bedenken. Beklagen will sich der Russe aber nicht. Kann er auch nicht. In dieser Saison, die für ihn äusserst erfreulich verlief, sahnte er 733'286 Dollar Preisgeld ab. Da bleibt auch nach den Abzügen einiges übrig.

Doch ein bisschen Frust ist doch rauszuspüren. «Du spielst gegen Spieler, die zu den 100 Besten in diesem Sport auf der ganzen Welt zählen. Angenommen, du vergleichst dich mit einem der besten 100 Golfer, Basketballspieler oder meinetwegen auch Doktoren dieser Welt, alle verdienen sie wahnsinnig viel Kohle», so der Tennisprofi. Klar sei es schwierig, die Sportarten miteinander zu vergleichen und trotzdem seien die Kosten laut Tursunow beim Tennis viel höher: «Wir haben kein Team, dass für unsere Spesen bezahlt. Wir zahlen für alles selbst.»

Chiudinelli knapp in den roten Zahlen

Wesentlich mühsamer ist es allerdings für Tennisspieler jenseits der Top 100. Im Gegensatz zu Tursunow können sie nicht vom Tennis leben. Marco Chiudinelli (ATP 174) muss rund 100'000 Franken Preisgeld gewinnen, damit er Ende Saison nicht in die roten Zahlen rutscht. Das hat er in dieser Saison - trotz den Wildcards in Basel und Gstaad und Preigeldern aus Davis Cup und Interclub - mit Einnahmen von 96'404 Dollar knapp nicht geschafft.

Junge Schweizer Talente wie Henri Laaksonen (ATP 187) profitieren von der Unterstützung von Swiss Tennis. Der Verband stellt ihm die Infrastruktur und Trainer Sven Swinnen zur Verfügung und bezahlt auch die Reisekosten. Mit den aufstrebenden Spielern wie Laaksonen werden aber Payback-Verträge abgeschlossen. Die Tenniscracks müssen einen Teil der Ausgaben zurückzahlen, wenn sie den Durchbruch schaffen.

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