Davidoff Swiss Indoors: Ein Titelsponsor hat ausgeraucht
Aktualisiert

Davidoff Swiss IndoorsEin Titelsponsor hat ausgeraucht

Derzeit trumpft Roger Federer an den Davidoff Swiss Indoors gross auf. In der Bredouille ist hingegen der Titelsponsor, der das Turnier nach 2010 verlässt. Zu schaffen macht der Tabakfirma die Anti-Raucher-Lobby.

von
Sandro Spaeth
Zweimal Roger: Turnierdirektor Roger Brennwald mit Aushängeschild Roger Federer

Zweimal Roger: Turnierdirektor Roger Brennwald mit Aushängeschild Roger Federer

Tabakfirmen haben es schwer mit Sponsoring. Waren die Formel-1-Wagen vor einigen Jahren noch mit Marlboro- oder Lucky-Strike-Aufschriften zugepappt, ist Tabaksponsoring im Kampf der schnellen Autos seit 2005 verboten. Ein ähnliches Szenario zeichnet sich auch im Tennis ab. Von den grossen Turnieren arbeiten einzig noch die Swiss Indoors mit einem Tabak-Unternehmen zusammen.

Am kommenden Sonntagabend ist nach 17 Jahren aber auch mit dieser Zusammenarbeit Schluss. Die Basel Oettinger Davidoff Group – die laut Experten jährlich bis zu 5 Millionen Franken ins Turnier steckte – verabschiedet sich als Titelsponsor. Bereits in diesem Jahr ist der Auftritt im Vergleich zum Vorjahr beschnitten worden. Auf dem Centre Court ist das Logo des Tabakkonzerns verschwunden. Der Grund: Die ATP, welche die Fernsehrechte des Turniers in über 150 Länder vermarktet, hat Angst vor teuren Rechtshändel wegen verbotener Tabakwerbung am Fernsehen. So haben sich radikale Organisationen auf die Davidoff Swiss Indoors eingeschossen und in Frankreich und England bereits gegen eine Übertragung des Turniers geklagt.

Titelsponsoring wird günstiger

Für 2011 brauchen die Swiss Indoors also einen neuen Titel-Sponsor. Klar ist, dass die Kandidaten angesichts des Betrags nicht Schlange stehen. Dennoch ist Sponsoring-Experte Jürg Kernen überzeugt, dass Turnierdirektor Roger Brennwald einen Nachfolger finden wird. «Bei den Swiss Indoors handelt es sich um einen Premium-Anlass.» Wichtig für den neuen Partner sei, dass man ein Sponsoring-Modell finde, das über die reine Logo-Präsenz hinausgehe.

Etwas mehr Bedenken hat Experte Hans-Willy Brockes von der Europäischen Sponsoring-Börse: «Einen neuen Sponsor zu finden, wird keine leichte Aufgabe, da Tennis in Europa nicht zum Boom-Bereich gehört, wie etwa Fussball oder Formel 1.» Brockes ist überzeugt, dass ein neuer Partner in Basel etwas weniger tief in die Tasche greifen muss als der bisherige. Der Grund: Für den neuen Titelsponsor ist es hinderlich, dass der Name Davidoff Swiss noch fest in den Köpfen verankert ist. «Dieser Nachteil würde durch einen günstigeren Tarif abgegolten», erklärt Brockes.

Rolex oder Credit Suisse?

Bereits mehrmals haben Medien spekuliert, dass Roger Federer die Swiss Indoors kaufen wolle. Der Tennisstar hielt sich bis jetzt aber stets bedeckt. Doch Tennis-Kenner halten es für realistisch, dass sich Federer in Zukunft an mehreren Tennisturnieren finanziell beteiligt. Besonders interessant dürfte für Federer sein Heimturnier in Basel sein, zumal der 64-jährige Turnierdirektor Brennwald aufs Rentenalter zugeht und sein Lebenswerk in nächster Zeit verkaufen dürfte.

«Es ist vorstellbar, dass ein neuer Sponsor aus dem Umfeld von Roger Federer gefunden wird», sagt Sponsoring-Experte Kernen. Federers Partner mit Schweiz-Bezug sind Lindt, Rolex, Jura, National und Credit Suisse. Den Tennis-Star und das Turnier unter Vertrag zu nehmen ist laut Brockes eine äusserst sinnvolle Strategie, da damit die Nachteile des Personen-Sponsoring abgefedert werden könnten. In der Pole-Position sieht Sponsoring-Experte Brockes die Credit Suisse. Diese könnte Federer auch beim Kauf des Turniers unter die Schultern greifen.

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