Eishockeyspieler des Monats: Ein Topskorer kämpft für sexuelle Toleranz
Aktualisiert

Eishockeyspieler des MonatsEin Topskorer kämpft für sexuelle Toleranz

Tommy Wingels (31) ist das Gesicht von Servette. Ein ganz besonderes, denn er setzt sich für Homosexuelle ein.

von
Philipp Muschg
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Unser Spieler des Monats: Tommy Wingels.

Unser Spieler des Monats: Tommy Wingels.

Keystone/Salvatore Di Nolfi
Servettes Topskorer führte sein Team zwischenzeitlich gar an die Tabellenspitze.

Servettes Topskorer führte sein Team zwischenzeitlich gar an die Tabellenspitze.

Keystone/Salvatore Di Nolfi
Der Punktegarant kämpft aber auch neben dem Eis – für sexuelle Gerechtigkeit.

Der Punktegarant kämpft aber auch neben dem Eis – für sexuelle Gerechtigkeit.

Keystone/Laurent Gillieron

Gewöhnlich ist das nicht. Servette, ein Club auf Sparkurs, mischt an der Tabellenspitze mit. Angeführt von einem Amerikaner, der letzte Saison meist verletzt war. Willkommen in der Welt von Tommy Wingels, dem zweifachen Vater und Schwulenrechtler.

Wobei Schwulenrechtler nur teilweise stimmt. Das Etikett LGBTQ fasst ja alle möglichen sexuellen Identitäten zusammen. Und Wingels will genau das nicht: Athleten nach persönlichen Vorlieben beurteilen. Als Stiftungsrat von You Can Play kämpft er für einen Sport, in dem private Präferenzen keine Rolle spielen. Es ist ein Engagement, an dessen Anfang der Tod eines Freundes stand.

Wingels hielt die Abdankungsrede

Erst 21-jährig war Brendan, als er 2010 mit dem Auto verunfallte. Zwei Monate zuvor hatte der Sohn des legendären NHL-Managers Brian Burke im TV sein Coming-out gehabt, doch Wingels war schon länger im Bild gewesen, als Stürmer im Uni-Team, das Burke managte, aber auch als Freund. Am Grab hielt er die Abdankungsrede. Und als Brendans Bruder Patrick 2012 You Can Play gründete, schrieb Wingels den ersten Check.

Eigentlich wäre er der perfekte Botschafter. Als zweitbester Skorer der Schweizer Liga ist er sportlich top. Und durch seine Kleinfamilie mit Frau, Tochter und Sohn gibt er dem Wunsch nach Toleranz ein vertrautes Gesicht. Dennoch ist er gespalten. Er spreche gerne über Homophobie, aber es mache ihn auch traurig: «Denn diese Diskussion sollte man mittlerweile nicht mehr führen müssen.»

Oder doch? Bis heute gab es weder in der NHL noch in der National League ein einziges Coming-out.

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