Vermisste F/A-18: «Ein Totalcrash ist wahrscheinlich»
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Vermisste F/A-18«Ein Totalcrash ist wahrscheinlich»

Wegen der Funkstille nach dem Verschwinden der F/A-18 beim Susten rechnet Aviatikexperte Max Ungricht mit dem Schlimmsten.

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Am Montagnachmittag (29. August 2016) teilte das VBS mit, dass sie eine F/A-18 der Schweizer Luftwaffe vermisst. Am Dienstag wurde das Flugzeug schliesslich von einem Helikopter aus entdeckt.

Am Montagnachmittag (29. August 2016) teilte das VBS mit, dass sie eine F/A-18 der Schweizer Luftwaffe vermisst. Am Dienstag wurde das Flugzeug schliesslich von einem Helikopter aus entdeckt.

Keystone/Peter Klaunzer
Die Absturzstelle liegt im Sustengebiet. Vom Piloten fehlt noch jede Spur.

Die Absturzstelle liegt im Sustengebiet. Vom Piloten fehlt noch jede Spur.

Keystone/Martin Ruetschi
Die Bedingungen im hochalpinen Gelände sind allerdings für die Einsatzkräfte schwierig. In der Vergangenheit kam es schon mehrere Male zu Unfällen mit Flugzeugen der Schweizer Luftwaffe.

Die Bedingungen im hochalpinen Gelände sind allerdings für die Einsatzkräfte schwierig. In der Vergangenheit kam es schon mehrere Male zu Unfällen mit Flugzeugen der Schweizer Luftwaffe.

epa/Khaled Elfiqi

Herr Ungricht, eine F/A-18 wird vermisst. Was kann mit der Maschine passiert sein?

Das lässt sich aus der Ferne schlecht beurteilen. Normalerweise sendet ein Flugzeug nach einem Absturz ein Notsignal aus. Auch der Pilot trägt einen automatischen Notsender auf sich. Bei einem Totalcrash funktionieren diese Systeme aber nicht mehr, einen solchen halte ich also wegen der Funkstille für wahrscheinlich. Es ist aber auch möglich, dass tief im Tal kein Funkkontakt möglich ist, manchmal lässt sich ein Notsignal nur aus einem darüber fliegenden Helikopter oder Flugzeug orten.

Wie gross sind denn die Überlebenschancen des Piloten?

Da kann ich keine fundierte Schätzung abgeben. Ich hoffe einfach, dass er sich mittels Schleudersitz in Sicherheit bringen konnte.

Der Jet flog in eine dichte Wolkendecke. Wie gefährlich ist das?

Normalerweise ist es unproblematisch und hundertfach geübt. Der Fall erinnert mich aber an den Unfall am Lopper, wo die Jets auch durch Wolken flogen, und ein Pilot der Felswand nicht mehr ausweichen konnte. Solche Sachen können selbst den besten Piloten passieren.

Das ist bereits der vierte Flugzeug-Crash in wenigen Jahren. Ein Zufall?

Die Häufung der Fälle überrascht mich, das ist sehr ungewöhnlich. An einen Zusammenhang glaube ich allerdings nicht. Die Schweizer Luftwaffe ist in den Jahren zuvor lange ohne Unfall geflogen. Dass es nun gleich vier Vorfälle innert weniger Jahre gab, ist eine statistische Häufung.

Die Schweizer Luftwaffe hat also nichts an Ihren Systemen oder am Vorgehen geändert, das die Crashs provozieren könnte?

Nein, ich wüsste nicht, wie das überhaupt möglich wäre. Es werden gerade bei Testflügen keine unnötigen Risiken eingegangen, und die Systeme sind in einwandfreiem Zustand. Es ist einfach eine tragische Zufallsserie.

Der Schweizer Luftwaffe steht nun wohl ein Flugzeug weniger zur Verfügung. Was heisst das für unsere Sicherheit?

Die Luftraumsicherheit in der Schweiz ist nach wie vor sichergestellt. Es kann aber sein, dass die Flotte früher ersetzt werden muss, weil die Flugstunden der vermissten Maschine durch die anderen Jets kompensiert werden müssen und sie so die Höchstzahl an Flugzeit schneller erreichen.

Aviatikexperte Max Ungricht (Bild: ZVG)

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