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Autonomes FahrenEin Toter oder Verletzte – sollen Autos wählen?

Was tut ein autonom fahrendes Auto, wenn es zwischen zwei unausweichlichen Crashs wählen muss? Schützt es den, der richtig fährt, mit der Gefahr, den Fehlbaren zu töten?

von
ann

Wen rammt das Auto, den Quadfahrer oder das korrekt entgegenkommende Auto? Für den fehlbaren Quadfahrer wäre ein Crash verheerend.

Die Situation ist gestellt. Ein autonom fahrendes Auto ist in einem Tunnel unterwegs. Plötzlich überholt ein Quadfahrer das auf der Gegenspur fahrende Auto. Tunnelwände blockieren ein Ausweichmanöver. Zeit für ein Bremsmanöver bleibt nicht mehr. Dem computergesteuerten Wagen bleibt nur noch der Crash.

Wohin lenkt das System den Wagen? Rast er in den Quad, stirbt der Fahrer auf dem vierrädrigen Motorrad mit grosser Wahrscheinlichkeit. Für die eigenen Insassen ist diese Art von Zusammenprall weniger gefährlich.

Der Quadfahrer büsst für seinen Fehler

Rammt das autonome Fahrzeug aber das entgegenkommende Auto, werden die eigenen Insassen und die des anderen Autos erheblich verletzt. Im Axa-Crashtest hat man sich dafür entschieden, den Quad zu rammen. «Wir entschieden uns dafür aufgrund der Testanlage», sagt Bettina Zahnd, Leiterin Abteilung Unfallforschung bei der Axa.

Auch im realen Leben wäre das für sie aber eine mögliche Entscheidung. «Schliesslich ist der Quadfahrer der Fehlbare. Würde der Wagen das korrekt entgegenkommende Auto rammen, würden völlig Unschuldige verletzt.»

Der Mischverkehr als Gefahr

Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Wie der Computer im echten Leben entscheiden würde, kann man heute noch nicht sagen. Die Unfallforscher der Axa wollen mit dem konstruierten Fall aufzeigen, dass noch viele Fragen rund um das autonome Fahren unklar sind.

Besonders der Mischverkehr von autonomen und herkömmlichen Autos berge neue Herausforderungen, warnt Zahnd: «Es ist denkbar, dass in dieser Übergangsphase die Unfallquote gar steigen wird.»

«Der Computer würde die Gefahr früh genug erkennen»

Dem widerspricht Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft und Automotive Research. Der Experte für alles rund um die Entwicklung von Autos glaubt nicht, dass der Mischverkehr ein Problem darstellt.

«Das autonome Auto hat so viele Sensoren und die Rechenleistung des Computers ist so unschlagbar schnell, dass die Gefahr eines solchen Unfalls sehr klein ist. Der Computer würde wohl in 99 Prozent der Fälle schon frühzeitig erkennen, dass sich der Quadfahrer komisch verhält und rechtzeitig bremsen.»

Zufallsgenerator oder geringster Schaden für Menschen

Dennoch geht Dudenhöffer mit der Axa einig, dass sich auch mit autonomen Autos nicht alle Unfälle vermeiden lassen. Es gebe auch für diese Fahrzeuge einen point of no return. «Die Frage, wie das autonome Auto dann entscheiden soll, ist spannend.» Am Schluss sei dies aber einfach eine Frage der Programmierung.

«Entweder baut man einen Zufallsgenerator ein, oder man lässt den Computer mit allen Wahrscheinlichkeiten berechnen, wo der geringstmögliche Schaden für den Menschen entsteht.» Problematisch findet Dudenhöffer das nicht. «Das ist ethisch vertretbar.»

Sehen Sie die zwei weiteren Crash-Möglichkeiten mit autonom fahrenden Autos:

Wie sicher sind autonome Fahrzeuge?

Interview: Annette Hirschberg
Rohmaterial: AXA Versicherungen AG

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