Aktualisiert 13.06.2014 12:45

Meet and GreetEin Treffen mit Ozzy kostet 770 Franken

Vor seinem Konzert im Hallenstadion lädt der Black-Sabbath-Sänger zur kostspieligen Audienz. Der Fürst der Finsternis ist nicht der einzige Promi, der so sein Konto aufstockt.

von
sei

Für einen echten Fan ist das das höchste der Gefühle: sein Idol zu treffen. Darum wissen auch Künstlermanagements. Sie lassen den Traum wahr werden - und münzen ihn in harte Währung um. Ein Treffen mit Black-Sabbath-Frontmann Ozzy Osbourne kostet zum Beispiel genau 770 Franken - Konzerteintritt nicht inbegriffen. Dafür bekommen die devoten - und solventen - Anhänger des Prince of Darkness die Möglichkeit zu einem Autogramm (maximal ein Gegenstand) und einem Foto. Dazu gibt es ein exklusives Geschenk und einen Tour-Pass als Erinnerungsstück. So steht es auf Ticketcorner.ch, wo das Goldene Ticket feilgeboten wird.

«Das meiste Geld fliesst ans Management»

Seit die Tonträgerindustrie schwächelt und Künstler ihre Haupteinnahmen über Konzerttickets generieren, sind VIP-Packages zum interessanten Zusatzerwerb geworden. «Die Spezialangebote haben sich in den letzten Jahren durchgesetzt, auch wenn sie nicht von allen Künstlern gewünscht werden», sagt Esther Makwana. Ihre Firma You Are Special schnürt exklusive Pakete für Grosskonzerte in der Schweiz. «Unsere Agentur verdient daran nicht viel. Das meiste Geld fliesst ans Management», sagt sie.

Oftmals werden die saftigen Aufpreise durch Privilegien wie Zutritt zu einer bestimmten Publikumszone, separate Eingänge und Fan-Goodies gerechtfertigt. One-Direction-Fans, die ein «Rock Me»-Tourpackage gekauft haben, dürfen am 4. Juli schon etwas früher ins Stadion als der Rest. Auch beim Rolling-Stones-Konzert gab es einen VIP-Service: Für 949 Franken bekam man zum Premium-Sitzplatz noch ein Galadinner dazu. Wie lassen sich solche Preise rechtfertigen? «Die Kunden bekommen nicht nur die besten Plätze, sondern auch Getränke à discrétion und ein Dinner, für das sie im Restaurant nicht weniger bezahlen würden», meint Makwana. Der Extra-Service ist beliebt: «Für die Stones haben wir mehrere Hundert VIP-Tickets verkauft», so Makwana.

Nicht das glühende Herz, sondern das dicke Portemonnaie zählt

Meet & Greets und Fan-Vorteile wie ein frühzeitiger Zugang zur Konzertarena würden im Gegensatz zur Bewirtung direkt vom Management organisiert. Im Fall von Black Sabbath und One Direction ist dies die Agentur Live Nation. Die Backstreet Boys verkaufen die Fan-Treffen direkt über ihre eigene Website. So hätte man für das Zürcher Konzert im Mai drei verschiedene Meet and Greets kaufen können, die zwischen 250 (die Gruppenvariante), 350 (die individuelle Variante) und 600 Dollar (mit Kurzauftritt auf der Bühne) kosteten. Zuletzt sorgten unfreiwillig komische Bilder eines Meet & Greet mit Avril Lavigne für Aufsehen. Die brasilianischen Fans hatten 400 Dollar berappt, um ihrem Idol ganz nahe zu sein. Dachten sie zumindest. Denn sie mussten einen Sicherheitsabstand zur Kanadierin einhalten. Körperkontakt war nicht erwünscht.

Die Zeiten, in denen Fans Stunden in der Schlange standen, um vielleicht von einer der ersten Reihen aus ein Gitarren-Plektrum zu erhaschen, sind vorbei. Wer 1200 Dollar bezahlt, bekommt das von der Rockband Kiss nämlich gleich zum Meet & Greet dazu - Verpackung inklusive. Es gewinnt nicht der Fan mit dem glühendsten Herzen, sondern der mit dem dicksten Portemonnaie.

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