Giovanni Trapattoni: Ein Triumph für seinen verletzten Stolz
Aktualisiert

Giovanni TrapattoniEin Triumph für seinen verletzten Stolz

Das wäre ein netter Aprilscherz: Ausgerechnet Giovanni Trapattoni kann heute mit Irland Weltmeister Italien vom Thron der Gruppe 8 stossen.

«Es wird komisch, in meiner Heimat als Gegner anzutreten», dämmert es Trapattoni: «Ich bin immer noch Italiener. Ich bin aber auch Profi, mit dem Anpfiff sind die Sentimentalitäten vergessen. Es geht nur um Irlands Erfolg.» Diesen würden ihm viele Landsleute wohl nicht einmal übel nehmen. Trapattoni gilt in Italien als Kulturerbe des Calcio. Eine Figur, bei der Interessen der Klubfarben in Bedeutungslosigkeit verschwimmen. Am 17. März feierte er seinen 70. Geburtstag und jede Gazette widmete ihm viel Platz: «Der Grös­ste aller Zeiten» («La Repubb­lica») oder: «Quatsch, du bist keine 70 – mit dir fühlen wir uns wie Kinder» («Gazzetta dello Sport»).

Doch bei allen Hommagen hat Trapattoni nicht vergessen, wie er nach dem Scheitern an der EM 2004 in Portugal vorzeitig seinen Stuhl als Nationalcoach räumen musste – und durch den heutigen Amtsinhaber Marcello Lippi abgelöst wurde. Danach kehrte «Trap» seiner Heimat den Rücken und kehrte nicht zurück. «Ich ­liebe mein Land. Aber ich werde nie wieder dort arbeiten», sagt der Kulttrainer mit verletztem Stolz. Heute kehrt er zum Besuch zurück und glaubt an eine Überraschung. Gelingt dies «Trap's Army», wird er heute mit breiter Brust durchs Stadio San Nicola in Bari spazieren.

(ahu)

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