Falscher Verdacht: Ein Tumor, eine Affäre und ein Irrtum
Aktualisiert

Falscher VerdachtEin Tumor, eine Affäre und ein Irrtum

Das gemeinsame Glück der Eheleute Graves bekam tiefe Risse, als Catherine vermutete, ihr Mann John gehe fremd. Doch hinter der vermeintlichen Liaison steckte eine lebensbedrohliche Krankheit.

von
rre

Sie lebten den amerikanischen Traum: Besser hätten es Catherine und John Graves nicht treffen können. Das Ehepaar wohnte mit seinen sechs Kindern in Phoenix, Arizona. Doch wenige Jahre nach ihrer Hochzeit veränderte sich John. Immer wieder kam er spät nach Hause, verprasste Firmengelder und zeigte kaum noch Interesse an seiner Frau.

Catherine wurde misstrauisch, sie beauftragte sogar einen Privatdetektiv, der die vermeintliche Liaison aufdecken sollte. Erst als John einen schweren epileptischen Anfall erlitt, stiessen Ärzte auf den wahren Grund für das seltsame Verhalten: Eine bösartige und aggressive Form eines Hirntumors (Gliom) führte bei Graves zu gravierenden Persönlichkeitsveränderungen. «Plötzlich wurde ich mit der harten Realität konfrontiert», erzählte Catherine Graves im Gespräch mit ABCnews.com. «Ich dachte doch eigentlich, ich könnte den Rest meines Lebens mit ihm verbringen.»

«Ich war sehr depressiv»

Nach Jahren der Verzweiflung, in denen Catherine vermutet hatte, ihr Mann gehe fremd, folgte eine noch viel schlimmere Zeit: John hatte nur noch fünf Monate zu leben und seine Ehefrau pflegte ihn bis zu seinem Ende. Zu viel für die sonst so starke Frau, die aufgrund seelischer Qualen ihren Verstand verlor. «Ich war sehr depressiv», erinnert sich Catherine, die die schlimmste Zeit ihres Lebens im Buch «Checking Out: An In-Depth Look at Losing Your Mind» («Wenn man den Verstand verliert – eine eingehende Betrachtung») verarbeitet hat.

So wie Catherine ergeht es vielen Menschen in den Vereinigten Staaten. In den USA werden rund ein Drittel aller hilfsbedürftigen Menschen von ihren Angehörigen versorgt. Zeit, um die belastende Situation mit einem Psychologen zu verarbeiten, bleibt ihnen aufgrund des Rund-um-die-Uhr Jobs nicht.

Wie eine Studie der American Psychological Association zeigt, stehen Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, eher unter Stress und auch das Risiko, an einem chronischen Leiden zu erkranken, ist im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich höher.

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